Vor rund 80 Jahren entstand im Wald bei Mingolsheim der legendäre Waldparkring, auf dem viele große Autorennen ausgetragen wurden. Heute erinnert kaum noch etwas, an dieses Relikt deutscher Rennsportgeschichte
Es ist ruhig hier im Wald bei Mingolsheim, sehr ruhig. Eine Ruhe, die mittlerweile Seltenheitswert hat, denn von fast überall im Hügelland lassen sich mittlerweile die Geräusche menschlicher Zivilisation wahrnehmen, allen voran das beständige Dröhnen unserer Straßen. Umso erstaunlicher, dass genau dieses Dröhnen früher einmal genau hier Menschen in Entzückung versetzte, Adrenalin durch Adern schießen ließ, der Geruch von Benzin und Autoreifen in der Luft lag. Ja, genau hier, in diesem unscheinbaren Waldstück, wo heute Senioren spazieren gehen, sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen, wurde vor Jahrzehnten große Rennsportgeschichte geschrieben.

Im Mingolsheimer Forst nahe Gründelgraben und Östringer Erlenhain schlummert ein Relikt längst vergangener Zeiten – der alte Waldparkring. Eine waschechte Rennstrecke, auf der sich nur wenige Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges große Namen die Klinke in die Hand gaben, mit den besten Fahrzeugen dieser Ära gegeneinander anraten. Wenn sie die Augen schließen, können Sie es fast noch hören. Das tiefe, sonore Brummen der Motoren, nicht das hochfrequente wespenartige Zischen heutiger Rennboliden, sondern die schweren und soliden Maschinen der Fünfzigerjahre. Wenn sie ganz genau hinhören, hören Sie noch das Raunen der Menge, wenn die Autos sich in den Kurven zur Seite neigen, wenn die blechernen Durchsagen aus den quäkenden Membranen der alten Lautsprecher quollen.

Heute ist von alldem nicht mehr viel zu sehen, doch dieser Waldboden erzählt dem aufmerksamen Zuhörer eine lange und bewegte Geschichte. Während des zweiten Weltkrieges befand sich in dieser Waldregion ein großes Militärdepot der deutschen Wehrmacht. Die einzelnen Baracken waren durch lose Schotterwege miteinander verbunden, welche eine Art ovalen Ring mit mehreren scharfen Kurven bildeten. Nach Kriegsende kamen die Mingolsheimer Bürger auf die Idee, diese Lagerstraßen zu einer echten Rennstrecke auszubauen. Gesagt, getan, der Gedanke beflügelte die kriegsgebeutelten Mingolsheimer und so wurde aus dem Traum am Ende Wirklichkeit, reich an Pferdestärken und glänzendem Chrom. Zur Eröffnung am 10. Oktober 1948 fanden sich so rund 10.000 Menschen im Mingolsheimer Wald ein, um nie zuvor dagewesene Rad- und Motorradrennen hautnah mitzuerleben. Autos spielten zur Eröffnung noch keine Rolle, dafür war die Strecke schlicht nicht geeignet, doch zum Auftakt lieferten sich auch Radfahrer und Motorradfahrer spannende Duelle auf der improvisierten Piste.

1949 baute die Gemeinde Mingolsheim – beflügelt durch den enormen Erfolg der Anlage – die Rennstrecke so weit aus, dass sie auch für Autos geeignet war. Die Lagerwege wurden auf rund 6 Meter Breite erweitert und neben der Strecke entstanden ein echter Tower nebst zugehöriger Baracke für die Rennleitung. Durch den Ausbau bekam der Waldparkring seine offizielle Zulassung als Rennstrecke und war fortan Austragungsort für das Motorradrennen „Kraichgauer Waldparkring“.

Bis in die 50er-Jahre hinein dauerte die Glanzzeit des Rings an, doch als eine Reihe von tödlichen Unfällen wie ein dunkler Schatten über die Rennstrecke fielen, wurde sie schließlich 1958 stillgelegt. Seither erobert die Natur das Gelände unaufhaltsam zurück. Nur noch Teile des originales Asphalts und die Grundmauern der ehemaligen Depot-Baracken erinnern an jene Zeit, als in Mingolsheim noch großer Rennsport gefahren wurde.

Vielen Dank für diesen sehr interessanten Artikel. Als Motorsportfan kenne ich hier ausschließlich den Hockenheim-Ring. Völlig unbekannt ist für mich der Waldparkring. Vielleicht aus dem Grund weil ich bei der Stilllegung der Rennstrecke gerade mal 5 Jahre alt war.
Nicht ganz richtig, erst vor einigen Jahren wurde ein Schaurennen inititert, von Gerhard Bender organisisert und kommentiert. Mit historischen Rennautos, ein Erlebnis für Jung und Alt.