Menzingen: Der schwarze Platz wird grüner

SitzbänkeDer „Schwarze Platz“ in der Ortsmitte von Kraichtal-Menzingen wurde vom Volksmund so benannt, weil er von Mitgliedern des CDU-Ortsverbandes Menzingen und anderen örtlichen Gruppierungen in den 80er Jahren – im Zuge des Umbaus der Ortsdurchfahrt – angelegt worden war. Heute, im Sommer 2014, blüht der „Schwarze Platz“ sichtlich auf, ist er doch seit der Neugestaltung durch die Mitarbeiter der Arbeitsgruppe Grünanlagen vom Betriebszweig „Bauhof“ der Stadtwerke Kraichtal vor über einem Jahr zu einer „kleinen Oase“ herangewachsen. „Mehr Natur auf öffentlichen Flächen war ein Ziel der Umgestaltung des „Schwarzen Platzes“, die vor Kurzem mit dem Aufstellen der Ruhebänke abgeschlossen wurde“, berichtete der Leiter des Arbeitsgruppe Grünanlagen Veit Oestreicher.  Doch warum kam es überhaupt zur Neugestaltung des Platzes am Menzinger Ortseingang im Frühjahr 2013? Mit der Zeit wurden sowohl Pflaster, als auch Treppen durch Baumwurzeln uneben. Aus Gründen der Verkehrssicherungspflicht mussten diese wieder angeglichen werden. In diesem Zuge haben sich die Stadtwerke Kraichtal dafür entschieden, einen Teil der Wege neu anzulegen. Mit Blickrichtung auf den „Mühlstein“ wurden jüngst Sitzgelegenheiten geschaffen. Zuvor war ein mosaikartiges Rondell gepflastert worden, in dem sich die Blütenform wiedererkennen lässt. Umrandet von einer Trockenmauer, werden sich hoffentlich bald Eidechsen und Menschen ein Stell-Dich-ein geben. Eine natürliche Blumenwiese um die „Herzlich willkommen-Tafel“ lädt seither Spaziergänger und Gäste zum Verweilen ein.

Beim Projekt der Arbeitsgruppe Grünanlagen konnte Marcel Keller, Auszubildender im Ausbildungsberuf Landschaftsgärtner, seine bislang erlernten Fähigkeiten einsetzen, sich selbst ausprobieren und verwirklichen. Die Planung, bis hin zu Materialberechnung und -beschaffung und Ausführung erfolgte federführend durch den Landschaftsgärtnermeister Günter Hering, der mit dieser Maßnahme ein gutes Übungsfeld für die Ausbildung bot. Dieses Projekt hat sicherlich auch dazu beigetragen, dass Marcel Keller vor Kurzem seine Ausbildung erfolgreich abgeschlossen hat.

Den Gedanken, auf bisher intensiv gepflegten Rasenflächen mehr Natur zuzulassen, verfolgt die Arbeitsgruppe Grünanlagen der Stadtwerke Kraichtal schon seit einigen Jahren und nimmt damit ihre Verantwortung ernst, die biologische Vielfalt auch im Siedlungsraum zu fördern. Dabei ist natürlich gerade die Pflege der öffentlichen Grünflächen wegen ihrer verschiedenen Funktionen und Ansprüche ein höchst sensibles Thema. Naturnahe Flächen sehen anders aus als die üblichen Rasenflächen. „Dass es sich dabei nicht um „verlotterte Wildnis handelt“ sondern um behutsam gepflegte Lebensräume, versteht nicht jeder auf den ersten Blick“, so Werkleiter Gerhard Süpfle. Vor Kurzen wurden mehrere Hinweisschilder angebracht, die verweilende Passanten auf die Vielfältigkeit der Pflanzen aufmerksam machen sollen. „Wichtig ist, dass sich auf den Flächen viele heimische Pflanzenarten entwickeln können. Unsere Insekten haben sich im Laufe ihrer Entwicklung an die Gemeinschaft der vorhandenen Pflanzenwelt angepasst“, erläuterte Tina Kassner, Umweltbeauftragte der Stadt Kraichtal. Dabei sind diverse Abhängigkeiten entstanden: Viele Schmetterlingsraupen fressen nur an den Blättern bestimmter Wildkräuter, so zum Beispiel die Raupen vom Tagpfauenauge, Admiral und Kleiner Fuchs von der Brennnessel. Etliche Wildbienen sammeln Pollen nur an Blüten ausgewählter heimischer Pflanzen. Der Blaue Natterkopf beispielsweise, den man in Menzingen nun findet, wird vor allem von Bienen, Schwebfliegen und Faltern sehr gerne angeflogen. Über 40 Schmetterlingsarten wurden als Besucher festgestellt. Der Hauptbesuch der Insekten erfolgt gegen 15 Uhr. Die Blüten vollziehen einen Farbwechsel von rot nach blau. Die Bienen lernen hierbei, dass nur die rosa Blüten reich an Nektar sind. „Ein entsprechend gutes Angebot an Pflanzen zieht also eine ganze Palette von Tieren an, die lediglich von exotischen Zierpflanzen nicht leben könnten“, so die Umweltbeauftragte weiter. Im Siedlungsgebiet mehr Natur zuzulassen, steigert nicht zuletzt die eigene Lebensqualität. Wo Vögel, Schmetterlinge, Wildblumen und Eidechsen zuhause sind, da fühlen auch wir Menschen uns wohler.

Auch in den anderen Stadtteilen können sich die Kraichtalerinnen und Kraichtaler vermehrt über den Anblick bunter Blumenwiesen freuen. Diese sind nicht nur schön anzusehen, sondern verringern auch den Pflegeaufwand, da die Flächen nicht mehr so häufig gemäht werden müssen. Kein Wunder also, dass der Kraichgau vielerorts als „deutsche Toskana“ bezeichnet wird. Der „Schwarze Platz“ in Menzingen trägt sicherlich seinen Teil dazu bei.(sn)

 

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