In der Untergrombacher Hundehütte brät Karsten Schnitzel für jedes Plaisirchen
Wenn Sie die Hundehütte in Untergrombach suchen, das Dorf Richtung Obergrombach längst verlassen haben und schon glauben, sich verfahren zu haben, dann biegt plötzlich eine kleine Straße nach rechts ins tiefgrüne Brüchle ab. Ein Name, der Ihnen möglicherweise noch bekannt sein könnte, steht er doch für ein – nennen wir es gastronomisches Experiment –, das es so in der Art in der Region bis dato noch nicht gegeben hat. Bis vor 15 Jahren konnte man in der hier ansässigen Gaststätte Talschänke Portionen bestellen, die vermutlich auch Obelix aus den Asterix-Comics zufriedengestellt hätten. Damals rauschte durch die Gastronomie der Trend der XXL-Restaurants, die Talschänke war quasi die Kraichgauer Variante dieses flüchtigen Phänomens. Currywürste, die Sie sich wie einen Schal um den Hals wickeln konnten, oder Burger in der Größe einer Kuchenplatte – das alles gab es damals im Untergrombacher Brüchle. Natürlich auch Schnitzel, die jeden normalen Teller gesprengt hätten und deswegen auf Servierplatten kredenzt wurden. Um 2012 zog die Gaststätte nach Oberhausen-Rheinhausen um, danach verliert sich ihre Spur in unserer Recherche.

Die gute Nachricht: Schnitzel gibt es im Brüchle auch heute noch, wenngleich nicht mehr in der Talschänke, dafür aber direkt nebenan im Vereinsheim des Hundesportvereins, süß und praktisch „Hundehütte“ genannt. Seit ein paar Monaten ist Karsten Lehmann der Hüttenwirt, nachdem er hier schon viele Jahre lang als Koch gewirkt hat. Untergrombach und die Hundehütte haben es ihm angetan, deswegen nimmt er auch jeden Tag, egal bei welchem Wetter, die Anfahrt mit dem Motorroller aus der Karlsruher Innenstadt in Angriff. Mit gemütlichen 30 km/h zuckelt er auf seinem Viertakter ins Brüchle und sorgt dafür, dass seine Schnitzelvarianten, von Melba über Hawaii, vom „Frühling“ bis hin zum „Dracula“, rechtzeitig fertig werden. Das kann schon ein bisschen dauern, denn Karsten überlässt dabei nichts dem Zufall.

Vor allem die Saucen sind sein absolutes Steckenpferd, sie werden natürlich weit im Voraus und von Hand zubereitet. „Die koche ich nach wie vor nach ganz klassischem Ansatz, also sprich Knochen, Abschnitte, Anrüsten, Rüstgemüse, Tomatenmark…“, sagt er und weiß, wovon er spricht, schließlich arbeitet er nicht erst seit gestern als Koch. Gelernt hat er beim „Kleenatz“ in Durlach, sich die Sporen in der Systemgastronomie direkt am Karlsruher Marktplatz verdient, seit einigen Jahren ist er bereits Koch der Hundehütte, seit einiger Zeit nun auch ihr Pächter. „Ich habe gesagt, wir haben uns jetzt in den acht Jahren was aufgebaut. Ich will das nicht aufgeben. Ich will nicht wieder irgendwo anders anfangen“, erzählt er und lacht: „Zumal ich gar nicht weiß, ob das gut gegangen wäre.“ Also nahm er seinen Mut zusammen und wagte ein neues Kapitel: „Wir probieren es, komme, was wolle.“
Ein Sprung, der natürlich mit viel Arbeit verbunden ist, schließlich kommen nun zu den Aufgaben in der Küche diverse weitere Verpflichtungen, vom Bürokram bis zum Service. Dafür hat Karsten mittlerweile Unterstützung gesucht und gefunden. Michael, wie er erzählt und wie es auch kaum zu überhören ist, kommt ursprünglich aus Hessen und hilft Karsten, wo er kann. Dafür bringt er auch einiges an Erfahrung mit, hat selbst jahrelang mehrere Kioske betrieben und kennt die Tricks und Kniffe alle. Dass sein Chef locker sein Sohn sein könnte, das stört Michael nicht, die beiden arbeiten freundschaftlich auf Augenhöhe zusammen. „Er darf mir seine Sache sagen, die mir sonst keiner sagen darf, und ich glaube umgekehrt auch“, grinst Michael, der ganz offenkundig gerne in der Hundehütte mit anpackt.

Auch das Verhältnis von Karsten zu seinen Verpächtern vom Hundeverein sei gut, oder wie er es ausdrückt: „Bombe“. Für das letzte Vereinsfest habe er gerne seine Küche zur Verfügung gestellt, da ein Teil der vereinseigenen Räumlichkeiten wegen eines drohenden Hangabrutsches laut Karsten gerade nicht wirklich genutzt werden kann.
Bleibt die Frage, wie Karsten denn zu tierischen Gästen in seiner Hundehütte steht, schließlich geht es hier draußen im Brüchle ja nicht um die Katz, sondern um den Hund? „Hunde sind willkommen, das ist ganz klar. Die Hunde, die ich kenne, kriegen von mir auch ein Schmeckerli.“