Umstrittener AfD-Landesvorsitzender bei Neugründung von Kraichtaler Ortsverband

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Die AfD gründet neuen Ortsverband in Kraichtal. Symbolbild / Collage der Redaktion

Ein Indiz für die künftige, politische Gangart das Ortsverbandes? AfD – Landesvorsitzender Dirk Spaniel hält Grußwort in Oberöwisheim

Das Schizophrene am Umgang der Alternative für Deutschland (AfD) mit den Medien, ist manchmal durchaus bemerkenswert. So schließt die Partei einerseit auf Landesparteitagen gerne einmal Pressevertreter teilweise oder gleich ganz aus, oder skandierte wie jüngst im Kielwasser der “WDR Oma-Umweltsau Affäre” vor dem SWR Funkhaus in Baden-Baden: “Wir werden sie aus ihren Redaktionsstuben vertreiben!“ Andererseits wünscht man sich dann aber doch mediale Aufmerksamkeit und bittet, wie im Fall des neuen Ortsverbandes der AfD in Kraichtal um Veröffentlichung der entsprechenden Presseinformation. Die Kerninformationen der besagten Mitteilung sind schnell umrissen: Die bisher im Ortsverband Bretten organisierten Kraichtaler Mitglieder der AfD, haben am vergangenen Sonntag in Oberöwisheim nun ihren eigenen Ortsverband aus der Taufe gehoben.

Soweit, so mäßig interessant. Aufhorchen lässt aber vielmehr die Gästeliste jener Gründungsveranstaltung. Gastredner am Sonntagmorgen war niemand geringeres, als der Landesvorsitzende der AfD Baden-Württemberg Dirk Spaniel. Der Bundestagsabgeordnete aus Stuttgart war ebenfalls bei besagter Demonstration vor dem Funkhaus des Südwestrundfunks zugegen, laut dpa gemeinsam mit Vertretern der sogenannten “Unvereinbarkeitsliste” der AfD, darunter die mittlerweile aus der Partei ausgeschlosse Ex-AfD-Landesvorsitzende von Schleswig-Holstein Doris von Sayn-Wittgenstein. Laut übereinstimmenden Medienberichten steht Spaniel dem nationalistischen “Flügel” der AfD und dessen Galionsfigur Björn Höcke nahe. Die Bundesspitze der AfD erwägt gegen Spaniel derzeit einen möglichen Parteiausschluss und hat ein entsprechendes juristisches Gutachten in Auftrag gegeben. Laut Zeit.de soll die diesbezüglich beauftragte Anwaltskanzlei zu dem Schluss gekommen sein: „Entsprechende Anträge haben Aussicht auf Erfolg“. Der Ausgang dieser Sache ist bisher aber ungewiss.

Aus dem Archiv: Auftritt von Björn Höcke in Bruchsal 2018

Es ist also durchaus eine bemerkenswerte Aussage des neu gegründeten Ortsverbandes Kraichtal, wenn man auf einem an die Presse verschickten Foto, Arm in Arm mit einer solch umstrittenen Personalie posiert. Erinnert werden muss an dieser Stelle an die zahlreichen grenzwertigen Aussagen von Björn Höcke, als einflussreichstem Vertreter des Flügels. So kritisierte der thüringische Politiker bereits, dass es “ein Problem” sei, dass “Hitler als absolut böse dargestellt wird”, forderte in Bezug auf die Zeit des Nationalsozialismus eine “erinnerungspolitische Wende um 180 Grad” und bezeichnete das Holocaust-Mahnmal in Berlin als “Denkmal der Schande”. Der gemeinsame Auftritt mit einem Spitzenpolitiker der AfD, der diesem völkischen Flügel als zugewandt gilt, kann somit als Fingerzeig für die politische Gangart des Ortsverbandes gedeutet werden.

Erinnert sei hierbei auch an die Ergebnisse der letztjährigen Kreistagswahlen, wo die AfD in Kraichtal mit 8% aller Stimmen sogar rund 3 % über dem Durchschnitt des Landkreises lag. Laut Mitteilung des neuen Ortsverbandes der AfD in Kraichtal, habe man sich darüber „sehr gefreut und können nun, mit dieser motivierten Mannschaft, den Kraichtaler Bürgern dauerhaft eine alternative Option im demokratischen Wettbewerb um die besten Ideen zur Verfügung stellen.“

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Ein Gedanke zu „Umstrittener AfD-Landesvorsitzender bei Neugründung von Kraichtaler Ortsverband“

  1. Dieser Verband zeigt sich also solidarisch mit einem Bundestagsabgeordneten, der dagegen demonstriert, dass Oma‘s pauschal als „Umweltsäue“ bezeichnet werden.
    Man kann von der AfD sicher halten, was man will – aber dieser Auftakt gefällt mir!

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