Die Saalbach hat viele Gesichter. Ein ganz neues zeigt sich bald im rundum erneuerten Herzen Gondelsheims.
Es gibt Veränderungen, die werden von langer Hand geplant, und es gibt solche, die sich aus der puren Notwendigkeit der Situation heraus ergeben. Die neue Gondelsheimer Ortsmitte – nennen wir sie der Einfachheit halber Zweipunktnull – ist definitiv der zweiten Kategorie zuzuordnen. Zwei Entscheidungen, die die Natur, das Schicksal oder meinetwegen das Universum für die kleine Kraichgau-Gemeinde getroffen haben, führen nun dazu, dass sich ihr vertrautes Gesicht in den kommenden Monaten grundlegend ändert.

An das erste Ereignis muss in Gondelsheim niemand erinnert werden. Im Sommer vor zwei Jahren, als ein Hochwasser weite Teile des Dorfes überflutete und für ein bis dahin unbekanntes Ausmaß an Zerstörung sorgte, wurde schlagartig jedem in Gondelsheim bewusst, dass man der sonst so friedlichen und unauffälligen Saalbach in den letzten Jahrzehnten nicht genügend Aufmerksamkeit geschenkt hat. Zweckdienlich floss sie in ihrem kanalartig kleinen Flussbett der Länge nach durch das Dorf, zwar mitten hindurch und doch nicht wirklich als Teil des Ganzen. Ähnlich wie die parallel verlaufende Bahnstrecke war sie zwar immer Teil des Ortsbildes, aber nicht harmonisch eingebettet, sondern wie etwas, das dazuhört und gleichzeitig nicht dazugehört.
Zwiegespaltenes Verhältnis zum Flüsschen
Erst mit der Flut im August 2024 wurde in Gondelsheim jedem klar, dass man ein zwiegespaltenes Verhältnis zum eigenen Flüsschen entwickelt hat. Ein Wasserlauf, der aus den Augen, aus dem Sinn irgendwie zum ausgeblendeten, allgegenwärtigen Bild zählte, drängte sich durch das Unwetter dann aber schlagartig in den Fokus aller Aufmerksamkeit. Was man all die Jahre über gepflegt hat, war ein Nebeneinander, kein Miteinander. Die Saalbach war kein organischer Teil von Gondelsheim, war nirgendwo wirklich für die Menschen erreichbar; das Wasser floss weit unter ihren Füßen, eingefasst in Gestrüpp und eng beieinanderstehende Bäume und Büsche.

Doch genau das soll sich nun ändern, auch wenn sicherlich viele im Dorf ihr kleines Flüsschen spätestens dann argwöhnisch beäugen, wenn sich der Himmel verdunkelt und die ersten Regentropfen fallen. Doch Bürgermeister Markus Rupp plädiert dafür, die Saalbach nicht als Gegner, nicht als Bedrohung wahrzunehmen. „Dieser Fluss will uns nichts Böses“, erzählt er im Redaktionsgespräch und wird noch deutlicher: „Die Saalbach ist doch keine Verdammnis.“
Der „Erlebbare Saalbach“
Aus der Not heraus geboren hat die Gemeinde nun beschlossen, quasi aktiv auf das kleine Flüsschen zuzugehen und es wieder in die Mitte der Gondelsheimerinnen und Gondelsheimer zu holen. Unter dem Projektnamen „Erlebbarer Saalbach“ plant man derzeit im Nachgang der bereits erfolgten Verbreiterung des Flussbetts und der Neugestaltung des Ufers, den Wasserlauf als grünes Wohnzimmer und als Erholungsraum für Gondelsheim ganz neu zu gestalten. Während die bisherigen Bauarbeiten im Zuge der Hochwasserschutzmaßnahmen hinter der Saalbachhalle den Fluss über breite Abschnitte hinweg zugänglich gemacht haben, folgt nun die Aufwertung des gesamten Areals rechts und links des Wassers zu einer parkähnlichen Anlage, die für alle Menschen, für Familien, für Kinder und für Senioren da sein soll.



Geplant sind ganz neue Aufenthaltsbereiche mit drehbaren Doppelliegen und Sitzgelegenheiten sowie runden Sitzecken, Freizeitangebote wie eine Boulebahn, ein Bewegungspfad mit Trimmgeräten sowie Wasserspiele für Kinder. Für die örtliche Kultur soll eine kleine Veranstaltungsfläche eingerichtet werden – eine Holzbühne samt Anschluss für Bühnentechnik, die gerade im Sommer tolle Events unter freiem Himmel verspricht.
Insgesamt soll die gesamte Fläche grüner und üppiger werden. Das bedeutet mehr große Bäume, eine blühende Magerwiese, aber auch offene Rasenflächen für Spiele und gemeinschaftliche Aktivitäten. Natürlich soll auch die Saalbach ganz unmittelbar in die Gestaltung einbezogen werden. Derzeit gibt es bereits große Felsen und Steine, auf denen der Abstieg zum Wasser, über das Wasser als eine Art Trittsteinbrücke und wieder hinauf möglich ist. Bereits jetzt nutzen viele Familien mit ihren Kindern die Möglichkeit, direkt zum Wasser zu gelangen, freut sich Markus Rupp, der die Entwicklung der Fläche beobachtet und begleitet.



Weiterhin soll ein Skulpturenweg entstehen, gestaltet von Künstlern aus der ganzen Region, zudem neu gestaltete Wege für Fußgänger und Fahrradfahrer im östlichen sowie im westlichen Bereich. Das Ganze könnte sogar noch durch weitere Einrichtungen und Aufwertungen ergänzt werden; die Abstimmung über die genauen Details läuft derzeit durch die Gondelsheimer Gremien. Vergleichsweise schmale 150.000 Euro sind für die Aufwertung und die Entstehung der Anlage eingeplant – eine Summe, die fast gänzlich durch Spendengelder, das Landessanierungsprogramm BW sowie das Länder- und Kommunal-Infrastrukturfinanzierungsgesetz (LuKIFG) gestemmt wird. Geplant ist eine Eröffnung etwa im Mai 2027.
Ein neuer Brückenschlag zum Rathausplatz
Das war allerdings noch längst nicht alles, denn Gondelsheims neues Herz schlägt nicht nur am Saalbach, sondern natürlich auch bis hinein in den historischen Rathausplatz. Zwischen diesem und dem Wasser liegt noch die Halle, der Weg führt also direkt an dieser entlang. Wer sich hier umschaut, wird bereits eine enorme Aufwertung entdecken: gepflegte, angelegte Beete und Grünflächen, neu angepflanzte Bäume, ein gelungener Brückenschlag zwischen dem erlebbaren Saalbach und dem alten Gondelsheim.
Hier angelangt müssen wir über das zweite Ereignis sprechen, das zu einer Veränderung im vertrauten Gondelsheimer Ortsbild führen wird. Die alte Linde auf dem Rathausplatz – gepflanzt vor über 100 Jahren und für wirklich alle Menschen aus dem Dorf ein liebgewonnener Fixstern ihrer Heimat – hat ihr Lebensende erreicht. Schon vor Jahren zeichnete sich ab, dass der Baum nicht mehr zu retten ist. Zuletzt hat ein Pilzbefall seinen einst starken Stamm derart in Mitleidenschaft gezogen, dass selbst Experten keine Hoffnung für den Jahrhundertbaum mehr sehen.

Auch wenn es wehtut, die alte Linde wird in den kommenden Wochen gefällt – ein Mammutakt, für den große Teile des Rathausplatzes geöffnet werden müssen, um das mächtige Wurzelwerk zu entfernen. „Das schmerzt mich ganz besonders, der Baum war mein ganzes Leben lang hier, nicht nur in meiner Zeit als Bürgermeister, sondern schon seit ich ein Kind war“, seufzt Bürgermeister Markus Rupp, bekräftigt aber auch die Pläne, möglichst viel von dem alten Holz zu erhalten und dafür zu sorgen, dass der Platz vor dem Rathaus in seinem Erscheinungsbild weiterhin eine Zierde der Gemeinde bleibt.
Abschied und Neuanfang für die Linde
Aus dem Stamm wird ein Kettensägenkünstler eine große Skulptur erschaffen, die dem Dorf zugänglich und erhalten bleibt: eine kleine, liebevolle Erinnerung an ihre alte Linde. An ihrer Statt wird ein weiterer Baum eingepflanzt, der hoffentlich für viele Jahrzehnte zum Mittelpunkt des Rathausplatzes werden wird. Welcher Baum das sein wird, darüber gingen die Meinungen auseinander. Nicht jede Sorte ist gleichermaßen gut dafür geeignet, inmitten eines umbauten Platzes mit entsprechender Hitzeentwicklung im Sommer und den Herausforderungen des Klimawandels zu bestehen. Im Gespräch waren daher auch Gewächse aus anderen Regionen dieser Welt, in denen die Vegetation bereits gelernt hat, mit Trockenheit und Hitze umzugehen. Letztendlich entschied sich der Gemeinderat aber für Beständigkeit und Kontinuität.

So wird unmittelbar nach der Fällung der alten Winterlinde eine neue eingepflanzt – kein kleines Bäumchen, sondern ein in der Baumschule kultivierter und gewachsener Baum mit einer Höhe von etwa sieben Metern und einem Stammumfang von etwa 40 Zentimetern. Im Vergleich zu ihrer Vorgängerin wird sich die junge Linde erst einmal als zarter Emporkömmling ausnehmen, aber das wird die Zeit schon richten. Eine alte Dame wird man schließlich nicht über Nacht.
Sie sehen: Gondelsheim wird sein Aussehen in den kommenden Monaten verändern. Nicht grundlegend, aber doch ein ganzes Stück weit. Es sind Veränderungen, die ohne die besagten zwei Ereignisse vermutlich so nicht eingetreten wären. Doch auch wenn die Auslöser alles andere als erfreulich waren, ist es nur gut und richtig, das Beste daraus zu machen, was in einer solchen Situation möglich ist. Wie heißt dieses schöne Zitat in etwa? Man kann sich nicht aussuchen, was im Leben passiert, aber man kann sich entscheiden, wie man damit umgeht.
Prinzipiell verstehe ich ja dass es wehtut einen Baum zu verlieren. Aber alt ist die Linde nicht. Eine Linde ist alt, wenn sie 1000 Jahre, oder sagen wir mal 500 Jahre auf dem Buckel hat. Die in Gondelsheim war noch nicht mal erwachsen.
100 Jahre das ist vielleicht für einen Menschen viel. Für eine Linde ist es nichts. Unsere Vorfahren versammelten sich unter Tanzlinden und Gerichtslinden. Das Thing wurde dort abgehalten. Also gehört auf einen Rathausplatz nichts anderes als eine Sommerlinde ! Und die Bedingungen dafür, dass es ihr gut geht müssen die Menschen schaffen. Dann können sie auch auf „lindernde“ Umstände hoffen, wenn sie sich eines Tages dafür verantworten müssen, was sie ihrer Mitwelt angetan haben. 100 Jahre…pffft.
Wo gibt es denn hier noch große, alte Bäume?
Sind ja zu teuer in der Pflege und soooo gefährlich.
Stattdessen Alibi-Bäumchen und Pseudo-Begrünung.
Waren Grad in Frankreich…schon lange nicht mehr so große, alte Bäume gesehen. Einfach toll!!!