Kraichgauer Kliniken auf Virus gut vorbereitet

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Notaufnahme der Fürst-Stirum-Klinik Bruchsal

Das Coronavirus ist in Deutschland angekommen – so ist das Hügelland darauf vorbereitet

Nach den ersten Krankheitsfällen in Deutschland stellt man sich auch in der Region die Frage, was passiert wenn die ersten Corona-Patienten in den Kraichgauer Krankenhäusern vorstellig werden? Die Antwort auf diese Frage kennt Dr. Sabine Gfrörer, leitende Ärztin des Zentralbereichs Infektionsprävention und Hygienemanagement der RKH Kliniken und damit auch zuständig für die Fürst-Stirum-Klinik Bruchsal und die Rechbergklinik Bretten. Die erfahrene Medizinerin hat uns telefonisch die drängendsten Fragen zur aktuellen Corona-Krise beantwortet – das vorläufige Fazit: Medizinisch und Organisatorisch lassen sich die Herausforderungen durch die Coronaviren durchaus händeln, sofern die Menschen ruhig und besonnen bleiben.

Doch zunächst einmal die harten Fakten:

Forscher gehen davon aus dass das Coronavirus über die sogenannte Tröpfcheninfektion übertragen wird, also beispielsweise durch direktes Anhusten. Die Ansteckung hingegen über kontaminierte Gegenstände gilt als sehr unwahrscheinlich. Die Inkubationszeit des Virus liegt vermutlich bei ungefähr einer Woche, danach entwickeln sich meist Symptome die der Grippe sehr ähnlich sind.

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Bei gesunden Menschen verläuft der Infekt oft vergleichsweise mild, nur bei einem Viertel aller Fälle sind schwere Verläufe zu beobachten, bevorzugt bei schwächeren Menschen mit Vorerkrankungen. Bislang sind in Deutschland erst vier Krankheitsfälle in Bayern bekannt, alle Patienten befinden sich derzeit isoliert im Krankenhaus. Es ist zwar nicht auszuschließen dass weitere Krankheitsfälle in Deutschland auftreten, die Gefahr für die Gesundheit der Menschen hierzulande, bleibt nach Einschätzung des Robert-Koch-Institutes aber weiterhin gering, so Bundesgesundheitsminister Jens Spahn.

Wie sind die Krankenhäuser im Kraichgau auf das Virus vorbereitet?

Das Personal in den Notaufnahmen ist derzeit besonders auf Patienten mit Atemwegserkrankungen sensibilisiert, so Dr. Sabine Gfrörer. Wird ein Patient mit passenden Symptomen in Bruchsal oder Bretten vorstellig, so muss er im Wartebereich eine Atemschutzmaske tragen und wird im Falle einer stationären Behandlung in einem Einzelzimmer isoliert. Von zentraler Bedeutung für die Erkennung echter Infektionen mit dem Coronavirus, ist eine vorhergehende, akribische Anamnese. Hat der Patient in den letzten vier Wochen eine China-Reise unternommen oder sich mit Personen umgeben die in China waren? Falls ja, ist natürlich entsprechende Vorsicht geboten und es gilt den Verdacht per Erregernachweis zu bestätigen. Seit heute kann ein solcher auch vom Landesgesundheitsamt in Stuttgart durchgeführt werden, was die Reaktionszeiten enorm erhöht hat.

Ein großes Hemmnis für den reibungslosen Ablauf in den Krankenhäusern, sind auch Patienten die wegen der allgemein herrschenden Unsicherheit, mitunter durch die massive Medienpräsenz des Themas, eine ganz normale Erkältung fehlinterpretieren und sie für eine Virusinfektion halten. Auch hier hilft eine logische Herangehensweise und die Fragen, wo habe ich mich in den letzten Wochen aufgehalten und mit wem habe ich mich umgeben. Wenn sie keinen Onkel oder eine Tante aus Wuhan zu Besuch hatten – daran würden sie sich bestimmt erinnern – ist die Gefahr einer Infektion mit dem Coronavirus äußerst unwahrscheinlich. In diesem Fall können Sie so verfahren, wie sie es von bisherigen Atemwegserkrankungen gewohnt sind. Bei leichten Fällen helfen Bettruhe und Hausmittel, bei schweren Erkrankungen, wie beispielsweise der Grippe, ist ein Besuch beim Arzt in jedem Fall erforderlich.

Einen großen Appell hat Dr. Sabine Gfrörer am Schluss noch an alle die Verwandte und Freunde im Krankenhaus besuchen. Sofern sie selbst gerade erkältet sind oder Krankheitssymptome aufweisen, verzichten Sie bitte auf einen Besuch bei ihren Angehörigen in der Klinik. Viele Infektionen in Krankenhäusern könnten vermieden werden, wenn die Besucher selbst auf die eigene Gesundheit und Hygiene im Vorfeld achten würden.

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