Neue Gemeinschaftsunterkunft nahe JVA Kislau

KislauGemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge

Kronau stellt sich der Verantwortung

Kronau (ae) Die Diskussion über den Bau von weiteren Gemeinschaftsunterkünften für Flüchtlinge, sogenannte Gus, hat nun mit Bad Schönborn und Kronau auch den Landkreisnorden erreicht. Anlass ist eine auf Gemarkung Bad Schönborn zwischen Mingolsheim und Kronau in unmittelbarer Nähe zur Justizvollzugsanstalt Kislau auf Landesfläche in Containerbauweise geplante Gemeinschaftsunterkunft für 200 Personen.
Obwohl nicht Bauherr oder Betreiber der Unterkunft, beides ist Kreissache, sind die Nachbargemeinden gefragt. Zwar erfordert das kürzlich liberalisierte Baurecht keine Änderung des gemeinsamen Flächennutzungsplans und keinen Bebauungsplan mehr, eine nachbarschaftliche Abstimmung über das Bauvorhaben auf bislang landwirtschaftlich genutzter Fläche ist aber dennoch angezeigt. Viel stärker als die administrative oder kommunale Seite interessiert ohnehin die gesellschaftliche Seite. Die aus verfassungsrechtlicher Verpflichtung und christlicher Grundeinstellung erwachsende Verantwortung Flüchtlinge aufzunehmen und unterzubringen, ist allen einsichtig. Rasch scheiden sich aber die Geister, ist dies vor der eigenen Haustür erforderlich. Ängste, Vorurteile und Vorbehalte kommen hoch, bis hin zu Ablehnung.

All dies wurde in der Kronauer Gemeinderatsitzung vor ungewöhnlich großer Zuschauerkulisse von Bürgermeister Jürgen Heß und den Rednern aller drei Fraktionen aufgegriffen. Der Tagesordnungspunkt „Infos zur GU Kislau-Planung“ war angesetzt, um die Räte mit einer Landkreispräsentation und noch vor einer Info-Veranstaltung für die Bevölkerung am 08. Dezember in Bad Schönborn über die Planung zu unterrichten. Auch galt es, eine Ratsmeinung zu dem Vorhaben einzuholen, um sich mit Bad Schönborn abstimmen zu können. Einstimmig zugunsten der Gemeinschaftsunterkunft fiel dann das Votum aus, wohl auch aus Mangel an Alternativen. Aber auch nicht ohne die Formulierung an den Landkreis weiter zu gebender Vorbehalte. Die Nachbarschaft zu einem Gefängnis als mögliches Indiz mangelnder Wertschätzung der Untergebrachten wurde genannt, ebenso wie die Sorgen der direkten Nachbarn und der Bevölkerung in Mingolsheim und Kronau nicht unbeachtet bleiben dürfen. Genauso wenig wie das Überschwemmungsrisiko für den Baugrund unmittelbar neben dem Kraichbach. Der Herausforderung, auf kommunaler und gesellschaftlicher Ebene bestmögliche Integrationsarbeit zu leisten, verschloss sich indes kein Ratsmitglied. „Die Bewohner in der Gemeinschaftsunterkunft gehören ebenso dazu, wie die bereits unmittelbar im Ort Aufgenommenen und die in nicht geringer Zahl noch zu Erwartenden“, verdeutlichte Bürgermeister Jürgen Heß. „Ähnlich wie nach dem Weltkrieg oder zu Balkankriegszeiten sind wir erneut gefordert. Schon jetzt danke ich allen, die sich an der Seite der Behörden und Kommunen persönlich einbringen“.

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