„Kronauer Modell“ – Schreiben und Vorschlag der SPD-Kreistagsfraktion Karlsruhe

Die Diskussionen um das „Kronauer Modell“ reißen nicht ab. Darunter versteht man die Integration von einer allgemeinbildenden Schule und einer Schule für körperbehinderte Menschen. Im September 2004 wurde die erste Außenklasse der Ludwig Guttmann Schule in Kronau eingerichtet: 11 Schülerinnen und Schüler mit körperlicher Behinderung konnten fortan die wohnortnahe Erich Kästner Schule in Kronau nutzen. Die Zukunft dieses Modells galt durch eine schriftliche Zusage von Kultusminister Stoch als gesichtert. Kürzlich ließ jedoch ein Ministeriumssprecher verlauten, dass keine Bestandsgarantie für die Einrichtung vorläge. Seither sind heftige Diskussionen entbrannt. In einem nun veröffentlichten Brief richtet sich der Vorsitzende der SPD-Fraktion im Kreistag Karlsruhe, Markus Rupp direkt an die Landesregierung Baden-Württemberg. Er fordert darin die Genehmigung des „Kronauer Modells“ als begründeten Ausnahmefall, oder alternative Lösungen, die die Fortsetzung der pädagogischen Arbeit in Kronau ermöglichen.

Der folgende, offene Brief wurde verfasst von Markus Rupp,  Bürgermeister und Vorsitzender der SPD-Fraktion im Kreistag Karlsruhe

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Kretschmann,
sehr geehrter Herr Minister Stoch,
sehr geehrte Herren Heiler (MdL) und Rech (MdL),
sehr geehrter Herr Landrat Dr. Schnaudigel,

Sie mögen denken, noch ein Beitrag zu der momentan nicht enden wollenden Diskussion in unserer Region um die Zukunft des sogenannten „Kronauer Modells“. Und diese Diskussion ist richtig und notwendig.

Denn dem Kreistag Karlsruhe und der Kreisverwaltung ist vor Jahren mit erheblichem finanziellem Aufwand die nahezu perfekte Umsetzung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen gelungen und zwar im Zusammenwirken der Ludwig-Guttmann-Schule für Körperbehinderte und der Erich-Kästner-Schule in Kronau. Ideengeber war damals eine Elterninitiative namens „Kooperation Sternschnuppe“, die ihren behinderten Kindern nicht länger eine extrem lange Fahrt von über 40 km einfache Fahrt aus dem Norden des Landkreises Karlsruhe nach Karlsbad zumuten wollte.

Wir als Kreistag haben darauf über alle Fraktionen hinweg positiv reagiert und ein bauliches und pädagogisches Modell der Inklusion in Kronau entstehen lassen. Viele Landespolitiker haben sich die Türklinke in die Hand gegeben und das Hohelied auf diese Einrichtung gesungen. Zu Recht. Aber schon die schwarz-gelbe Vorgängerregierung gab dem „Kronauer Modell“ keine Bestandsgarantie.

Eine Bestandsgarantie stößt aber auch dann an ihre Grenzen, wenn die Schülerinnen und Schüler bzw. deren Eltern andere Schulformen aufgrund der entfallenen verbindlichen Grundschulempfehlung bevorzugen.

Deshalb ist es für uns auch von nachgeordneter Bedeutung, ob der Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg der Kronauer Werkrealschule nun eine Bestandsgarantie bei seinem Kreisbesuch in Dettenheim gegeben hat oder nicht.

Schulentwicklung, die von unten ausgeht, das halten wir für eine tolle Sache. In meiner Gemeinde, in Gondelsheim wurde das erfolgreich umgesetzt. Wir sind Gemeinschaftsschule zum Schuljahr 2013/14 geworden. Mit beachtlichem Erfolg.

Manchmal, gerade in Sonderfällen wie dem „Kronauer Modell“ sollte Schulentwicklung aber auch ausnahmsweise einmal „von oben“, vom Ministerium für Kultus, Jugend und Sport des Landes Baden-Württemberg gemacht werden. Auch weil hier vorbildliche pädagogische und bauliche Ressourcen vorhanden sind, die anderswo erst wieder aufgebaut werden müssten.

 

Konkret heißt das für uns: Entweder man genehmigt die momentane Form als begründeter Ausnahmefall. Oder macht man den Weg frei für alternative Lösungen, die die Fortsetzung der pädagogischen Arbeit ermöglichen. Die Kooperation zwischen den gerade genehmigten Gemeinschaftsschulen Hambrücken-Forst oder Wiesental-Kirrlach zeigt einen möglichen pragmatischen Weg einer Fortdauer des Bestands des „Kronauer Modells“ auf, nämlich eine Kooperation zwischen der bereits genehmigten Gemeinschaftsschule Bad Schönborn und eben Kronau. Nur so ist der mittelfristige Bestand zwischen der Sonderschule des Landkreises Karlsruhe und der kommunalen Kronauer Schule zu sichern.

Hierfür bedarf es aber u.E. keiner gegenseitigen Schuldzuweisungen, sondern einer steuernden Hand aus Stuttgart und eines kommunalen Wollens.

Über eine baldige Rückmeldung zu unserem Vorschlag würden wir uns sehr freuen!
Mit freundlichem Gruß

 

 

Markus Rupp, Bürgermeister und Vorsitzender der SPD-Fraktion im Kreistag Karlsruhe

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