Als Eppingen die Tausend voll machte

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Erinnerungen an ein denkwürdiges Festwochenende im heißen Sommer 1985

Man muss die Feste feiern, wie sie fallen – das war den Eppingern schon immer ein Anliegen. Selten aber so sehr wie in den frühen achtziger Jahren, als die alte Stadt tatsächlich ihrem 1000. Geburtstag entgegenfieberte. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: 1000 Jahre – vier kleine Zahlen, die für einen riesigen Zeitabschnitt stehen, seit der ersten urkundlichen Erwähnung Eppingens im Jahr 985 bis hinein in unsere Gegenwart. Vielleicht werden Sie sich jetzt fragen, wo der Kraichgau doch erst kürzlich fast über alle Hügel hinweg seinen 1250. Geburtstag gefeiert hat, wie Eppingen, als dessen Hauptstadt im Geiste, so viele Lenze weniger auf dem Buckel haben kann? Hat sie gar nicht, sagt der Eppinger Historiker Reinhard Ihle. Es sei einfach dem Zufall geschuldet, wann welche Siedlung das erste Mal in irgendeiner Urkunde vermerkt wurde – ein Datum, das keineswegs deckungsgleich mit der tatsächlichen Gründung sein muss. Ob jetzt also zum Beispiel Bretten, das 2016 seine 1250 Jahre vollgemacht hat, oder Eppingen zuerst da war, ist daher überhaupt nicht die Frage. Generell kann man aber grob über den Daumen peilen, erklärt Reinhard, dass alle Orte, die auf „-ingen“ enden, zu den ältesten Siedlungen Süddeutschlands zählen – demnach also auch Eppingen.

Als Eppingen seinen 1000-jährigen Geburtstag gefeiert hat, war Reinhard 29 Jahre alt, der Verfasser dieses Artikels dagegen gerade einmal fünf Jahre. Die Erinnerungen, die ich an dieses besondere Ereignis mit Ihnen teilen kann, beschränken sich daher auf ein paar vage Eindrücke aus meiner kindlichen Erinnerung. Ich weiß noch, dass ich an der Ecke Adelshofer Straße und Rappenauer Straße auf dem Trottoir vor der Bäckerei Petri saß und gebannt dem endlos langen Festzug zuschaute, wie er vom Marktplatz her an uns vorbeizog. Ich erinnere mich an Musik, an Schauspiel und natürlich den Eppinger Mischtkrab in endlos vielen Variationen.

Reinhard dagegen erinnert sich an ein Wochenende, das einfach nur großartig war – vom Anfang bis zum Ende. Der Umzug im Juli 1985 war dabei nur das Highlight, der Höhepunkt einer ganzen Veranstaltungsreihe, die sich durch das komplette Jahr zog. Schon damals hat Reinhard als Mitglied des Heimatvereins an der Organisation mitgewirkt. Zu dieser Zeit arbeitete der langjährige Lehrer im Eppinger Archiv und im Museum, war daher mit dem Festprogramm und dessen aufwändiger Planung bis ins kleinste Detail vertraut. Ein Höhepunkt dieses denkwürdigen Wochenendes war das traditionelle Treffen ehemaliger Eppinger Jahrgänge – eine feste Institution, die seit den dreißiger Jahren das Stadtleben prägt und bis heute fortgeführt wird. Reinhard feierte damals mit seinem Jahrgang nicht etwa in einer der damals noch zahlreich vertretenen Eppinger Kneipen, sondern wild und ausgelassen im nahen Steinbruch bei Stebbach. Keiner habe damals viel geschlafen, am nächsten Morgen ging es dann gleich um acht Uhr zur Kostümprobe in die Stadthalle für den großen Umzug, erinnert sich Reinhard. Die historische Darstellung verschiedener Eppinger Begebenheiten und Epochen war ein fester Bestandteil der Parade, die kreuz und quer durch die ganze Stadt führte. Vertreten war nicht nur die Stadtgeschichte, sondern auch alte Berufe, Partnerstädte und historische Vereine.

Reinhard war als Mitglied des Heimatvereins Teil des historischen Ensembles. Seinem Freund und Vereinskollegen Bernd Röcker und ihm wurde die Rolle von Professoren der Heidelberger Universität zugedacht, die damals während der Jahre des Schwarzen Todes, zur Zeit der europäischen Pest, in Eppingen Zuflucht fand. Die so aus der Taufe gehobene alte Universität war übrigens 1985 noch mitten in der Renovierung, blaue Planen verdeckten das heute weithin sichtbare, wunderschöne alte Fachwerkhaus. Übernächtigt und mit einem gesegneten Kater auf dem Buckel marschierte Reinhard also durch die Stadt. Die Umzugsstrecke führte von der Mühlbacher Straße über die Brettener Straße, den Marktplatz, die Bahnhofstraße, den Altstadtring zurück zum Marktplatz und dann hinunter über die Rappenauer Straße und die Talstraße bis zum Festplatz. Eine ordentliche Marschroute, die Reinhard aber noch in warmen Farben in Erinnerung hat. Die Menschen waren begeistert, ungefähr 15.000 wollten sich damals das Spektakel nicht entgehen lassen, erinnert er sich. Die Stimmung habe ihn regelrecht durch die Stadt getragen, schwärmt er von dieser ganz besonderen Veranstaltung im Sommer ’85. „Das war einfach wahnsinnig.“

Seither sind fast auf den Tag genau 30 Jahre vergangen, doch das Feuer in Eppingen brennt immer noch für seine pi mal Daumen 1030-jährige Geschichte. Alle zehn Jahre werden in Eppingen die Heimattage veranstaltet, die Jahrgangstreffen gibt es zudem ebenso noch. Abgenommen hat die Begeisterung dafür nicht – immer noch finden sich unzählige freiwillige Helferinnen und Helfer, die sich im Organisationsteam für einen reibungslosen Ablauf einsetzen, ebenso steht die Eppinger Vereinslandschaft hinter diesen besonderen Tagen.

2 Kommentare zu „Als Eppingen die Tausend voll machte“

  1. Tolle Bilder, schöner Artikel. Die Stimmung kommt wirklich sehr gut rüber.
    Nur leider sind es tatsächlich schon 40 Jahre (und nicht nur 30)😉

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