Die Bauern aus dem Bau

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Auf Schloss Kislau bei Bad Schönborn durchlaufen Gefangene eine besondere Form der Resozialisierung: im Stall, auf dem Feld und im Heuboden.

Das Schloss Kislau bei Bad Schönborn ist ein Ort der Kontraste. Ruhig und idyllisch liegt es in der heißen Junisonne – ein friedliches Bild wie das Motiv einer alten Postkarte. Doch der Schein trügt, denn hier hat die Geschichte reichlich Kapriolen geschlagen.

Die Burg, die einst an dieser Stelle stand, war Zentrum zahlreicher Konflikte und blutiger Auseinandersetzungen. Das spätere Schloss diente verschiedenen Zwecken: als Jagdresidenz, als Schule, als Militärhospital – und, trauriger Höhepunkt seiner Historie, als Konzentrationslager.

Seit 1948 ist Kislau eine Außenstelle der Justizvollzugsanstalt Bruchsal. Das Vollzugliche Arbeitswesen Baden-Württemberg führt die Domäne heute im offenen Vollzug und betreibt dort ökologische und biologische Landwirtschaft.

Wachsen lassen – auch sich selbst

Im direkten Kontakt mit der Natur, mit Tieren, Pflanzen und eng am Puls der Jahreszeiten können Gefangene hier neue Erfahrungen sammeln. Sie entdecken ungeahnte Seiten an sich und erleben, was es bedeutet, mit den eigenen Händen etwas entstehen zu lassen – etwas, das wächst und gedeiht.

Es ist Resozialisierung aus einer ganz anderen Perspektive – bodenständig, sinnstiftend, ehrlich.

Professionell betreut – menschlich begleitet

Begleitet, angeleitet und überwacht werden die Inhaftierten von speziell geschultem Personal. Die Mitarbeitenden verfügen nicht nur über eine Ausbildung im Justizvollzug, sondern auch über fundierte Kenntnisse in der Landwirtschaft – eine Kombination, die hier ganz unmittelbar Früchte trägt.

Vielfalt hinter Mauern

Die Produktpalette ist bemerkenswert: In den Ställen des alten Landguts leben Kühe, Schweine, Hühner und sogar Hasen. Auf den Feldern und in den Gewächshäusern gedeihen Obst, Gemüse, Kräuter und Getreide – vieles davon bereits nach den strengen Standards des Biolandbaus.

Was hier im Zusammenspiel von Resozialisierung und Landwirtschaft entsteht, ist nicht nur sinnvoll, sondern auch schmackhaft – und für alle zugänglich.

Einkaufen hinter Schlossmauern

Die Produkte können im modernen, offen gestalteten Hofladen direkt auf dem Schlossgelände erworben werden – ebenso wie Erzeugnisse aus anderen landwirtschaftlichen Außenstellen des Vollzuglichen Arbeitswesens Baden-Württemberg.

Der kleine Laden, öffentlich zugänglich und liebevoll geführt, orientiert sich – wie die Arbeit auf dem Hof – am Wechsel der Jahreszeiten. Im Juni gibt es frische Erdbeeren, im Oktober Kürbisse, das ganze Jahr über Obst, Gemüse, Eier, Wurstwaren, Wein oder sogar selbstgemachte Liköre.

Ein Abstecher, der sich lohnt

Der Hofladen ist von Montag bis Samstag geöffnet und sowohl von Bad Schönborn als auch von Kronau aus in wenigen Minuten mit dem Auto oder Fahrrad zu erreichen. Die aktuellen Öffnungszeiten findest du online auf den Seiten des VAW.

Wenn Sie mehr über die JVA Kislau wissen möchten, finden Sie hier einen Videoclip, den wir im Auftrag des VAW erstellt haben:

1 Kommentar zu „Die Bauern aus dem Bau“

  1. Ein schöner Ort der viel zu erzählen hatte wenn es ihm möglich wäre. Man sollte Geschichte nicht vergessen und deshalb ist es umso schöner wenn sie so gelebt wird.

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