Vier Generationen an einem Tisch – Die Siedlergemeinschaft Ulrichsbruch

Ulrichsbruchfest-2014-08-1800Inzwischen vier Generationen an einem Tisch versammelt Siedlergemeinschaft im Ulrichsbruch schwelgte in Erinnerungen

(br) Aller Anfang ist schwer, das mussten auch die Siedlerfamilien erfahren, die einst in den 1950er Jahren bei Östringen gleichsam aus dem Nichts den landwirtschaftlichen Weiler Ulrichsbruch gründeten. Die mit harter Arbeit und mitunter unsäglichen Mühen verbundene Pionierleistung jener Tage schweißte die Menschen allerdings fest zusammen, das war nun mehr als fünf Jahrzehnte nach dem Bezug der ersten Bauernhöfe auch beim mittlerweile fün ften gemeinsamen Scheunenfest der früheren und derzeitigen Bewohner des am Nordwesthang des Schindelbergs gelegenen Fleckens noch deutlich zu verspüren.

Das gesellige Miteinander von mittlerweile vier Generationen auf dem ehemaligen Hof der Familie Schmidt dokumentierte indessen auch den tief greifenden Strukturwandel, der sich mittlerweile in der Landwirtschaft vollzogen hat.

Bis 1954 waren die Hofstellen der Familien Heinzmann, Gretzer, Schneider und Hauke fertig und in einer „zweiten Welle“ schufen sich zwischen 1960 und 1962 auch die Familien Ille, Schmidt, Groß und Brecht im Ulrichsbruch ihren neuen Lebensmittelpunkt. Während auf den acht Bauernhöfen, die bis 1962 mit Betriebsflächen von dreißig bis vierzig Hektar entstanden waren, Ackerbau und Viehzucht damals an die fünfzig Personen ernährten, gibt es heutzutage mit Volker Hauke nur noch einen Haupterwerbslandwirt, der neben seinem eigenen Terrain inzwischen auch einen Großteil der Flächen der Nachbarn bewirtschaftet.  Wo früher, wie auf dem Hof von Richard und Hermine Groß, bis zu achtzig Milchkühe und dreißig Schweine gehalten wurden, ist die Viehzucht mittlerweile fast gänzlich verschwunden. Dafür sind im Ulrichsbruch nun Tierhaltungen anderer Art auf dem Vormarsch, denn teilweise stehen jetzt beispielsweise Einstellpferde auf der Koppel und beim passionierten Jäger Markus Groß äugen immer mal wieder ein paar Wildschweine aus dem Gatter.

Die kleine Siedlung zählt heute zwar nur noch wenige Dutzend Bewohner, aber beim Scheunenfest auf dem Schmidt-Hof mit rund achtzig Teilnehmern und einer Altersspanne von vier Generationen zeigte sich einmal mehr, dass der kleine Weiler für weitaus mehr Menschen Heimat ist. Jedes zweite Jahr trifft die verschworene Siedlergemeinschaft zum Scheunenfest zusammen. Markus Groß, Andreas Schneider, Rudi Heinzmann und Daniela Römer halten die Fäden zusammen und organisieren die Veranstaltung, als „Festköche“ leisteten Markus Groß und Joachim Förderer jetzt schon zum fünften Mal ganze Arbeit.

Text/Foto: Wolfgang Braunecker.

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