Muslimische Lieder zu Weihnachten? Sinsheimer Politiker bezieht Stellung

Muslimische Lieder zu Weihnachten? Sinsheimer Politiker bezieht StellungKurz vor Weihnachten prangte eine dicke Schlagzeile in der Bild-Zeitung, in der es sinngemäß hieß: Politiker fordern: Christen sollen im Weihnachtsgottesdienst muslimische Lieder singen.

Eine Meldung die angesichts der aufgeheizten Stimmung durch Pegida und Co. ihr Ziel nicht verfehlte: Der Artikel wurde einer der meistgelesenen im Online-Portal der Boulevard-Zeitung und die reflexartige Empörung breitete sich wie ein Lauffeuer durch die sozialen Netzwerke aus. Nun scheint sich aber immer mehr herauszustellen, dass die Grundlage des Artikel auf sehr wackeligen Beinen steht. Der Bildblog, der sich kritisch mit der deutschsprachigen Presselandschaft auseinandersetzt, sieht in der skandalträchtigen Schlagzeile eine Idee der Bildzeitung – die Autoren hätten „nur so lange rumtelefoniert, bis sie prominente Stimmen gefunden hatten, die dazu passten“.  

Eine Ansicht, die in der Region einen prominenten Befürworter findet: Einer der „fordernden“ Politiker auf den sich die BILD bezieht, ist nämlich der Sinsheimer SPD-Landtagsabgeordnete Thomas Funk. Auf seiner Webseite bezog er nun Stellung unter der Überschrift „Bild“-Ente zu Weihnachten sät Zwietracht. Der Politiker sieht die Urheberschaft für die Idee „Christen sollen im Weihnachtsgottesdienst muslimische Lieder singen“ bei der Bild-Zeitung.

Er schreibt:  „…Das Dumme ist nur: die Idee stammt von der Bild-Zeitung selbst, kein Politiker war zuvor darauf gekommen. Statt einer Geste des Friedens oder Zeichen der Verständigung unterbreitete BILD diese untaugliche (weil vergiftete) Offerte und nahm billigend in Kauf, dass dadurch Religionen instrumentalisiert werden, um Menschen gegeneinander aufzuhetzen. Da braucht man sich nicht zu wundern, wenn die Pegida-Bewegung wieder Zulauf bekommt…“

Warum gerade er von der Zeitung angefragt wurde, ist für Thomas Funke ein Rätsel: Gegenüber der Rhein-Neckar-Zeitung spekuliert er: „Vielleicht war gerade niemand anders erreichbar“. In jedem Fall hinterlässt die Geschichte einen unangenehmen Nachgeschmack, den Thomas Funke im letzten Absatz seiner Stellungnahme klar zum Ausdruck bringt:

Wir sollten nicht zulassen, dass in Zeiten wie diesen vieles, was für die Versöhnung und Frieden getan wird, von Krakelern diffamiert und ins Gegenteil verkehrt wird. Das hat Weihnachten nicht verdient.

Mehr: „Vom Untergang des Abendlandes kann „Bild“ ein Liedchen singen“ – erschienen im Bildblog am 22.12.2014

Artikelbild: Symboldarstellung

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