Infoveranstaltung zur Flüchtlingsunterbringung in Heidelsheim

Infoveranstaltung zur Flüchtlingsunterbringung in Heidelsheim
Über 500 Bürgerinnen und Bürger waren der Einladung zur Bürgerinformationsveranstaltung Gemeinschaftsunterkunft Heidelsheim gefolgt. Bild:pa

Über 500 Besucher informieren sich über Belegung des Praktiker-Markts

Bruchsal (pa) | 500 Flüchtlinge plant das Landratsamt Karlsruhe im ehemaligen Praktiker-Markt in Heidelsheim unterzubringen. Auf der Basis von Erfahrungswerten wird davon ausgegangen, dass darunter rund 100 Kinder und Jugendliche sein könnten. Die Belegung soll bereits im November erfolgen und wird mindestens über den Winter andauern. Die Behelfseinrichtung wird durch rund 20 hauptamtliche Kräfte des Landratsamtes betreut werden.

Über den aktuellen Sachstand informierten Stadtverwaltung Bruchsal und Landratsamt Karlsruhe im Rahmen einer Informationsveranstaltung in der Sporthalle in Heidelsheim am Dienstag, 20. Oktober. Auf dem Podium Platz genommen hatten Oberbürgermeisterin Cornelia Petzold-Schick und Bürgermeister Ulli Hockenberger sowie der Erste Landesbeamte Knut Bühler. Ebenfalls vertreten waren die Ortsvorsteherinnen Inge Schmitt (Heidelsheim) und Tatjana Grath (Helmsheim). Von beiden Kommunen waren außerdem die Vertreter der Verwaltung anwesend. Auf Seiten der Stadt Bruchsal der Fachbereichsleiter für Bildung, Soziales und Sport Patrik Hauns sowie Hauptamtsleiter Wolfgang Müller. Für das Landratsamt der Dezernent für Finanzen und Beteiligungen Ragnar Watteroth. Polizeioberrat Wolfgang Ams vertrat das Polizeirevier Bruchsal.

Oberbürgermeisterin Cornelia Petzold-Schick eröffnete die mit über 500 Menschen sehr gut besuchte Informationsveranstaltung: „Wir sind in die Aufgabe gestellt, die Menschen, die nach Bruchsal kommen zu beherbergen.“ Das Stadtoberhaupt zeigte Verständnis für die „Ängst und Sorgen“ in der Bevölkerung, die mit der „Komplexität einer solchen Großbelegung“ einher gehen. Sie selbst hätte noch vor wenigen Monaten eine solch große Einrichtung aus grundsätzlichen Erwägungen „für undenkbar gehalten“, müsse nun aber erkennen, dass das Landratsamt vor dem Hintergrund der stetigen Zuwanderung keine anderen Möglichkeiten habe. Vor allem mit Blick auf den nahenden Winter werden gegenwärtig dringend zusätzliche Kapazitäten benötigt.

Infoveranstaltung zur Flüchtlingsunterbringung in Heidelsheim
Der ehemalige Praktiker-Markt in Heidelsheim (rückwärtige Ansicht)

Knut Bühler erinnerte in seinem Vortrag daran, dass die Flüchtlingsprognosen von der Bundesregierung in diesem Jahr bereits viermal angepasst wurden: „Im Februar 2015 wurde noch mit einem Zuzug von 300.000 Menschen gerechnet. Im Mai waren es 450.000, im August schon 800.000 und gegenwärtig wird bis zum Jahresende mit der Notwendigkeit zur Unterbringung von 1 Million Menschen gerechnet.“ „Auch wir haben keine Planungsgrundlage“, führte der Erste Landesbeamte aus, der daran erinnerte, dass mit jeder nach oben korrigierten Prognose auch die Zahl der im Landkreis unterzubringenden Flüchtlinge ansteige. „Rund 75 Prozent der Menschen die gegenwärtig zu uns kommen, haben eine ‚Bleibeerwartung‘“, teilte Bühler weiter mit, weil sie aus Syrien, Afghanistan und dem Irak kämen. Dies hat Auswirkungen für die Anschlussunterbringung. Hier ist mit einem deutlichen Anstieg des Bedarfs zu rechnen.

Gegenwärtig geht das Landratsamt davon aus, dass bis zum Jahresende rund 10.000 Flüchtlinge im Landkreis unterzubringen sind, rund 1000 davon in Gemeinschaftsunterkünften in Bruchsal. Für die Unterbringung hält das Landratsamt gegenwärtig 28 Unterkünfte vor. 15 weitere befinden sich im Bau. Mit der Erfahrung aus dem Betrieb dieser Gemeinschaftsunterkünfte sei auch die Entscheidung für die Nutzung des Praktiker-Marktes in Heidelsheim gefallen. Dort werden maximal 500 Personen untergebracht. Jedem Flüchtling stehen rund viereinhalb Quadratmeter Wohnfläche zur Verfügung. Im ehemaligen Baumarkt werden mit Trennwänden Räume eingerichtet, die jeweils vier bis sechs Personen Platz bieten. Die Sanitärzellen werden ins Gebäude integriert. Der bisherige Zugang zum Praktiker-Markt, der auch als Eingang für den Real-Markt dient, wird als separater Eingang auf die Seite des Gebäudes verlegt. Ortsvorsteherin Schmitt verwies in ihrer Stellungnahme darauf, dass in Heidelsheim Ängste und Sorgen vorhanden seien, der Ortschaftsrat dennoch keine notwendige Hilfe verweigere. „Ich habe die Hoffnung, dass wir die Aufgabe zufriedenstellend bearbeiten können. Wichtig wäre eine möglichst schnelle Reduzierung der Belegungszahl und die Bereitstellung von möglichst viel hauptamtlichem Personal.“

Infoveranstaltung zur Flüchtlingsunterbringung in Heidelsheim
Noch sind die Hallen leer – Der ehemalige Praktiker-Markt in Heidelsheim

Ortsvorsteherin Grath nimmt die Befürchtungen der Menschen ebenfalls ernst, erinnert aber auch an die moralische Verpflichtung zu helfen. „Gerade in der dunklen Jahreszeit wird es wichtig sein, dass die Menschen Aufgaben haben“, so Grath, die insbesondere auch mit der Anschlussunterbringung eine große Aufgabe auf ihren Ortsteil zukommen sieht und eine „Aufstockung für die Verwaltungsstelle“ anregt. Für die Strukturierung des Tagesablaufs in einer Gemeinschaftsunterkunft sind engagierte ehrenamtliche Helfer besonders wichtig. Diesbezüglich kündigt Bühler schon bald eine Veranstaltung an, mit dem Ziel ein ehrenamtliches Netzwerk zu gründen.

Für das Polizeirevier Bruchsal informierte Wolfgang Ams, dass bisher rund 500 Flüchtlinge auf Bruchsaler Gemarkung untergebracht sind. Die Polizei steht im engen Austausch mit den bestehenden Gemeinschaftsunterkünften. In den zurückliegenden Monaten hat das Polizeirevier Bruchsal diesbezüglich rund 74 Vorgänge bearbeitet. Das sei eine moderate Quote so Ams, der darauf verwies, dass es sich dabei fast ausschließlich um Probleme innerhalb der Gemeinschaftsunterkünfte, wie Diebstahl und Streitigkeiten, handeln würde.

Nach den Podiumsvorträgen schloss sich eine Diskussionsrunde an, von der die Heidelsheimer und Helmsheimer Bevölkerung regen Gebrauch gemacht hat. Leider haben sich auch Akteure aus Karlsruhe und anderen umliegenden Gemeinden an den Mikrofonen zu Wort gemeldet und Stimmung gegen Flüchtlinge gemacht. Dies wurde schließlich durch den Moderator Wolfgang Müller unterbunden und auch das Saalpublikum hat hier entgegen gewirkt. Insgesamt kam bei der Fragerunde die Besorgnis der Bevölkerung deutlich zum Vorschein. Viele Fragen waren dem Themenkomplex „Sicherheit“ gewidmet (Wie wollen sie uns beschützen? Werden Bauzäune aufgestellt? Sind die Fußwege sicher?). Die Erfahrung zeigt, dass die objektive Sicherheitslage im Umfeld einer Gemeinschaftsunterkunft stabil ist. „Viele Flüchtlinge sind selbst schutzbedürftig. Die Menschen wollen uns nichts Böses. Das kann ich aus der Praxis bestätigen“, so der Erste Landesbeamte. Ragnar Watteroth ergänzte, dass die Situation in einer Gemeinschaftsunterkunft nicht mit der in der Landeserstaufnahmestelle vergleichbar sei, wo es aufgrund einer deutlichen Überbelegung immer wieder zu Schwierigkeiten kommen könne. In weiteren Fragen wurde Kritik an der kurzfristigen Information der Bürgerschaft geübt und nach der konkreten Dauer der geplanten Belegung gefragt. Das Landratsamt informierte diesbezüglich, dass die Information kurzfristig, aber so bald wie möglich angesetzt worden sei. Die Belegung ist für mehrere Monate vorgesehen. Verständlicherweise konnten keine Vertragsdetails bekannt gegeben werden.

Insgesamt verlief die Bürgerinformationsveranstaltung in einer angespannten aber nachdenklichen Atmosphäre. Es war offensichtlich, dass der Informationsbedarf in der Bevölkerung sehr groß ist. Ebenfalls deutlich wurde, dass es eine große Hilfsbereitschaft gibt.

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