Kriminälität in Bruchsal steigt an

Polizei BruchsalDer Leiter des Bruchsaler Polizeireviers Wolfgang Ams stellt in der jüngsten Bruchsaler Gemeinderatssitzung die Entwicklung der Kriminalität im zurückliegenden Jahr vor.

„Insgesamt wurden 3272 Straftaten begangen. Wir haben damit einen Anstieg von rund 10 Prozent bei den insgesamt bearbeiteten Fälle zu verzeichnen“, so Ams gleich zu Beginn seines Vortrags. „Erfreulich ist, dass die Aufklärungsquote von 57, 8 auf rund 63 Prozent angestiegen ist“, so der Polizeioberrat weiter. Der Großteil der Straftaten wird von Erwachsenen verübt. Die Quote liegt bei rund 74 Prozent. Heranwachsende zwischen 18 und 20 Jahren, sind für rund 10 Prozent der Delikte verantwortlich. Wie in den vergangenen Jahren auch, war der Großteil der Straftaten in der Kernstadt zu verzeichnen. „86 Prozent der Straftaten erfolgen in der Kernstadt. Wir bleiben bei den Kriminalitätszahlen somit kernstadtlastig“, erklärte Ams. Ein starker Anstieg der Verbrechen war im zurückliegenden Jahr bei den Diebstählen festzustellen. Nach 761 Fällen im Jahr 2012 waren hier im vergangenen Jahr 848 Vergehen aktenkundig. Dafür verantwortlich ist ein Anstieg bei den Ladendiebstählen (+67 Fälle) und bei den Autodiebstählen (+17 Fälle).

142 Platzverweise gegen Prostituierte

Die Präsentation der Zahlen nutze Ams für einen Appell: „Ein Auto ist kein Tresor. Lassen Sie keine Wertsachen im Auto liegen“. Da gegenwärtig im gesamten Land eine Steigerung bei den Wohnungseinbrüchen zu verzeichnen ist, machte Ams klar, dass die Polizei hier besonders um Aufklärung bemüht ist und das Polizeirevier eine Streife, speziell nur für Wohnungseinbrüche, einsetzt. Schließlich informierte Ams noch über den aktuellen Sachstand der Straßenprostitution in Bruchsal: „Ein Thema, das Bruchsal seit Mai 2013 bewegt.“ „Bisher wurden 25 Prostituierte festgestellt und 142 Platzverweise ausgesprochen“, so der Leiter des Polizeireviers. „Prostitution ist jedoch legal“, so Ams. Seit dem 1. Januar 2000 legt die Prostitutionsverbotsverordnung Baden-Württemberg fest, dass Prostitution in Gemeinden mit mehr als 35.000 Einwohnern möglich sei. „Auf den Punkt gebracht. Prostitution ist nicht verboten“, sagt Ams, der mit der Aussage darauf verwies, dass auch die Polizei nicht verhindern kann, was vom Gesetzgeber erlaubt ist. Ähnlich gelagert ist die Situation in einem ganz anderen Kontext. „Durch Alkoholkonsum im öffentlichen Bereich fühlen sich Menschen immer wieder gestört und belästigt“, so Ams. Der Verwaltungsgerichtshof Mannheim hat 1999 jedoch wie folgt geurteilt: Das Verhindern des Auftretens alkoholtrinkender Personen in der Öffentlichkeit ist kein polizeiliches Schutzgut, auch wenn dies ein ‚Ärgernis‘ darstellen sollte. Ams ließ keinen Zweifel daran, dass vor diesem Hintergrund ein Verbot von Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit keine Chance haben würde.

Hohe Aufklärungsquote

Das Polizeirevier Bruchsal hat im zurückliegenden Jahr rund 720 Einsätze verzeichnet und dabei 5800 Einsatzstunden geleistet. Zusätzlich zur normalen Tagesarbeit werde das Konzept „Sichere Innenstadt Bruchsal“ fortgeführt. Wohnungseinbruch und Rauschgiftkriminalität bilden weitere Schwerpunkte. Trotz des Anstiegs bei der Kriminalitätsentwicklung im zurückliegenden Jahr lebt man in Bruchsal grundsätzlich sicher.
Der Rückblick auf die Kirminalitätsentwicklung in Bruchsal wurde vervollständigt durch einen Bericht von Alexander Ebert, Leiter des Kriminalkommissariats in Bruchsal. Im Rahmen der Polizeistrukturreform wurde die Kriminalaußenstelle Bruchsal zwischenzeitlich zu einem Kriminalkommissariat umgewandelt und damit aufgewertet. Ebert begrüßte diese Entwicklung ausdrücklich und bedankte sich bei allen, die diese Entwicklung auf politischer Ebene möglich gemacht haben. Da die Umwandlung jedoch erst in diesem Jahr erfolgt, präsentierte Ebert im Rückblick auf das Jahr 2013 noch die Kriminalitätsstatistik der Kriminalaußenstelle (KASt.). „Wir hatten im vergangenen Jahr 669 Fälle zu bearbeiten und davon 602 aufklären können“, berichtete Ebert. Die Aufklärungsquote beträgt 90 Prozent. „Mit dieser Quote sind wir auch innerhalb der Kriminalpolizei weit vorne“, so der Leiter der Bruchsaler Kriminalpolizei. Besonders erfreulich ist, dass es im zurückliegenden Jahr keine Tötungsdelikte zu verzeichnen gab. Zu den besonders spektakulären Fällen gehört sicherlich eine Brandstifterserie mit einem Gesamtschaden von rund 20 Millionen Euro. „12 von 19 Fällen wurden dabei durch die KASt Bruchsal bearbeitet. Der Täter wurde zu neun Jahren Haft verurteilt. Das Tatmotiv ist bis heute nicht abschließend geklärt“, so Ebert.

65% mehr Eigentumsdelikte im Landkreis

Einen besonderen Schwerpunkt stellen auch Eigentumsdelikte dar: „Hier sind besonders professionelle Banden aus dem Ausland tätig“, so Ebert. Diese gehen auf Raubzug und ziehen sich dann wieder hinter die Grenzen zurück. Im gesamten Regierungsbezirk Karlsruhe ist eine Zunahme von rund 65 Prozent der Fälle zu verzeichnen. „Wir konnten zum Glück in den letzten Wochen gute Aufklärungserfolge erzielen. In den letzten Wochen konnten 67 Tatverdächtige festgenommen werden“, so Ebert, der sich ausdrücklich für wichtige Hinweise aus der Bevölkerung bedankte und darauf verwies, dass diese ganz wesentlich seien für den Ermittlungserfolg.
Für die CDU-Fraktion bedankte sich Günter Brüstle bei den Referenten: „Danke für die Darstellung der Kriminalitätslage und die geleistete Arbeit. Danke auch für die klaren Worte zur Straßenprostitution und zu Trinkgelagen in der Öffentlichkeit. Viele gehen hier von falschen Voraussetzungen aus und glauben, dass die Polizei und die Stadtverwaltung hier mehr tun müssten. Das ist aber kaum möglich, unter den gegebenen Rahmenbedingungen.“

Sperrbezirksverordnung zur Eindämmung des Straßenstrichs wurde beantragt

Für die SPD würdigte Gerhard Schlegel: „Die Polizeistrukturreform ist weitgehend abgeschlossen. Es ist ein großer Erfolg, dass das Kriminalkommissariat und damit die KASt erhalten bleiben.“
Für die Freien Wähler schloss sich Roland Foos den Vorrednern an. Abschließend informierte Bürgermeister Ulli Hockenberger über den aktuellen Sachstand zur Straßenprostitution. Die Stadtverwaltung hat beim Regierungspräsidium einen Antrag auf Sperrbezirksverordnung gestellt. In der vergangenen Woche fand dazu ein Gespräch beim Regierungspräsidium statt. „Das Regierungspräsidium hat uns signalisiert, dass man darüber nachdeckt, in Richtung einer Sperrbezirksverordnung zu gehen“, so Hockenberger. Er wies jedoch auch darauf hin, dass es keine Sperrbezirksverordnung gebe, die nicht durch die gerichtlichen Instanzen einer Überprüfung unterzogen werden. Um Aussicht auf Erfolg zu haben, muss deshalb klar belegt werden, dass der Schutz der Jugend und/oder die Verkehrssicherheit gefährdet ist. In diesem Zusammenhang ermunterte Hockenberger die Beschwerdeführer, ihre Argumente auch direkt an das Regierungspräsidium – die Genehmigungsbehörde für eine Sperrbezirksverordnung – zu richten.

Stadt Bruchsal
Bild: Symbol

Ähnlicher Artikel

Wenn der Bergfried ruft

Wenn der Bergfried ruft

Das Bruchsaler Bergfried-Spectaculum verzaubert Alt und Jung Wer an Bruchsal denkt, der denkt meist automatisch…
Bruchsal: Zwischen zwei Lkws eingeklemmt und tödlich verletzt

Bruchsal: Zwischen zwei Lkws eingeklemmt und tödlich verletzt

Tödliche Verletzungen erlitt am Dienstagvormittag ein 33-jähriger Lkw-Fahrer in Bruchsal, als er beim Aufladen von…
Bruchsal: Drei Leichtverletzte und erhebliche Verkehrsbehinderungen durch Unfall auf der B35

Bruchsal: Drei Leichtverletzte und erhebliche Verkehrsbehinderungen durch Unfall auf der B35

Drei leichtverletzte Personen, ein Sachschaden von mehreren tausend Euro sowie eine über mehrere Stunden andauernde…
Brückenarbeiten auf der A5 – An der Anschlussstelle Bruchsal wird´s eng

Brückenarbeiten auf der A5 – An der Anschlussstelle Bruchsal wird´s eng

A 5 bei Bruchsal – Erneuerung der beiden Brückenbauwerke über den Saalbachkanal/DB-Trasse/Wirtschaftswege und der Kammerforststraße…