Neue Asylbewerberunterkünfte in Kraichtal – Das sind die Standorte

Jetzt ist es offiziell: An zwei Standorten in den Kraichtaler Teilorten Münzesheim und Unteröwisheim werden kurzfristig 200 Wohnplätze für Asylbewerber entstehen. Die Wohncontainer stehen bereit und werden sobald die notwendigen Erschließungsarbeiten durchgeführt wurden, an ihre Bestimmungsorte transportiert. Diese wurden gestern auf einer Bürgerversammlung von Kraichtals Bürgermeister Ulrich Hintermayer, Finanzdezernent Ragnar Watteroth und Sozialdezernent Peter Kappes vorgestellt.

Münzesheim

Direkt hinter dem Feuerwehrhaus hat die Stadt ein Wiesengrundstück für die Aufstellung von mobilen Wohneinheiten vorgesehen:

 

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Unteröwisheim

Auf dem Areal schräg hinter der Kerschdekipperhalle werden auf dem gleichnamigen Platz mobile Wohneinheiten errichtet

 

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Unterbringung von Flüchtlingen in Kraichtal

Bürgerinnen und Bürger informierten sich in der Münzesheimer Mehrzweckhalle aus erster Hand / Gemeinschaftsunterkünfte zu je 100 Plätzen in den Stadtteilen Münzesheim und Unteröwisheim geplant

Kraichtal (sn). „Die Unterbringung von Flüchtlingen ist eine gesellschaftliche Herausforderung und für uns alle eine humanitäre Aufgabe, die es gemeinsam zu lösen gilt“, weiß Bürgermeister Ulrich Hintermayer. Der Landkreis ist gesetzlich verpflichtet, Flüchtlinge und Asylbewerber in Sammelunterkünften unterzubringen. Dort bleiben die Menschen so lange, bis über ihre Anträge entschieden ist. Um seiner gesetzlichen Verpflichtung zur Unterbringung von Flüchtlingen nachzukommen, hat der Landkreis Karlsruhe mittlerweile 17 Gemeinschaftsunterkünfte an verschiedenen Standorten mit aktuell über 1.400 Plätzen eingerichtet. Nachdem der Zustrom von Flüchtlingen unvermindert anhält, müssen weitere Unterkünfte eingerichtet werden. Auch im Gebiet der Stadt Kraichtal sind bis zu 200 Plätze in mobilen Wohneinheiten durch den Landkreis Karlsruhe zwingend erforderlich geworden. Um das gemeinsame Ziel von Stadtverwaltung und Landratsamt, die Asylbewerber im Landkreis Karlsruhe zunächst einmal „gut über den Winter zu bringen“, erfüllen zu können, ist rasches Handeln gefragt. Daher luden die Stadt Kraichtal und der Landkreis Karlsruhe die Öffentlichkeit am Montagabend, 10. November, zu einer Informationsveranstaltung, in die Mehrzweckhalle Münzesheim, ein. Der gemeinsamen Einladung waren über 400 interessierte Bürgerinnen und Bürger, darunter Gemeinderäte sowie Vertreter der Kraichtaler Kirchen, Vereine, Organisationen und Institutionen, gefolgt. Nach einer kurzen Begrüßung und einer ersten Einführung in die Thematik durch das Stadtoberhaupt schilderte Sozialdezernent Peter Kappes die aktuelle Situation der Flüchtlingsunterbringung: „Derzeit gehen wir davon aus, dass wir bis Jahresende 2015 rund 3.500 Plätze für Asylbewerber im gesamten Landkreis Karlsruhe schaffen müssen.“ Das heißt, in allen Städten und Gemeinden sind Flüchtlinge unterzubringen. „Sogenannte „weiße Flecken“, was die Unterbringung von Asylbewerbern anbelangt, wird es in Kürze im Landkreis Karlsruhe nicht mehr geben“, so Peter Kappes. Anschließend stellte Finanzdezernent Ragnar Watteroth die konkreten Planungen für Kraichtal vor. Hier sollen mobile Wohneinheiten – nach einem in Abstimmung mit der Stadtverwaltung und dem Gemeinderat intensiv durchgeführten Suchlauf nach geeigneten Flächen – an zwei Standorten in den Stadtteilen Münzesheim (Standort Horst-Kochendörfer-Platz, Fläche circa 2.300 Quadratmeter) und Unteröwisheim (Standort „Am Gaisberg“ in der Brunnenstraße, Fläche circa 3.000 Quadratmeter) errichtet werden. Der Finanzdezernent schloss nicht aus, dass „sofern geeignetere Standorte gefunden werden, diese in die mittel- und langfristige Planung aufgenommen werden, um vor Ort „fest“ zu bauen“. Auch die Anschlussunterbringung bleibt nach wie vor Thema der Stadt Kraichtal. Hierbei ist im Jahr 2015 für 29 Personen Wohnraum zur Verfügung zu stellen.
Fragen und Anregungen Asylbewerberunterkünfte in Kraichtal
Bei der sich anschließenden Fragen- und Diskussionsrunde wurden zum einen die ausgewählten Standorte in Frage gestellt. Insbesondere im Stadtteil Münzesheim machen sich die betroffenen Anwohner Sorgen, da ihre Wohnhäuser nur wenige Meter von dem für die Errichtung der mobilen Wohncontainer vorgesehenen Platz entfernt sind. Am Standort Unteröwisheim wurde aus den Reihen der Bevölkerung kritisiert, dass „Integration dort stattfinden muss, wo sich Menschen treffen“; dies sei am gewählten Platz „Am Gaisberg“ jedoch nicht der Fall. Clemens Messing vom Polizeiposten Kraichtal berichtete vom Leben in einer Sammelunterkunft an den Beispielen der Nachbarkommunen Zeutern und Bad Schönborn: „In 20 Jahren ist es in der Sammelunterkunft in Zeutern nicht zu Straftaten gekommen.“ Eine Einwohnerin aus Oberacker pflichtete ihm bei: „Flüchtlinge sind Leute wie du und ich und nicht krimineller, nur weil sie aus einer anderen Kultur kommen.“ Ein Vertreter des CVJM sagte ebenso ehrenamtliche Hilfe vor Ort zu, wie Pfarrer Thümmel im Namen aller Kirchengemeinden in Kraichtal. Er sprach im Zusammenhang der Flüchtlingsunterbringung von einer gesellschaftspolitischen Aufgabe. Wichtige Anregungen zur Einbindung von Ehrenamtlichen gab daraufhin Ingo Gießmann vom Landratsamt Karlsruhe, der unter anderem die Bruchsaler Unterkunft betreut und von seinen Erfahrungen dort berichtete. „Pro Gemeinschaftsunterkunft werden vom Landratsamt Karlsruhe 3,5 Vollzeitkräfte eingesetzt, die sich vor Ort um die Flüchtlinge kümmern. Die sozialen Betreuer geben nicht nur Orientierungshilfen, indem sie die Bewohner über das Leben in Deutschland sowie über die Rechte und Pflichten informieren, sondern vermitteln ebenso elementare Grundkenntnisse der deutschen Sprache. Außerdem leiten sie die Flüchtlinge zur Beteiligung am Betrieb der Gemeinschaftsunterkunft an“, verriet Ingo Gießmann, der großen Wert auf den Aufbau von Beziehungen zu Behörden, Kirchen, Verbänden und Vereinen sowie zur einheimischen Bevölkerung im unmittelbaren Umfeld der Gemeinschaftsunterkunft legt. Zum Abschluss des Abends betonte Bürgermeister Ulrich Hintermayer noch einmal die Notwendigkeit von Ehrenamtlichen, um zum friedlichen Miteinander beizutragen, „damit aus den Fremden ganz schnell Freunde werden, die sich in Kraichtal heimisch und willkommen fühlen“.
Weitere Vorgehensweise Wann die mobilen Wohneinheiten an den ausgewählten Standorten tatsächlich gestellt werden, kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht datiert werden. Eines jedoch ist sicher: die Zeit drängt, denn der Winter naht.

 

 

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