Zurück zum Sand in Walldorf

Zurück zum Sand
Dr. Dieter Münch, Leiter des Kreisforstamtes, (re.) und Revierförster Gunter Glasbrenner auf der großen Düne, die sich nun zum offenen Waldbiotop entwickeln kann (Foto: NABU B-W, Dr. Karin Fritzsch, Dr. Volker Späth)

Zurück zum Sand – Zwei Dünenkuppen der „Schwetzinger Hardt“ gelichtet – Hotspot-Projekt nimmt erste Hürde

„Mut zur Lücke – Raum für Sandstrohblume und Sandlaufkäfer“ ist auf Informationstafeln und Bannern des Naturschutzbundes (NABU) im Bereich des Saufpfergbuckels auf Walldorfer Gemarkung zu lesen.

Wer Ende Oktober und Anfang November in diesem Teil der Schwetzinger Hardt unterwegs war, konnte Motorsägen, Bagger und Holzerntemaschinen hören, die auf zwei benachbarten Dünenkuppen die Voraussetzungen für den geforderten Raum schufen. Das Pilotprojekt „Lebensader Oberrhein – Naturvielfalt von nass bis trocken“, das als „Hotspot 10“ auf der Förderliste des Bundesamtes für Naturschutz zu finden ist, hat das Ziel, Lebensräume für seltene, in Baden-Württemberg vom Aussterben bedrohte Tier- und Pflanzenarten zu erhalten oder wieder zu schaffen. Auf den Binnendünen am Saupfergbuckel haben unter anderem die Sandstrohblume, das Sandveilchen, der Ziegenmelker und rund vierzig Wildbienenarten diese Chance, sofern sie wieder offene magere Sandrasen anstelle von Kiefern- und Mischwald vorfinden.

Bei vorangegangen Informationsveranstaltungen hatten Forst BW und Naturschutzbund, die das Pilotprojekt gemeinsam begleiten, um Verständnis für diese Maßnahme geworben. Dr. Dieter Münch, Leiter des Kreisforstamtes, und Dr. André Baumann, Landesvorsitzender des NABU in Baden-Württemberg, hatten ausgeführt, dass es zwar zunächst schwer verständlich, aber doch unumgänglich sei, Bäume zu fällen, um nachhaltig Refugien für seltene Arten zu entwickeln. Um die erwünschten Verhältnisse für die auf diesen Lebensraum spezialisierten Pflanzen und Tiere zu schaffen, brauchte es jedoch noch wesentlich mehr Arbeitsschritte als nur das Fällen der Kiefern. Wie Revierförster Gunter Glasbrenner berichtet, mussten die ausgewählten Bäume im Randbereich der Pufferzone von Hand mit der Motorsäge gefällt werden. Die Wurzelstöcke wurden mittels Bagger entfernt und auch alle Reste von Baumreisig sorgfältig zusammengezogen und abtransportiert. Da die oberste Schicht des Bodens im Laufe der Zeit humos geworden ist, musste der Oberboden teilweise abgetragen werden. Probeschürfungen ergaben, dass die Schicht an der großen Düne zwischen dreißig und fünfzig Zentimeter dick ist. Abgetragen wurden schließlich zwanzig bis dreißig Zentimeter im zentralen Bereich der Dünenkuppen, wodurch sich eine Gesamtmenge von rund tausend Kubikmetern ergab. Der ausgebaute humose Boden wird an anderer Stelle verwertet und kann seine Wirkung auf zwei benachbarten Wildwiesen entfalten. Im März 2015 werden die beiden Wiesenstandorte mit Saatgut aus der Region eingesät – eine Art blühendes Recycling.
Die Kosten für die Hotspot-Projekte trägt zu 75 Prozent das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit, 15 Prozent finanziert in Baden-Württemberg das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, den Rest übernimmt der Naturschutzbund.

Auf den beiden Dünenkuppen am Hinteren Saupfergbuckel heißt es nun, Geduld zu haben, bis sich hier ein offenes Waldbiotop mit attraktiven Sand- und Magerrasen einstellt. Hierzu werden die beiden Flächen von Forst BW und Naturschutzbund gepflegt. Nachdem die Kiefern gefällt sind, befreien die Bagger das Gelände von Wurzelstöcken, um gute Voraussetzungen für das Projekt zu schaffen

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