Vom Büro auf den Weinberg – 25. Herbst des „Ratsherrentropfens“

„Dieses Jahr haben wir ein echtes Jubiläum zu feiern“, freute sich Ubstadt-Weiher´s Rathauschef Tony Löffler beim inzwischen 25. Herbst des „Ratsherrentropfen “. Jedes Jahr im Herbst versammeln sich die Ubstadt-Weiherer Ratsherren, tauschen Hemd und Krawatte gegen T-Shirt und Arbeitshose mit Stiefeln und machen sich auf in Richtung Stettfelder Weinberge, um traditionell die Trauben des selbst bewirtschafteten Weinbergs zu lesen.

Seit 1990 als alles begann, konnte auch heuer der Ubstadt-Weiherer „Ratsherrentropfen“, ein Müller-Thurgau aus der guten Weinlage Eitelberg, ins Fass gebracht werden. „Mit 88 Grad Öchsle brachte der heurige Jahrgang ein sensationelles Ergebnis“ meint begeistert Winzer Markus Hafner und fügte noch an, dass die 1.000 Liter Rebensaft in der Qualitätsstufe „Spätlese“ ausgebaut werden können. Der Zeuterner Selbstvermarkter, der selbst einen renommierten Weinbaubetrieb leitet, baut den Ratsherrentropfen fachkundig aus und verspricht mit dem 2014ner Jahrgang einen hervorragenden Spitzenwein in die Flaschen zu bringen.

weinlese

Anlässlich der diesjährigen Lese war wieder eine schlagkräftige Truppe aus ehemaligen Gemeinderäten sowie aktuellen Räten mit Bürgermeister Tony Löffler an der Spitze zusammengetreten. Stellvertretender Hauptamtsleiter Toni Ziesel hatte die Lese wieder gut organisiert und auch für ein zünftiges Vesper gesorgt. Armin Gärtner und Dominik Zindl waren die „tragenden Kräfte“ der Bütte. 50 bis 60 Kilogramm wiegt solch eine volle Bütte, die auf den Rücken geschnallt wird. Doch was soll´s , die Trauben müssen in den großen Zuber gefüllt werden, meint schmunzelnd der 19-jährige Zindl und fügt noch an: „letztes Jahr haben sie mich für die Bütte noch als zu schwach eingestuft“. Professionelle Lesetechnik bewies auch die Leiterin des Hauptamtes, Michaela Schmidt, die routiniert und gekonnt Eimer um Eimer mit den wunderschönen Trauben füllte. Der älteste Helfer, Exgemeinderat Bruno Loes zählt immerhin 78 Lenze. Seit unzähligen Jahren, so der ältere Herr, sei er bei der Ratsherrenlese dabei. „Früher“, erinnert sich der pensionierte Postbeamte nicht ganz ohne Wehmut, „war das Herbsten ein richtiges Ereignis.“ Damals wurde gesungen, gab es nach jedem Lesetag ein gemütliches Beisammensein, oft bis in die Nacht hinein. Vielleicht wird es heut wieder so, fügte Loes noch schmunzelnd an.

Ungefähr zweieinhalb Stunden dauert es bis die 800 Quadratmeter Weinberg geherbstet sind und manch ein Ratsherr kommt mächtig ins Schwitzen. Auf dem Stettfelder Weinberg herrschte bei gutem Herbstwetter prächtige Stimmung. Während die Trauben von fleißigen Händen in die Eimer wanderten, fanden die Hobbywinzer genug Zeit zum Plaudern und zum Scherzen. Auch Anekdoten von früheren Herbstereignissen wurden zum Besten gegeben. Zum Beispiel wie Ludwig Zimmerer der Karin Della Valle bei einer früheren Lese mit dem Bulldog über das Fahrrad gefahren war und das Vesper auf dem Boden zerstreut wurde. Selbstredend durfte ein kräftiges Vesper nach getaner Arbeit nicht fehlen. Dies bietet alljährlich willkommenen Anlass zur „Sitzung im Freien“, bei der kräftig politisiert wird, und dann stellen sich auch „Gäste“ ein, die kräftig mitdiskutieren. „Der Ratsherrentropfen hat schon konstruktive Ergebnisse nach der Sitzung des Gemeinderats im Rathauskeller gebracht“, erzählt der ehemalige Bürgermeister Helmut Kritzer. Bei so manchem guten Tropfen habe man sich über einen strittigen Tagesordnungspunkt unterhalten und auf der nächsten Sitzung dann eine Mehrheit gefunden. Die Hauptarbeit im Weinberg wird indes von einer interfraktionellen Truppe geleistet. Leonhard Bader (CDU) und Ludwig Zimmerer (SPD) sorgen für Schnitt und Pflege das Jahr über, während Wolfgang Herzog (CDU) für den Rebschutz und die Organisation zuständig ist. Das solchermaßen im Schweiße des Angesichts der Ratsherren und –damen gewonnene Elixier ist nicht verkäuflich und ein gefragtes Unikat. Dass nach Sitzungen schon die eine oder andere Flasche geköpft wird, um dem politischen Gegner „reinen Wein“ einzuschenken ist naheliegend. Auf jeden Fall konnte die in attraktive Flaschen abgefüllte Variante des Ratsherrentropfens 2013 beim abschließenden Herbstvesper neben Bürgermeister Tony Löffler sämtliche Ubstadt-Weiherer Ratsherren restlos begeistern.

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