„Pimp my Küchenschrank“ in Gondelsheim

Von Matthias Klebon

„Oh mein Gott“, dachte Stefan, unser Umzugshelfer, als er dieses fledermauskotverdreckte, von jahrzehntealtem Staub überzogene und durch abblätternden Lack entstellte Ungetüm von Küchenschrank sah.

Missmutig brummelte Stefan vor sich hin, als wir unseren „antiken Fund“ von dem staubigen Dachboden die engen Treppen hinunterwuchteten. Unten entfernte Matthias den gröbsten Dreck, dann fuhren wir die ganze Ladung der von Familie Becker gespendeten Einrichtungsgegenstände zum Jugendtreff. Die alte Anrichte blieb zunächst unten im Hof stehen. Zweieinhalb Monate sind seitdem vergangen. Und aus dem hässlichen Entlein ist ein stolzer Schwan geworden – ein wahres Schmuckstück und eine Bereicherung für den Jugendtreff.

Denn Ende Oktober starteten wir unser erstes Jugendprojekt: die Wiederinstandsetzung des maroden Objektes. Wichtig war mir dabei, den Jugendlichen die Freude am Handwerk zu vermitteln, sie möglichst in alle Arbeitsschritte mit einzubeziehen und sie somit gänzlich an der Restauration „ihres Schrankes“ teilhaben zu lassen. Als erstes mussten wir den alten Lack sauber und möglichst vollständig abschleifen. Hat das gestaubt – nicht gerade die angenehmste Arbeit (trotz der Atemschutzmasken). Doch meine Helfer waren voll bei der Sache, wobei etwas Quatsch und ein rechtes Vesper die Stimmung auf der „Baustelle“ deutlich gehoben haben. Schließlich waren sämtliche Altlasten entfernt: der Lack ab, ein angeschimmelter Blechkasten ausgebrochen, die verrosteten Schlösser abgeschraubt und die aufgrund von Feuchtigkeit gewellte Decke zertrümmert. Im Rohzustand zog der Schrank hinauf in sein künftiges Zuhause. Gerade rechtzeitig zum Wetterumschwung. Denn bei der morgendlichen Nebelfeuchte und der Kälte wäre uns das Holz bald unbrauchbar geworden. So aber konnten wir ab jetzt gemütlich im Trockenen und Warmen weiterschaffen. Löcher und Risse mussten verfüllt, eine neue Deckenplatte montiert und ein fehlendes Zierelement mit der Laubsäge zurechtgesägt werden. Anschließend strichen wir das grundgereinigte Stück in vielen Arbeitsgängen mit umweltfreundlichem Holzwachs. Wenn es auch über die Farbwahl viele Diskussionen gab – die Jugendlichen hatten hier durchaus eigene Wünsche und Anregungen eingebracht –, das schlichte Weiß und das Betonen der Zierelemente in Koralle passen gut zum Raum und unterstreichen das Retro-Design der Anrichte. Die Motivation beim Streichen war jedenfalls groß. Und wenn auch häufig nachgebessert werden musste und einiges Klecksen und Beschmieren der Hände nicht ausblieb, der Wille zu einem sauberen Abschluss blieb ungebrochen. Nach vielen Dutzend Arbeitsstunden erfolgten dann die letzten Handgriffe: Die neuen Möbelgriffe wurden angeschraubt und die LED-Streifen an der Decke installiert – übrigens auch ein Wunsch meiner jugendlichen Arbeitskollegen. Von Schreinern über Malermeister waren wir damit sogar noch zu Elektrotechnikern geworden.

Doch der Einsatz hat sich gelohnt! Nun erstrahlt das alte Möbelstück aus dem Jahr 1951 in neuem Glanz und leuchtet sogar einladend von Innen heraus. Auch eine sinnvolle Zweckbestimmung für die restaurierte Anrichte ist schon gefunden: Ab sofort haben die Jugendlichen einen großzügigen Lese-, Mal und Bastelschrank zur Verfügung.

An diesem ersten Projekt im neuen Jugendtreff „Bounty“ haben folgende jugendliche Helfer mitgearbeitet:

Elisa, Jonut, Julian, Katharina, Lukas, Marcel, Philipp, Sabrina, Simon, Stefan und Yves.
Es hat Spaß gemacht und es war mir eine Ehre, mit euch zusammenzuarbeiten!

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