Gedöns ums Gemüse in Sinsheim – Spießigkeit oder echtes Ärgernis?

GemüseEin Kommentar von Stephan Gilliar

Es sind gemischte Gefühle die mich überkommen, wenn ich den heutigen Artikel in der RNZ über einen türkischen Gemüsehändler in der Sinsheimer Altstadt lese. Es ist eine Geschichte die sich wie eine echte Provinz-Posse liest: Auf der einen Seite ist da ein türkisches Gemüselädle und auf der anderen Seite ein verärgertes Sinsheimer Ratsmitglied und einige Unterstützer. Das vermeintliche Ärgernis: Der Gemüsehändler beeinträchtigt mit seinem Stand und dem Drumherum an Obstkisten, Paletten, u.s.w., das optische Erscheinungsbild des Altstadtsträßchens. Ein dazu errichteter Vorbau aus Glas und Plastikfolie wirke ebenso störend auf das sonstige Idyll der Örtlichkeit. All das sei ihm ein „echter Dorn im Auge“ zitiert die RNZ das Ratsmitglied weiter. Zudem seien Fußwege blockiert, störten parkende Transporter und auch die rechtliche Frage der Zuordnung von“nicht- öffentlichem Gelände bei den Hochwassermarken“ wird ins Feld geführt.

Man möge sich „an europäische Gepflogenheiten anpassen

Laut RNZ bat das Ratsmitglied die Verwaltung darum, den Gemüsehändler darauf aufmerksam zu machen, dass er sich „an europäische Gepflogenheiten anpassen möge“. Doch ganz so eindeutig ist der Fall dann auch nicht. Wie Sinsheims Oberbürgermeister Jörg Albrecht versichert, ist der „störende“ Vorbau von der Stadt offiziell genehmigt worden und die strittigen Flächen zählen zum Eigentum des Händlers, schreibt die RNZ weiter. Wie sich die Novellierung der Hochwasserschutzgesetze auf die derzeitige Situation auswirken, würde aber nun geprüft werden, so der Gebäudemanager gegenüber der Zeitung. So sei es notwendig, dass komplett aufbereitet wird, „was ordnungsrechtlich, gewerbe-, bau- und verkehrsrechtlich derzeit gilt“. Diese Infos sollen bald dem Kernstadtausschuss vorgelegt werden.

Hier muss man sich aber die Frage stellen: Wo soll es denn hingehen Sinsheim? Das Geschäft des Gemüsehändlers wird von den Menschen ansonsten recht gut angenommen, zumindest ist der Laden immer gut besucht. Gut funktionierender Einzelhandel ist heute keine Selbstverständlichkeit mehr. Andere Kraichgau-Städte wie Bretten oder Eppingen bemühen sich aktiv darum ihre Innenstädte wieder mit Läden zu bevölkern um die Abwanderung in Einkaufszentren zu verhindern. Müssen deswegen einem optisch nicht konform gehendem Händler gleich die „europäischen Gepflogenheiten“ vor Augen geführt werden? Was bringt die schönste Altstadt-Idylle wenn sich dort niemand mehr aufhält, wenn die Ladenflächen brach liegen? Für ein lebendiges Sinsheim würde ich in diesem Fall gerne ein paar Gemüsekisten in einem klapprigen Vorbau hinnehmen und auch mal um einen geparkten Transporter herum gehen.

 

Bild: Symboldarstellung

 

 

 

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