Neues Ostlandkreuz bei Tiefenbach mahnt vor Flucht und Vertreibung

Auf dem Kreuzberg bei Tiefenbach wurde nun ein neues Mahnzeichen zum Gedenken an das Schicksal von Vertriebenen und Flüchtlingen seiner Bestimmung gewidmet. Auf den Tag genau 61 Jahre nach der Weihe des 1953 von Heimatvertriebenen zur Erinnerung an ihre vermissten und gefallenen Angehörigen aufgerichteten ursprünglichen Ostlandkreuzes segneten die beiden Ortsgeistlichen Thomas Glatzel und Markus Kempf von der Katholischen beziehungsweise Evangelischen Kirchengemeinde auf der markanten Anhöhe oberhalb der Weinbaugemeinde gemeinsam das neue Kreuzsymbol.

Wie das ursprüngliche Kreuz, das wegen witterungsbedingter Schäden vor einigen Monaten abgebaut werden musste, steht auch das neue Gedenkzeichen symbolträchtig als Mahnung dafür, dass das unsagbare Leid von Flucht und Vertreibung nicht in Vergessenheit geraten darf. „Diese Gedenkstätte war für viele Menschen über Jahrzehnte der Ort einer ganz persönlichen Erinnerung und Trauer, ein Platz der Trauer um den verlorenen Ehemann, den Sohn, den Vater oder den Bruder. Und es ist auch ein Ort, der an diejenigen erinnert, die nach Flucht und Vertreibung auf der Suche nach einer neuen Heimat waren“, sagte Bürgermeisterstellvertreterin Heidi Wagenblaß vor den zahlreichen Gästen der kleinen Feierstunde, die vom Tiefenbacher Kirchenchor stimmungsvoll umrahmt wurde. Wagenblaß rief bei ihrer Ansprache in Erinnerung, dass in der Bundesrepublik nach dem Zweiten Weltkrieg zwischen 12 und 15 Millionen Menschen aus den Ostgebieten Aufnahme gefunden haben – „eine großartige Integrationsleistung, die Alteingesessene und Neuankömmlinge gemeinsam vollbracht haben“, hob die Bürgermeisterstellvertreterin hervor, die den Blick zugleich aber auch auf die aktuellen Entwicklungen in den Krisengebieten der Welt und den Armutsregionen Europas lenkte, die gewaltige neue Flüchtlingsströme in Bewegung setzen. Ortsvorsteher Dieter Sprengel freute sich, dass die einige Zeit verwaiste Gedenkstätte auf dem Kreuzberg nun neue Symbolkraft entfaltet. „Das Ensemble von Kreuzbergkapelle und Ostlandkreuz ist aus Tiefenbach nicht mehr wegzudenken“, betonte Sprengel und richtete in diesem Zusammenhang sein ausdrückliches „Dankeschön!“ an die Stadtverwaltung, die das Projekt zur Erneuerung des Kreuzes realisierte. Gespannt verfolgten die Teilnehmer der Feierstunde die Enthüllung des neuen Ostlandkreuzes, das von Zimmerer Clemens Huber vom städtischen Bauhof originalgetreu und mit großer handwerklicher Akkuratesse aus
Eichenholz ins Werk gesetzt worden war. Auf der markanten Anhöhe südöstlich von Tiefenbach ist das Ostlandkreuz, das mit einer Höhe von zehn Metern ebenso eindrucksvolle Abmessungen wie das Vorgängerzeichen aufweist, nun wieder weithin sichtbar und gemahnt zum Frieden in der Welt.

Text und Bilder: Wolfgang Braunecker

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