Wirbel um Bruchsals Straßenstrich

imageredEs geht vergeht derzeit kein Tag an dem bei Bruchsals Bürgermeister Ulli Hockenberger nicht mehrere empörte Anrufe eingehen, die nur ein Thema haben: Den Straßenstrich. Wie es sein könne, dass die Freudendamen ihrer Arbeit bei helllichtem Tage in aller Öffentlichkeit nachgingen und niemand etwas dagegen unternähme. Doch so einfach ist es natürlich nicht.

Prostitution gibt es schon lange  in Bruchsal, doch augenfällig wurde sie erst vor gut einem Jahr, als der Straßenstrich die für Jedermann sichtbaren Ortsausgänge erreichte. Wir sprechen hier von einem hart umkämpften Geschäft! Es geht um viel Geld und das verdient sich eben am besten dort, wo viele potentielle Freier vorbeikommen. Was bei all der Empörung darüber oft in Vergessenheit gerät: Rechtlich gesehen ist daran nichts auszusetzen – Prostitution ist in Deutschland absolut legal. Gerade Baden-Württemberg hat 2002 ein äußerst liberales Prostitutionsgesetz erlassen, dessen Intention mitunter die Entkriminalisierung der Frau war. Mittlerweile kommen aber auch kritische Gegenstimmen auf. Sozialministerin Katrin Altpeter zum Beispiel setzt sich gar für ein Prostitutionsverbot und eine Bestrafung der Freier nach schwedischem Vorbild ein. Sogar in Berlin wird derzeit eine Verschärfung der Gesetzeslage diskutiert.

Und draußen vor der kleinen Stadt, stehen die Nutten sich die Füße platt

Doch bis hier konkrete Ergebnisse vorliegen – wenn überhaupt – wird noch viel Wasser den Saalbach hinab fließen. Währenddessen stehen draußen vor der kleinen Stadt, die Nutten sich die Füße platt – um die Spider Murphy Gang zu zitieren. Ein Zustand der in vielerlei Hinsicht ärgerlich ist: Mütter und Väter kommen gegenüber Ihren Kindern, die die leicht bekleideten Frauen beim Vorbeifahren sehen in Erklärungsnot. Geschäfte nahe den besagten Stellen erleben einen Kundenrückgang und vom Imageverlust der kulturreichen Stadt Bruchsal müssen wir gar nicht erst reden. In unserem viel gelesenen Artikel „Prostituierte erobern Bruchsal“, haben wir uns bereits mit den Auswirkungen befasst.

Die Stadtverwaltung sieht und kennt diese Probleme, kann aber nur bedingt gegen sie vorgehen. Solange der Gesetzgeber keine klaren Linien zieht, kann diesem legalen Gewerbe weiter nachgegangen werden. Die einzige Handhabe ist eine sogenannte Sperrbezirksverordnung. Ein Sperrbezirk ist ein Gebiet, in dem die Prostitution ausnahmsweise verboten ist. Grund ist meistens der Jugendschutz. Die Stadt Bruchsal hat schon längst beim Regierungspräsidium Karlsruhe einen solchen Antrag auf Erlass von Sperrbezirken eingereicht, doch die heilbringende Wunderwaffe ist das auch nicht. So gab es bisher noch kaum eine Sperrbezirksverordnung, die nicht sofort nach Inkrafttreten vor Gericht angefochten wurde, berichtet Bruchsals Bürgermeister Ulli Hockenberger. Zudem würde sich der Straßenstrich sofort an eine andere Stelle verlagern, wo unmittelbar weitere Gegner auf den Plan treten würden. Es liegt in der Natur der Sache, dass es hierfür keinen idealen Standort für alle Beteiligten geben kann.

Es bleiben also im Wesentlichen zwei Möglichkeiten!

  • Erstens: Wir können uns mit der Prostitution arrangieren. Wir müssten unseren Kindern erklären, was es damit auf sich hat und akzeptieren, dass es sich dabei um baden-württembergische Wirklichkeit im Jahr 2014 handelt. Ob wir den Beruf der Prostituierten oder des Prostituierten jemals genauso anerkennen, wie z.b. den des Bäckers oder des Zimmermanns ist allerdings fraglich.
  • Die zweite Möglichkeit ist der Widerstand: Richten Sie ihre Bedenken, Sorgen und Vorschläge einfach an die dafür zuständigen Stellen. Im Wesentlichen sind diese das Regierungspräsidium Karlsruhe und letztlich unsere Landesregierung in Stuttgart. Die Adressen finden Sie hier und hier.

Sie wollen mehr wissen? Kraichgau-Radio und Hügelhelden.de haben mit Bruchsals Bürgermeister Ulli Hockenberger ausführlich über das Problem „Straßenstrich“ gesprochen. Das ganze Gespräch gibt es hier zum Nachhören.

Interview: Stephan Gilliar
Bild: Symboldarstellung

 

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