Windräder im Wald – Ein Praxistest

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Aus der Nähe begutachtet: Windkraftanlagen im Wald

In weiten Teilen Deutschlands gehören sie, ob gewollt oder ungewollt, längst zum allgemeinen Landschaftsbild. Knapp 30.000 Windräder drehen sich mittlerweile zwischen Kiel und Garmisch-Partenkirchen – Tendenz steigend. Doch der Ausbau stockt, wo immer neue Windpark-Projekte ins Leben gerufen werden, wächst zugleich der Widerstand in der Bevölkerung. Während die Befürworter der Windenergie die fehlenden Emissionen im Vergleich zur Kohle- oder Atomkraft, die positive CO2 Bilanz und die ökologische Sauberkeit der Anlagen hervorheben, stören sich die Gegner mitunter an der Verschandelung des Landschaftsbildes und den möglichen, negativen Auswirkungen auf Menschen, Tier und Pflanzenwelt.

In unserer Region findet man bisher kaum Windkraftanlagen, die hier vorherrschenden Windverhältnisse rechtfertigten bislang solche Projekte nicht. Doch durch eine Novelle des baden-württembergischen Windatlas, einer Art Masterstudie zur potentiellen Windkraftnutzung im Lande, hat sich auch hier der Wind wortwörtlich gedreht. Wo bisher keine Empfehlungen für die Errichtung von Windkraftanlagen vorhanden waren, sieht der Atlas nun durchaus Potentiale. So plant die Firma Wirsol aus Waghäusel nach einer gewonnenen Ausschreibungen des landeseigenen Betriebes ForstBW die Errichtung von zehn großen Windkraftanlagen im Wald entlang der A5 auf den Gemarkungen Waghäusel, Kronau und Bad Schönborn. (Wir berichteten mehrfach).

Vor wenigen Wochen bildete sich nun die Bürgerinitiative “Gegenwind Lußhardt” die die Errichtung des Windparks wie von Wirsol geplant vehement ablehnt. Die Initiatoren fordern “regenerative Energien, die für unsere Region zugeschnitten sind. Ohne gesundheitliche Nachteile für Mensch und Tier. Ohne gravierende Einschnitte in die Natur.” , so dass generelle Statement auf der Facebook-Präsenz der Initiative.

Wie hier im Kraichgau kämpfen Bürgerinitiativen überall in Deutschland gegen den Bau von großen Windparks. Zu den Gegenargumenten zählen meistens der durch die Windräder entstehende Lärm, die massenhafte Tötung von Vögeln durch die Rotorblätter, die Verunreinigung des Grundwassers und negative Auswirkungen durch Emissionen wie beispielsweise den Infraschall.

Aus der Nähe betrachtet

Wir wollten uns selbst ein Bild einer solchen Anlage im Wald verschaffen und haben uns auf den Weg zu einem großen deutschen Windpark gemacht. So haben wir unvoreingenommen gestern den Windpark Münchberg-Helmbrechts besucht und uns Zeit genommen aufmerksam eine solche Windkraftanlage aus der Nähe zu begutachten. Unsere Schilderungen basieren dabei nur auf eigenen, subjektiven Beobachtungen.

Der Windpark Münchberg-Helmbrechts entlang der A9 nahe Hof

Im Wald entlang der Autobahn A9 finden sich hier acht Windkraftanlagen hergestellt von der Firma Enercon vom Typ E-82. Die Gesamtleistung der errichteten Anlage liegt laut Betreiberangaben bei 18.400 kW (acht Windkraftanlagen à 2.300 kW). Die Nabenhöhe der Räder beträgt 138 Meter Höhe, der Rotordurchmesser liegt bei 82 Metern. Diese Windkraftanlagen sind im Vergleich zu den geplanten Modellen im Windpark Lußhardt vergleichsweise klein. Hier sollen die Rotoren einen Durchmesser von 149 Metern aufweisen, die Gesamthöhe der Windenergieanlage bei knapp unter 240 Metern liegen. Es sind also fast die doppelten Ausmaße der von uns besuchten Anlage im Bayerischen Wald. Uns interessierte dennoch, wie sich ein solches Windrad in direkter Umgebung anfühlt und anhört.

Leiser als gedacht

Bei strömendem Regen erreichen wir eines der Windräder und nehmen sämtliche Eindrücke aufmerksam war. Auffällig ist zunächst der große Platzbedarf der Anlage. Um das Rad herum wurde eine große Lichtung gerodet, auf der gefühlt zwei Fußballfelder Platz hätten. Auch der zu Anlage führende Wirtschaftsweg ist extrem breit und mit einem normalen Waldweg nicht zu vergleichen.

Überrascht sind wir allerdings von der Lautstärke der Anlage. Obwohl das Rad sich in voller Fahrt befindet, hören wir nur ein sehr leichtes, rhythmisches Geräusch, das im Vergleich zum prasselnden Regen kaum wahrnehmbar ist. Im aufgenommenen Video kann sich jeder selbst einen Eindruck von der Lautstärke verschaffen, der Regen dient dabei als gute Referenz-Kulisse. Über den entstehenden Infraschall können wir selbstredend nicht berichten, dafür taugt ein Kurztest nur mit den menschlichen Sinnesorganen nicht.

Wir umrunden die Anlage zu Fuß und inspizieren sorgfältig das umgebende Areal. Tote Vögel können wir bei dieser Erkundung keine finden. Möglich ist aber durchaus das entsprechende Kadaver recht schnell von Wildtieren aus dem Wald beiseite geschafft werden, exakte Aussagen lässt diese Momentaufnahme nicht zu.

Ästhetisch sind die Anlagen aus der Nähe nicht. Auch die grüne Bemalung am Fuß verhindert nicht dass sie wie ein Fremdkörper mitten im Wald wirken. In einem reinen Nadelwald mit seinen kahlen Stämmen stören sie uns allerdings nicht so sehr wie in einem dichten und grünen Laubwald. Aus der Entfernung ist der Windpark von allen Seiten gut sichtbar. Die vielen rot bemalten Rotorblätter stechen von jeder Perspektive aus ins Auge. Ob dieser Anblick stört oder nicht, liegt im Auge des Betrachters. Wir finden den Anblick von Windrädern nicht sonderlich störend, manch anderer empfindet die Anlagen aber als optische Beeinträchtigung der Landschaft.

Unser Fazit: Bei unserem Ortstermin konnten wir weder eine auffällige Lautstärke noch tote Vögel im Umfeld der Windräder feststellen. Negativ fällt der hohe Platzbedarf einer solchen Anlage auf und es stellt sich die Frage warum dafür wertvolle Waldfläche gerodet werden muss. Aussagen über gesundheitliche Auswirkungen lassen sich durch reine Beobachtung nicht treffen und die Frage der Ästhetik ist aufgrund ihrer Subjektivität ebenfalls nicht zu beantworten. Allen Interessierten empfehlen wir unbedingt auch einen Besuch eines Windparks. Auf Wikipedia findet sich ein umfangreiches Verzeichnis aller Anlagen und Parks in Deutschland .

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