13 neue zertifizierte Führerinnen und Führer für das Firstständerhaus in Zeutern 

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Ein Haus – und 13 neue Gastgeber: Der Heimatverein Ubstadt-Weiher e.V. schulte am Wochenende angehende Führerinnen und Führer für ihre künftige Aufgabe im Firstständerhaus Zeutern. Konzipiert und geleitet wurde die Veranstaltung von Ursula Hohl, der 1. Vorsitzenden des Vereins. Die Teilnahmezertifikate seitens der Gemeinde Ubstadt-Weiher überreichte Jonas Arbogast in Vertretung von Herrn Bürgermeister Tony Löffler.

Zuvor jedoch drückten die Teilnehmenden ein wenig die Schulbank, wobei der Historiker Dr. Heiko P. Wacker in seinem Vortrag zur Geschichte des Hauses eine überraschend „be-greifbare“ Darstellung ermöglichte. „Das Firstständerhaus lässt sich auf das Jahr 1458 datieren – und mit solchen Originalen aus dem 15. Jahrhundert, aber auch mit Repliken, lässt sich Geschichte einfach lebendiger darstellen“, erklärte der Referent. Er hatte daher sowohl Schwarzpulverbüchsen als auch zeitgenössische Gewandungen und verschiedene Exponate aus dem Bereich des „militärischen Feuerwerks“ wie „Brandballen“ und „Pechkränze“ mit nach Zeutern gebracht. „Das sieht man nicht alle Tage“, staunte nicht nur die Seminarleiterin. Der Erhalt dieser seltenen Stücke, erhielt eine völlig neue Dimension, durch die Information, dass auch das Firstständerhaus im Dreißigjährigen Krieg zum Teil ein Opfer der Flammen geworden war. Die Teilnehmenden wussten daher die Exponate noch mehr zu schätzen. Manch einer schlüpfte dann auch in das knapp drei Kilo wiegende Gewand eines wohlhabenden Bürgers des späten 15. Jahrhunderts – auch das Firstständerhaus war schließlich bei der Erbauung eines der „besseren“ im Ort – andere staunten über die bis zu sieben Kilo wiegenden Feuerwaffen. Das Highlight jedoch, eine originale „Bauernwehr“ aus dem 15. Jahrhundert, durfte nur mit Schutzhandschuhen berührt werden.

Der frühere Baubegleiter während der Renovierung, Vorstandsmitglied Roland Pfenninger, spannte anschließend den Bogen von der zufälligen Entdeckung als Firstständerhaus durch das Architektenehepaar Crowell bis hin zum positiven Gemeinderatsbeschluss, der die Sanierung des Gebäudes vor rund 20 Jahren ermöglichte. Er erinnerte zudem an das Engagement des damaligen Bürgermeisters Helmut Kritzer, berichtete aber auch vom großen ehrenamtlichen Einsatz des Heimatvereins bei der Restaurierung des Hauses. Bei einem Rundgang wies er nicht nur auf die eichenen Firstständer hin, die dem Haus die Statik geben, – der spezielle Bautypus kam nach 1550 in Eiche nicht mehr zur Anwendung – sondern zeigte auch Besonderheiten wie einen Einbauschrank, die „Rauch“-Küche oder farbige Ausmalungen in der „Sommerstube“. „Dass das Haus sich heute so nachhaltig darstellt, das ist auch den verschiedenen Fachfirmen zu verdanken“, betont Roland Pfenninger. Umso mehr freut er sich, dass sich etliche Betriebe bereit erklärt haben, künftig speziellen Führungen für fachkundiges Publikum beratend zu unterstützen.

Thomas Adam, Leiter der Kulturabteilung der Stadt Bruchsal, konnte den Teilnehmenden schließlich aus seinem großen Erfahrungsschatz zahlreiche Anregungen und Tipps mit auf den Weg geben, wie sich Rundgänge durch das Firstständerhaus begeisternd und lebendig gestalten lassen. Spannungsbögen oder das individuelle Eingehen auf Gäste können aus einem Spaziergang durch ein historisches Gebäude ein echtes Erlebnis werden lassen.

Firmen oder Vereine, die Interesse an einer kostenlosen Führung durch das Firstständerhaus haben, können sich mit ihrem Wunschtermin an die Gemeindeverwaltung Herrn Jonas Arbogast unter Tel.Nr. 07251/617-14 oder E-Mail arbogast@ubstadt-weiher.de wenden. Details werden anschließend mit dem Heimatverein abgestimmt. 

Der Heimatverein plant bereits weitere Fortbildungen. So wird im November eine Diskussion mit dem Architektenehepaar Crowell stattfinden, wie die Seminarleiterin betonte. Sichtlich zufrieden mit der jetzigen Veranstaltung dankte Ursula Hohl jedoch zunächst der Gemeinde für die finanzielle Unterstützung, bevor sie den angehenden Führerinnen und Führern für ihre neue Aufgabe im Firstständerhaus viel Erfolg wünschte.

Bericht: Ursula Hohl

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