Gebt auf eure Kinder acht

| , , ,

@shaundarroberts via Twenty20

Wir sollten unseren Nachwuchs auf die gesperrten Bahnübergänge gut vorbereiten

Gleich vorneweg – dieser Beitrag wurde von mir nicht mit der Intention verfasst, Ängste zu schüren, zu belehren oder gar Panik zu verbreiten… Nein, er wurde von mir deshalb geschrieben, weil ich selbst Vater und zudem eines jener schlechten Vorbilder bin, die Wasser predigen und doch selbst Wein trinken. Ich erinnere mich noch gut daran, wie damals während meiner Schulzeit in den frühen 80ern, die Verkehrswacht regelmäßig zu Gast bei uns in der Grundschule Eppingen war. Mit alten Super-8-Filmen, deren blechernen Ton ich heute noch im Ohr habe, wollte man uns Dreikäsehochs über die Gefahren im Straßenverkehr informieren. Die Botschaft war so zeitlos wie elementar: Straßen und Schienen nur an den dafür vorgesehenen Stellen überqueren und das immer aufmerksam und mit äußerster Vorsicht.

Wirklich viel hängen geblieben ist davon bei mir offenbar nicht, denn heute schlage ich als Erwachsener diese Grundregeln aus Bequemlichkeit oftmals in den Wind. Regelmäßig sause ich dort wo ich stehe über die Straße und hin und wieder überquere ich gar die Schienen in unserem Dorf, um nicht 500 Meter Umweg über den Bahnübergang zurücklegen zu müssen. Das einzige schwache Argument, das ich zu meiner Ehrenrettung hervorbringen kann: Ich achte darauf, dass ich dabei nicht beobachtet werde und am Ende gar als schlechtes Vorbild für Kinder diene.

Bahnübergang, Kreisstraße und Unterführungen - Zahlreiche Straßensperrungen in Gondelsheim

Man sollte es zwar tunlichst vermeiden, von sich auf andere zu schließen, da ich aber selbst einmal Kind gewesen bin und das sichere Gefühl der eigenen Unsterblichkeit nur zu gut kenne, will ich heute dennoch eine Warnung an alle Mit-Eltern zwischen Bruchsal und Bretten richten. Wie Sie sicher schon dutzendfach erfahren haben, werden in der Zeit von April bis November die Bahnübergänge entlang der hier verlaufenden Bahnstrecke dauerhaft geschlossen werden. Weil die Schnellbahnstrecke Stuttgart-Mannheim saniert wird, müssen fast alle Schnellzüge in dieser Zeit über die Gleise zwischen Bruchsal und Bretten umgeleitet werden. Der Verkehr in dieser Zeit wird auf der Schiene immens sein, das Rauschen der Züge allgegenwärtig. Die Gleise werden sechs Monate lang wie ein Messer auch die alltäglichen Wege in den anliegenden Gemeinden auch für unsere Kids durchtrennen: Schulwege, der Weg zum besten Freund oder zur besten Freundin am Nachmittag oder zum Vereinsheim….

Zwar wird es in jeder Gemeinde behelfsmäßige Querungen geben, doch eben weitaus weniger Möglichkeiten als bisher gewohnt. Genau an dieser Stelle braut sich meiner (gerne und hoffentlich unbegründeten) Befürchtung nach, eine potentiell gefährliche Mixtur zusammen, auf die sich Eltern gut vorbereiten sollten. Kindliche Sorglosigkeit, jugendliche Selbstüberschätzung und eng getakteter Hochgeschwindigkeitsverkehr auf der Schiene, sind unbestritten keine gute Kombination. Es ist nicht schwer vorstellbar, das Kids anstatt einen mehrere hundert Meter langen Umweg zu nehmen, kurzerhand beschließen schnell auf “wildem” Wege die Gleise direkt zu überqueren. Den Gedanke kennen sicher auch Erwachsene: “Komm, kurz und geschwind rüber, man kann ja schauen, wird schon nichts passieren”. Wenn nun aber zwischen April und November die Züge buchstäblich im Minuten-Takt durch die Gemeinden rauschen und das mit Geschwindigkeiten die von den gewohnten Bummel-Bahnen eher nicht erreicht werden, kann sich jeder das Gefahrenpotenzial selbst problemlos ausmalen.

„Achtung am Bahnsteig“ – Videokampagne der Deutschen Bahn via Youtube

Zwar will Gondelsheim beispielsweise in den ersten Wochen der Sperrung verstärkt die Gleisanlagen kontrollieren, doch niemand kann bekanntlich immer und überall zugegen sein. Es ist daher auch an uns Eltern zum einen als Vorbild zu fungieren und niemals die Gleise auf eigene Faust zu überqueren, sondern auch unsere Kinder in einem ernsten Gespräch über die anstehenden Monate zu informieren. Wie bereits oben angeführt, geht es dabei nicht darum Ängste zu schüren oder sich der eigenen elterlichen Furcht hinzugeben, sondern sachlich, nüchtern und vertrauend den Kindern die wichtigsten Infos und Grundregeln noch einmal mit an die Hand zu geben.

Ich persönlich halte das was die Bahn den Menschen im Kraichgau über Monate zumutet, ehrlich gesagt für völlig inakzeptabel und glaube auch nicht an die immer wieder postulierte absolute Alternativlosigkeit dieser Lösung. Da aber die Würfel in dieser Angelegenheit längst gefallen sind, sind nun wir gefragt uns mit dieser Situation zu arrangieren. In zwei Monaten ist es soweit – Zeit genug um uns und unsere Lieben darauf vorzubereiten.

Philipp Martin
Redakteur Hügelhelden.de

Stimmt etwas nicht? Haben wir einen Fehler gemacht oder etwas vergessen? Sagen sie's uns! Hier finden Sie alle Kontaktmöglichkeiten mit unserer Redaktion.Ihr Feedback zählt!

Vorheriger Beitrag

Ötisheim: Bedrohung mit Schusswaffe – Festnahme durch Spezialkräfte der Polizei

Wer im Glashaus sitzt

Nächster Beitrag