Kommen eine Million LKW-Ladungen Stuttgarter Erde nach Bruchsal?

Jede Menge aufgewirbelter Erde (Symbolbild)
Jede Menge aufgewirbelter Erde (Symbolbild)
Um gleich vorweg zu antworten: Nein.  Doch tatsächlich schien heute diese erstaunliche Frage im Raum zu stehen: Was haben Stuttgart 21 und Bruchsal miteinander gemeinsam? Auf den ersten Blick nicht viel. Doch bedachte man die gestrige Mitteilung von Gondelsheims Bürgermeister Markus Rupp, so erschien es möglich dass der Golfclub eine Million LKW-Ladungen Erde,  die aus dem Aushub der Großbaustellen in Stuttgart stammen, gegen Geld auf seinem Gelände im Langental auftragen könnte.  Dies hätten ihm mehrere Quellen bestätigt, so Rupp weiter. Stimmt nicht, sagt hingegen Club-Präsident Heinz Landhäuser. Um diese Menge zu transportieren wären 50 Jahre LKW-Verkehr und eine Geländeanhebung um drei Meter nötig. Der Club wies damit die Stellungnahme aus Gondelsheim klar zurück. Auch eine Anfrage bei der Bahn, ergab keinerlei Hinweise auf mögliche Erdtransporte nach Bruchsal. Dies bestätigte ein Bahnsprecher unserer Redaktion. In einer zweiten Mitteilung hat Markus Rupp nun die Angelegenheit für Ihn als erledigt erklärt. Sein Hauptanliegen, Schaden von der Gondelsheimer Bevölkerung abzuwenden, wäre erreicht.
Wir haben mit beiden Seiten über die Sache gesprochen – die Interviews zum Nachhören und die verschiedenen Presseerklärungen finden Sie chronologisch im folgenden Beitrag.

 

Update 27.08.2014 15:30 Uhr

Nun hat Markus Rupp in einer zweiten Pressemitteilung auf Jene des Golfclubs Bruchsal reagiert. Wie immer geben wir sie hier im exakten Wortlaut wieder:

Gondelsheims Bürgermeister Markus Rupp nimmt die Ankündigung des Präsidiums des Golfclubs Bruchsal zur Kenntnis, dass Gondelsheim von den geplanten Erdaushublieferungen an den Golfclub Bruchsal nicht tangiert werde. Damit sei sein Hauptanliegen, Schaden von der Gondelsheimer Bevölkerung abzuwenden, erreicht. Wie sich die politisch Verantwortlichen an der möglichen Anlieferstrecke an den Golfclub Bruchsal positionierten, dafür sei nicht mehr er zuständig.

Ob man Rupps Befürchtung vor einer Verkehrs- und Lärmbelästigung durch Anlieferungen von Erdaushub aus der Großbaustelle „Stuttgart 21“ jedoch „haltlos“ nennen könne, möge man die vielen hundert Gesellschafter der Frühjahrssitzung 2014 des Golfclubs Bruchsal befragen, denn genau dort sei über mögliches Auffüllmaterial aus Stuttgart gesprochen worden. Sollten die Pläne, möglicherweise auch wegen Abbiegeproblemen von der B 35 ins Bruchsaler Langental, tatsächlich ad acta gelegt worden sein, freue ihn dies selbstverständlich.

Markus Rupp
Bürgermeister der Gemeinde Gondelsheim

 

Update 27.08.2014 12:45 Uhr

Zwischenzeitlich hat der Golfclub Bruchsal eine Pressemitteilung veröffentlicht:

Das Präsidium des Golfclubs Bruchsal möchte einige Behauptungen, die der Bürgermeister der Gemeinde Gondelsheim, Markus Rupp, in einer Pressemitteilung vom 26.8.2014 unter der Überschrift „Planen Stuttgart 21 und Bruchsaler Golfclub Allianz zu Lasten der Bevölkerung in der Region?“geäußert hat, Stellung nehmen. Das Präsidium kann sich nicht erklären, wie Herr Rupp zu den von ihm genannten Zahlen kommt. Dazu nur so viel: Die Anfuhr von 1 Million LKW im 5-Minuten-Takt an normalen Arbeitstagen würde etwa 60Jahre dauern.  Fakt ist, dass der GC Bruchsal an einem Antrag auf einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan arbeitet. Dieser hat zum Ziel, auf 3 von 18 Spielbahnen die ursprüngliche Struktur des Geländes wiederherzustellen. Dabei soll gleichzeitig eine ökologische Optimierung erreicht werden, die die Folgen der landwirtschaftlichen Intensivnutzung der Vergangenheit behebt. Hierzu arbeitet der Golfclub von der ersten Minute an intensiv mit der Bruchsaler Umweltschutzorganisation zusammen. Der Einbau von Stuttgarter Material ist hierbei nicht vorgesehen. Die Behauptung es gebe sogar eine Allianz zwischen dem Golfclub und Stuttgart 21 ist völlig aus der Luft gegriffen.

Woher das Material letztendlich kommt, steht noch nicht fest, es kann jedoch ausgeschlossen werden, dass Gondelsheim oder andere Gemeinden an der B 35 östlich von Bruchsal verkehrstechnisch überhaupt betroffen sein werden. Das Präsidium des Golfclubs zeigt sich über die Motive von Herrn Rupp den Golfclub in die Nähe von Stuttgart 21 zu rücken verwundert. Mit solchen Behauptungen, auch wenn sie mit Fragezeichen versehen sind, ein sinnvolles Projekt zu torpedieren halten wir für ausgesprochen fahrlässig. Die ersten Ansprechpartner des Golfclub Bruchsal in diesem Zusammenhang sind die Gremien der Stadt Bruchsal, das Bürgermeisteramt und der Gemeinderat. Diese haben zu beurteilen, ob die Maßnahme im Rahmen eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans genehmigungsfähig ist. Das Präsidium vertraut hier ganz auf die Urteilskraft der gewählten Vertreter der Stadt und wird sich an einer öffentlichen Diskussion über haltlose Gerüchte nicht weiter beteiligen.

 

Update 27.08.2014 10:30 Uhr

Mittlerweile liegt uns auch die ausführliche Antwort des Golfclubs Bruchsal vor. Wir haben mit Präsident Heinz Landhäuser ausführlich über die Stellungnahme von Gondelsheims Bürgermeister Markus Rupp gesprochen. Heinz Landhäuser weist sämtliche darin formulierte Verdächte zurück und versichert: Es wird keine Erde aus Stuttgart nach Bruchsal transportiert. Mehr dazu hier im Interview:

Update 27.08.14 9:30 Uhr

Wir haben mit Bürgermeister Markus Rupp gesprochen und Ihn nach den genauen Hintergründen seiner Stellungnahme gefragt. Mittlerweile scheint nach Informationen eines Sprechers der Golfanlage klar zu sein: Es wird Erde transportiert, jedoch nicht aus Stuttgart.

Mehr dazu hören Sie hier im Interview:

Ursprüngliche Meldung vom 26.08.2014

Planen „Stuttgart 21“ und der Bruchsaler Golfclub eine Allianz zu Lasten der Bevölkerung in der Region?

 Diese Frage stellt Gondelsheims Bürgermeister Markus Rupp. Seine Stellungnahme finden Sie hier im Originalwortlaut:

Gondelsheims Bürgermeister Markus Rupp sagt, wenngleich er noch keine offiziellen Verlautbarungen gehört oder gelesen habe, so erhalte er in diesen Tagen immer mehr Informationen zu einer möglichen Allianz von „Stuttgart 21“ und Bruchsaler Golfclub. Dies veranlasse ihn nun zu einer öffentlichen Stellungnahme:

Sollte es richtig sein, dass der Bruchsaler Golfclub rd. 10 Millionen Kubikmeter Erde im Bruchsaler Langental aus dem Projekt „Stuttgart 21“ einbauen lassen möchte, um so seine hohen Investitionen der jüngeren Vergangenheit zu refinanzieren, dann werde dies auf seinen erbitterten Widerstand stoßen. „Ich gönne dem Golfclub Bruchsal natürlich Einnahmequellen. Diese dürfen aber nicht auf dem Rücken der Allgemeinheit ausgetragen werden. Konkret: Eine kleine Personengruppe darf zur Ausübung ihres Hobbys nicht die Lebens- und Wohnqualität zigtausender Menschen in unserer Region belasten“.

Rupps überschlägiger Rechnung zur Folge würden über Jahre hinweg knapp eine Million Lkw-Fahrten, voll mit Erdaushub rd. 100 km nach Bruchsal und dann wieder leer zurück in die Landeshauptstadt, die Menschen entlang der Route und speziell der B 35 belasten. Die Anwohner seien aber bereits heute durch Mautausweichler und die Ausweichverkehre durch Autobahnbaustellen über Gebühr belastet. Er könne eine zusätzliche Lärmbelastung seiner Gondelsheimer Bevölkerung nicht akzeptieren. Aber auch Bretten oder die Bruchsaler Stadtteile Helmsheim und Heidelsheim wären davon natürlich betroffen. „Wir können dies den Menschen in der Region nicht zumuten!“, so Gondelsheims Bürgermeister. Dass die B 35 bereits heute in weiten Teilen eine Holperstrecke sei, ja einem Flickenteppich gleichkomme, müsse er nicht betonen. Deshalb sei es auch volkswirtschaftlich nicht zu verantworten, dass der Bruchsaler Golfclub möglicherweise Millionen mit dem Erdaushub aus Stuttgart verdiene, die Bürger aber über Steuern die Sanierung der kaputten Straßendecken zu tragen hätten. Rupp setzt seine Hoffnung für die Menschen in der Region Bretten/Bruchsal und darüber hinaus zum einen in die Stadt Bruchsal, welche zum Einbau dieser ungeheuerlichen Erdmassen einen Bebauungsplan erlassen müsste, zum anderen in die Umweltverbände wie NABU oder BUND, die dem Zuschütten der gewachsenen Kraichgaulandschaft mit Sicherheit negativ gegenüberstehen würden.

 

Pressemitteilung  der Gemeinde Gondelsheim

Artikelbild: Symboldarstellung

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