Francuelio und der Fußballcode

Das Sportereignis des Jahres, die Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien, steht vor der Tür. Die DMG-Mitarbeiter Thomaz und Mayra Litz berichten, wie ihr Team Fußball und Glaube miteinander verbindet:

Immer wieder fahren wir mit kleinen Teams junger Christen ins Sertão, die unwirtliche Weite Nordbrasiliens hinaus, um in entlegenen Dörfern christliche Gemeinden zu gründen. Wegen der schwierigen klimatischen, sozialen und politischen Verhältnisse in dieser Halbwüste leiden die Menschen unter Hoffnungslosigkeit. Es gibt nur wenig Angebote für Kinder und Jugendliche. Fußball kann da, besonders im Jahr der Weltmeisterschaft, ein wichtiges Instrument zur Veränderung sein.

Kurz nach unserer Ankunft in São Pedro erkundete unser kleines Team den Fußballplatz im Herzen des Dorfes: eine große Fläche ohne Rasen, schließlich regnet es im Sertão wenig, Feldlinien, aus Kalkpulver gestreut, zwei krumme Bambustore und einige schäbige Holzbänken. Hier finden Dorffeste statt, und an jedem Wochenende werden mit großem Eifer Spiele gegen Nachbardörfer ausgetragen. Dabei kommt es manchmal zu Gewalt: Vor einigen Jahren beispielsweise erschoss ein Spieler aus einem Nachbardorf einen Gegner, weil dieser ihn grob gefoult hatte.
Nach viel Geduld und einigen Gesprächen mit Dorfältesten erhielt unser Team die Genehmigung, ein Fußballtraining für Kinder und Jugendliche anzubieten. Seither treffen sich jeden Samstag zwei bis drei Dutzend begeisterte Jungfußballer auf dem Bolzplatz.


Eines Tages fiel unseren Mitarbeitern ein Mann aus dem Nachbardorf auf, der ihr Training immer wieder beobachtete. Auf die Frage, ob sein Sohn mitmachen wolle, antwortete er mit einem breiten Lächeln. Beim nächsten Training war der Junge dabei. Wir besuchen die Familien der Kinder regelmäßig zu Hause, reden mit ihnen über ihren oft harten Alltag und erzählen von der Hoffnung, die Jesus gibt. Bei so einem Hausbesuch schenkte unser Team der Familie des Jungen eine Bibel. Die Kinder lernen für jede Trainingseinheit einen Code auswendig, einen Bibelvers, der wöchentlich ausgelost und am Samstag darauf auswendig vorgetragen wird. Doch dieser achtjährige Junge konnte nicht lesen. Die ganze Woche flehte er seine Mama an, ihm den Bibelvers immer wieder vorzulesen – bis er ihn auswendig konnte. So lernten Mutter und Sohn Gottes Wort kennen.
Marcondes, unser sportlichstes Teammitglied, darf seit kurzem in der Dorfmannschaft mitspielen. Das ist nicht selbstverständlich für Fremde. Anfangs stellte die Mannschaft den jungen Christ immer wieder auf die Probe. Sie versuchten, ihn durch Schimpfworte und harte Fouls aus der Ruhe zu bringen. Doch Marcondes sportliche Fähigkeiten und sein gutes Benehmen zeigten Wirkung. Inzwischen hat er die Achtung der Dorfgemeinschaft gewonnen, ist gerne gesehen, wenn er Familien besucht, und hat großen Einfluss auf die Kinder.
Beim jährlichen Fußballturnier mit vielen Besuchern aus der ganzen Region durfte Marcondes mitspielen und nach dem Endspiel sogar die Hauptrede auf dem Dorfplatz halten. Statt über Fußball und Medaillen, beschrieb er den rund 300 Fans den Sieg Gottes über Sünde und Tod durch Jesus Christus. Alle hörten gebannt zu. Viele, die sonst den Glauben und Christen eher ablehnen, konnten den engagierten Worten des jungen Sportlers nicht widerstehen. Seither kommt auch der 13-jährige Francuelio ins Training. Auch er bekam eine Bibel geschenkt und macht bei einem Jüngerschaftsprogramm mit. Er interessierte sich sehr für die Bibel und beantwortete eifrig die Fragen der Jüngerschule. Seine Eltern waren mit dieser Entwicklung nicht einverstanden.
Francuelio kam zu den Gottesdiensten und Veranstaltungen in der Gemeinde und wollte Jesus sein Leben übergeben. Doch die Eltern verboten es ihm. Sie versprachen dem Jungen einen Computer, wenn er den Christen fernbleiben würde. Francuelio ließ sich überreden. Doch Gott ging ihm nicht mehr aus dem Kopf. Nach ein paar Wochen schlich er sich heimlich wieder in unsere Veranstaltungen. Manchmal erwischten ihn die Eltern, und er bekam Ärger. Doch ins Fußballtraining durfte er gehen. Öfters war der Bibelcode seine einzige geistliche Nahrung.
Bitte beten Sie für Francuelio und die anderen Kinder und Jugendlichen, dass sie in Jesus einen tiefen Halt für ihr Leben finden und Gott ihr Dorf im Sertão durch ihren Glauben verändert.

Weiteres Material: In der DMG-Website findet sich zudem ein Artikel von Brasilienmissionarin Inge Bublitz, wie ihr Team sich auf die evangelistischen Einsätze rund um die Fußball-WM vorbereiten.

Hier die Artikel online: http://www.dmgint.de/nachrichten/nachrichten-details/brasilien-vor-der-fussball-wm.html

Zum Hintergrund: 16 Mitarbeiter des christlichen Hilfs- und Missionswerkes DMG (offizieller Name „DMG interpersonal e.V.“, ehemals „Deutsche Missionsgemeinschaft, Verein für Wohltätigkeit e.V.“) sind in Brasilien tätig. Die meisten davon bereiten sich derzeit auf Aktionen rund um die Fußball-WM vor. Die DMG hat 350 Mitarbeiter in 80 Ländern weltweit in vielerlei kirchlichen und sozialen Projekten im Einsatz.

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