Kraichtal wird hochwassertauglich

Foto: Manuel Mosebach
Die ersten Maßnahmen werden derzeit im Stadtteil Münzesheim an der Hochwasserschutzeinrichtung am Ehrlichgraben durchgeführt. Foto: Manuel Mosebach

Die ersten Maßnahmen werden derzeit im Stadtteil Münzesheim an der Hochwasserschutzeinrichtung am Ehrlichgraben durchgeführt.

Neuerungen im Wasserrecht – Stadtwerke Kraichtal setzen Unterhaltungsmaßnahmen an den Hochwassereinrichtungen um
Kraichtal (sn). Hochwasser ist ein natürliches Phänomen. In naturbelassenen Gebieten speichern Auenlandschaften das Wasser wie ein Schwamm und geben es in trockenen Zeiten wieder ab. Im dicht besiedelten Europa können Hochwasser aber besonders zerstörerisch sein. Durch die Neuerungen im Wasserrecht, welche zu Beginn des Jahres durch das vom Landtag Baden-Württemberg verabschiedete Gesetz zur Neuordnung des Wasserrechts in Baden-Württemberg beschlossen wurden, beschäftigt derzeit das Thema Hochwasserschutz die Kommunen. Das Wasserhaushaltsgesetz (WHG) sowie das Wassergesetz Baden-Württemberg (WG) legen fest, wie mit Gewässern umzugehen ist. Ziel der Gesetze ist es, durch eine nachhaltige Gewässerbewirtschaftung die Gewässer als Bestandteil des Naturhaushalts, als Lebensgrundlage des Menschen, als Lebensraum für Tiere und Pflanzen sowie als nutzbares Gut zu schützen.

36 Kilometer Gewässer in Kraichtal

Der Kraichbach ist das größte Fließgewässer in Kraichtal und weist eine Gesamtlänge von 53 Kilometern auf, davon allein 13 Kilometer auf Kraichtaler Gemarkung. Die Nebengewässer Eschbach mit dem Dorfbach Menzingen, Weiherbach, Neuenbürger Bächle und Kleiner Kraichbach fließen dem Kraichbach von Norden her zu. Vom Süden her entwässern der Haubruchgraben, der Oberacker Dorfbach, der Führtbruchgraben zum Kraichbach. Diese Gewässer haben zusammen eine Länge von rund 23 Kilometern. Dazu kommen zahlreiche kleinere Bäche und Gräben mit teilweise nur periodischer Wasserführung. Fachlich wird die Stadt Kraichtal vom Gewässerentwicklungsplan angeleitet, in dem der IST-Zustand des Gewässers erfasst und bewertet und mit dem potentiell natürlichen Gewässerzustand verglichen wurde.

Er beschreibt die Entwicklungsziele für die einzelnen Gewässer und geeignete Maßnahmen, um diese zu erreichen. Die Gewässerdirektion bietet eine Palette von Fördermöglichkeiten zur Unterstützung an. Zudem können Gewässerentwicklungsmaßnahmen als Ausgleich für an anderer Stelle durchgeführte Eingriffe in Natur und Landschaft in Frage kommen. Die können auf dem sogenannten „Ökokonto verbucht werden“. Der Träger der Unterhaltungslast hat die Aufgabe die Bedingungen für naturnahe Gewässer als intakte Ökosysteme mit natürlicher Funktionsfähigkeit zu schaffen und seine Unterhaltungsmaßnahmen entsprechend auszurichten. Die Funktionsfähigkeit an den Hochwasserschutzeinrichtungen muss dementsprechend regelmäßig überprüft und erforderliche Unterhaltungsmaßnahmen durchgeführt werden.

Stadtwerke Kraichtal starten mit Erdbauarbeiten

Nach dem Hochwasser im vergangenen Jahr müssen in Kraichtal mehrere Instandhaltungsmaßnahmen angegangen werden. Die Überschwemmungsgebiete müssen bis auf die geplanten Geländehöhen abgetragen werden, damit das Wasser dem vorgegeben Verlauf folgt und genügend Versickerungsfläche zur Verfügung steht. In den Stadtteilen Gochsheim, Münzesheim und Unteröwisheim werden in den kommenden Wochen in Zusammenarbeit der Stadtwerke Kraichtal mit einer Fremdfirma die größeren Erdbauarbeiten nach und nach umgesetzt. „Die Überschwemmungsflächen werden hierbei mit einem Ketten- und einem Radbagger abgetragen und das überschüssige Erdmaterial abgefahren. Die Höhenverhältnisse werden nach jedem Arbeitsschritt überprüft“, teilte der Leiter der Arbeitsgruppe Tiefbau vom Betriebszweig „Bauhof“ der Stadtwerke Kraichtal Gerhard Wolf mit. Dabei wird nicht zuletzt auf ein naturnahes Erscheinungsbild der Hochwasserschutzeinrichtungen geachtet. Gleichzeitig wird an verengten Stellen des Bachlaufes das angesammelte Schwemmgut entfernt. Dadurch wird der erforderliche Abflussquerschnitt wiederhergestellt und ein Rückstau verhindert.

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