Volksbank Bruchsal-Bretten verkleinert Filialnetz, baut aber Service-Zeiten aus

Volksbank Bruchsal-Bretten verkleinert Filialnetz, baut aber Service-Zeiten aus. Auf der Pressekonferenz wurde das neuen Konzept „Omnikanalbank“ vorgestellt

Verändertes Kundenverhalten erfordert neue Strategien

Auf ihrer diesjährigen Bilanzpressekonferenz kündigte die Volksbank Bruchsal-Bretten einen weitreichenden Umbau ihres Filialnetzes und ihres Service-Angebotes an. Der Vorstandsvorsitzende Roland Schäfer erläuterte in seinen Ausführungen die veränderten Anforderungen an eine Bank in Zeiten der Digitalisierung und vor allem auch das veränderte Kundenverhalten. Die Tendenz hier ist eindeutig – Bankkunden wickeln ihre Bankgeschäfte zunehmend online ab, der Weg zur Filiale wird immer seltener angetreten. Auf persönliche Ansprechpartner und eine direkte Nähe will der Löwenanteil der rund 80.000 Kunden aber dennoch nicht verzichten – diesen Kundentyp bezeichnet die Bank nach eingehender Analyse als “digital-persönlich”, eine Art Mischform aus Kunden die rein digital agieren und jenen die ausschließlich auf die Abwicklung aller Geschäfte am Bankschalter setzen. Ein schwieriger und regelrecht paradoxer Balance-Akt für zukünftige Strategien.

Einige Filialen sind nicht zu halten

Die Volksbank Bruchsal-Bretten kam zu dem Schluss, dass die derzeitige Filialstruktur nicht zu diesen Entwicklungen passen und wird daher das Service-Angebot weitgehend umstrukturieren um möglichst viele Kunden auf dem für sie optimalen Weg zu erreichen. Das neue Schlagwort nennt die Bank daher “Omnikanalbank” – eine Mischform aus digitaler und persönlicher Betreuung – ganz nach den Vorlieben des Kunden. Die Bank will so rund um die Uhr persönlich, via Telefon, im Web oder per App erreichbar sein.

60 Kunden in der Woche – 10 bis 12 Kunden pro Tag. Das ist die Bilanz der meisten kleineren Filialen der Volksbank Bruchsal-Bretten. Das hier Veränderungen notwendig werden, dürfte daher leicht nachvollziehbar sein. Statt einfach nur das Filialnetz alternativlos auszudünnen, will die Volksbank trotz Schließungen die Service-Zeiten unterm Strich erhöhen. Wie bei so vielen Entwicklungen im Digitalzeitalter ist hier das Netz die Antwort.

Ein Beispiel für ein SISy-System der VR-Bank Südpfalz via Youtube

Der digitale Bankschalter kommt

VR-SISy. Hinter diesem technischen Namen verbirgt sich ein modernes System zur persönlichen Beratung und Betreuung per Video-Schaltung. Die Kunden können an diesen Terminals direkt von Angesicht zu Angesicht mit den Mitarbeitern sprechen, Dokumente vorlegen und sogar Bargeldtransaktionen durchführen. Alles funktioniert intuitiv, einfach und ist so auch für z.B. Senioren problemlos nutzbar. Von 8 bis 19 Uhr sind diese digitalen Terminals künftig nutzbar – die entsprechenden Mitarbeiter werden aus Oberderdingen zugeschaltet. 2019 werden fünf Filialen der Volksbank mit einem SISy-System ausgestattet. Dies sind die Standorte in Kürnbach, Langenbrücken, Menzingen, Obergrombach und im Brettener Silcherweg. Manche Filialen werden allerdings aufgrund der extrem niedrigen Kundenresonanz dauerhaft geschlossen: Das sind die Niederlassungen in Helmsheim, Diedelsheim, Bauerbach, Gochsheim, Oberöwisheim, Landshausen, Diefenbach, Gündelbach und Zaiserweiher. Am 1. April 2019 werden diese Filialen schließen, Entlassungen wird es keine geben – alle Stellen bleiben erhalten.

Die verbleibenden Standorte werden allerdings weiter ausgebaut und modernisiert. Prototyp dieser modernen Filiale der Zukunft wird z.B. die Niederlassung der Volksbank Bruchsal-Bretten in Münzesheim. Da es sich hier um eine Filiale mit großem Einzugsbereich handelt, will die Bank hier entsprechend investieren und neue Service-Angebote testen und ausbauen.

Bargeldversorgung bleibt erhalten

Auch dort wo Filialen geschlossen werden, bleibt die Bargeldversorgung erhalten. Die Geldautomaten will die Volksbank Bruchsal-Bretten vollumfänglich erhalten, obwohl alleine der Betrieb dieser Geräte mit rund 10.000 Euro monatlich zu Buche schlägt.

Notwendiger Schritt

Bei den Menschen dürften trotz des Ausbaus des Service-Angebotes, die Schließungen mit Sorge gesehen werden. Roland Schäfer möchte diesen Befürchtungen aber entgegentreten und verweist darauf, dass alle Bankgeschäfte z.B. für Senioren komplett auch per Telefon über das Service-Center abgewickelt werden können – bis auf die Bargeldentnahme, aber diese ist ja weiter unverändert über die Automaten möglich.

Das eine Filiale bei einer durchschnittlichen Nutzung von rund 10 bis 12 Kunden pro Tag nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden kann, dürfte wohl kaum jemanden überraschen. Der Volksbank ergeht es hier nicht anders als z.B. dem örtlichen Einzelhandel dessen Kunden schon seit Jahren in Scharen den Rücken kehren und sich dem Online-Handel zuwenden.

Bargeld beim Bäcker

Dem Ausbluten dörflicher Strukturen kann man daher nur mit kreativen Strukturen und neuen Ideen entgegentreten. Eine solche Idee testet die Bank gerade im Maulbronner Teilort Schmie. Hier kooperiert die Volksbank mit einem örtlichen Bäcker – die Kunden können also nicht nur Brötchen kaufen sondern auch gleich Geld abheben. Zu viel verraten will Roland Schäfer hier noch nicht, aber erste Gespräche in Richtung einer solchen Kooperation auf den Dörfern als Ergänzung zum nun verkündeten Service-Angebot scheinen bereits zu laufen.

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