Vor 25 Jahren richtete Deutschland die Weltausstellung Expo 2000 in Hannover aus – ein Ereignis, das bis hinein in unser Hügelland strahlte
von Stephan Gilliar
Wenn ich mir die alten Bilder in dem Fotoalbum ansehe, das mein Vater für mich angefertigt hat, werde ich auch heute noch elektrisiert – das alte Gefühl der Aufregung von damals stellt sich wieder ein. Himmel, was war das für eine einzigartige Zeit, als Deutschland zum ersten Mal – und eingedenk des finanziellen Debakels vermutlich auch zum letzten Mal – die ganze Welt zu Gast hatte und Austragungsort einer offiziellen Weltausstellung war.

Das Motto der Expo 2000 auf dem Messegelände in Hannover lautete damals „Mensch, Natur, Technik“, und 155 Staaten sowie fast 30 internationale Organisationen waren dabei.
Ein Geburtstagsgeschenk voller Aufbruchsstimmung
Ich bin meinem Vater sehr dankbar, dass er mir damals zu meinem 20. Geburtstag einen Ausflug zur Expo geschenkt hat. Gemeinsam sind wir mit dem Bus von Eppingen aus nach Hannover gefahren – eine weite Reise, aber eine, die sich gelohnt hat.
Denn was war das damals für eine Aufbruchsstimmung, insbesondere im Bereich Technik! Das Internet begann erstmals, eine Rolle für die breite Bevölkerung zu spielen, die Dotcom-Blase war noch nicht geplatzt, und die nun international vernetzte Welt des Computers war ein einziges Abenteuer – ohne jede Grenze. Regulierung gab es kaum, wir haben im Grunde getan und gelassen, was wir wollten. Billige Websites samt tanzender GIFs in Frontpage gebastelt, naiv und unschuldig Songs über Napster geladen, unsere klobigen, beigefarbenen Tower-PCs bei LAN-Partys mit dem obligatorischen Abschlusswiderstand verdrahtet – mir wird heute noch warm ums Herz, wenn ich an diese tolle Zeit denke.
Technik zum Anfassen
Auf der Expo 2000 in Hannover kamen die Menschen tatsächlich zum ersten Mal mit greifbarer Technik dieses Kalibers in Kontakt. Ich weiß noch, wie ich staunend am Stand von Bol.de, einem deutschen Onlinehändler, der es mit Amazon aufnehmen wollte (Spoiler: hat nicht geklappt), eine Onlinebestellung ausgeführt habe.


Bücher am Computer aussuchen, die dann tatsächlich und handfest im Briefkasten landen – heute selbstverständlich, damals für mich das achte Weltwunder. Aufbruchsstimmung wohin man schaute: Am Stand von Philips wurde die CD-Ials der ganz heiße Scheiß vorgestellt – ein Format, das von der DVD bald im Kindersarg beerdigt wurde.
Transrapid und Skyliner
Die Expo 2000 war ein riesiges Abenteuerland – schon vom ersten Moment an. Mit dem deutschen Hochgeschwindigkeitszug Transrapid konnte man vom Flughafen direkt zum Messegelände fahren, und das in einem symbolischen Wimpernschlag. Auch diese Technik hat es nicht in die Gegenwart geschafft, obwohl sie es verdient hätte. Doch der schwere Unfall auf dem Testgelände des Transrapid im Emsland, sechs Jahre später, bei dem 23 Menschen zu Tode kamen, zog dem Projekt endgültig den Stecker.
Auf dem Messegelände selbst konnte man mit kleinen schwebenden Gondeln vorwärtskommen: Der Expo-Skyliner ließ schwindelfreie Besucher für fünf Mark pro Fahrt (inklusive 16 % Mehrwertsteuer) das riesige, weitläufige Gelände von oben bestaunen.

Ich erinnere mich, wie ich minutenlang einfach nur dastand, als sich das riesige Expo-Dach über mir spannte – ein Meer aus Licht und Stoff, das die Sonne in silbrige Schatten zerlegte. Überall wogte Musik, Sprachen aus aller Welt mischten sich zu einem einzigen Klangteppich, und für ein paar Stunden fühlte sich Hannover wirklich wie der Mittelpunkt der Erde an.
Architektur der Superlative
Und was es da alles zu sehen gab! Der deutsche Pavillon war einer der beliebtesten – ein futuristischer Holz-Stahl-Bau mit nachhaltigem Konzept, ähnlich dem Schweizer Pavillon, der aus 100 % Holz gebaut und nach der Expo komplett recycelt wurde.
Mein Favorit aber war der niederländische Pavillon, ein vertikaler Garten auf sechs Ebenen, atemberaubend in Gestaltung, Größe und Bedeutung. 20 Jahre lang sollte dieses architektonische Meisterwerk nach der Expo vor sich hin gammeln – eine Schande und ein Symbol dafür, wie schlecht die Nachnutzung des Geländes trotz vieler Visionen tatsächlich verlief. Doch es gibt ein Happy End: Das Gebäude wird heute zu einem Wohnhaus umgestaltet, in Form und Anmutung bleibt es weitgehend erhalten.

Unvergessen auch das riesige Expo-Dach – eine Membran, die sich über große Teile des Geländes spannte, insgesamt 65.000 m², damals die größte Dachkonstruktion der Welt. Superlative wohin man sah – es war einfach tief beeindruckend.
Finanzieller Flop, kulturelles Vermächtnis
Superlative sind allerdings nicht billig. Das finanzielle Fazit der Expo 2000 war – freundlich gesagt – ernüchternd. Sie war kulturell und architektonisch ein mutiges Experiment, aber wirtschaftlich ein Debakel.
Die Expo 2000 kostete rund 9 Milliarden D-Mark statt der ursprünglich geplanten 5 Milliarden und endete mit einem Defizit von etwa 2 Milliarden D-Mark – ein finanzieller Flop, der zwar tiefe Spuren in den öffentlichen Kassen hinterließ, Hannover aber nachhaltig prägte und als erste „grüne“ Weltausstellung Maßstäbe setzte.


Vielleicht war die Expo 2000 kein wirtschaftlicher Erfolg – aber sie hat gezeigt, dass Zukunftsvisionen einen Preis haben dürfen, wenn sie den Blick nach vorn öffnen. Außerdem: Ist es nicht falsch, solche Projekte nur dann positiv zu beurteilen, wenn sie Gewinn abwerfen? Es ging hier schließlich um Aufbruch, um Visionen und Ideen für eine bessere Welt – auch wenn sich nicht alle davon bewahrheitet haben.
Sternenfels als Expo-Kommune
Die Expo beschränkte sich übrigens nicht nur auf Hannover. Über ganz Deutschland verteilt engagierten sich hunderte Projekte und Kommunen. Eine davon findet sich im Kraichgau: Sternenfels war eine der kleinen Gemeinden, die früh auf Nachhaltigkeit, Umweltbildung und erneuerbare Energien setzten.
Ihr Engagement wurde im Rahmen der Expo 2000 ausgezeichnet – sie durfte sich offiziell „Expo-Kommune“ nennen, ein Umstand, auf den auch heute noch Schilder am Ortseingang hinweisen.

Dass sogar eine kleine Kraichgau-Gemeinde wie Sternenfels Teil dieser Weltbühne wurde, zeigt, wie weit die Ideen der Expo reichten – bis in unser eigenes Hügelland, wo Zukunft nicht nur gedacht, sondern gelebt wurde.
Und heute?
Das Expo-Gelände in Hannover gibt es immer noch. Teile davon liegen brach, einige Pavillons fristen in erbärmlichem Zustand ihr Dasein und sind Ziel von Urban Explorern auf der Jagd nach Lost Places. Doch beide Teile des Areals werden weiterhin aktiv genutzt und weiterentwickelt – etwa die Expo Plaza als Event-, Konzert- und Bildungsstandort, die TUI Arena (heute ZAG Arena) und sogar Teile des Expo-Dachs.

Ich jedenfalls bin sehr froh und stolz darauf, dieses außergewöhnliche Ereignis besucht zu haben – denn was könnte größer und eindrucksvoller sein als eine Weltausstellung?
Mein Großvater war bereits auf der Weltausstellung in Brüssel Ende der fünfziger Jahre, als das berühmte Atomiumenthüllt wurde – wertvolle Erinnerungen. In den nächsten Jahren jedoch ist wohl keine Weltausstellung auf europäischem Boden geplant. Derzeit läuft die Expo 2025 in Japan in ihren letzten Tagen – dagegen war die Fahrt von Eppingen nach Hannover ein regelrechter Katzensprung.

Tja, das waren noch Zeiten. Und heute – stellt man um auf Kriegswirtschaft!! Damit Putin es mit der Angst zu tun bekommt. In China fahren Hochgeschwindigkeitszüge mit einer wirklich hohen Geschwindigkeit. Der ICE L ist dagegen nicht so schnell. Macht doch NIX !! Und wenn man eine neue Zugstrecke von Stuttgart nach München geplant hat, stellt man fest, daß man einen Fehler gemacht hat, denn es dürfen auch weiterhin Güterzüge fahren die keuchen dann über den Albaufstieg. Willkommen in Deutschland
@anonymous: Ja, alles blöd heute. Baut man eine separate Schnellfahrstrecke für Personenverkehr, ist es blöd weil die Güterzüge sie nicht nutzen dürfen. Baut man keine separate Schnellfahrstrecke für Personenverkehr, dann zeigt man nach Frankreich, wo alles viel besser ist, weil die schon immer separate Schnellfahrstrecken haben.
Es juckt doch kein Schwein wenn die Güterzüge mit 30 den Albaufstieg hochgedrückt werden und ne halbe Stunde länger brauchen nach Ulm. Übrigens ist Stuttgart-München gar keine derart wichtige Güterstrecke wie z.B. die Rheintalbahn Richtung Italien. Was an Gütern gen Osten geht, läuft eh über Nürnberg und nicht durch Stuttgart.