Eichennaturverjüngung in Ubstadt-Weiher und Bad Schönborn

Eichennaturverjüngung für nachhaltiges Wachstum – Landrat informierte sich über beispielgebendes Projekt in Ubstadt-Weiher und Bad Schönborn

Waldbegehung
So sieht Eichennaturverjüngung aus: Forstwirt Jürgen Turay erläuterte Landrat Dr. Christoph Schnaudigel (beide Bildmitte) das aufwendige, aber erfolgreiche Verfahren, um junge Eichen zu stattlichen Bäumen heranzuziehen. Bürgermeister-Stellvertreter Bernhard Steltz und Bürgermeister Tony Löffler (3. und 4. von links) wissen die Arbeit der Forstverwaltung zu schätzen.

Kreis Karlsruhe. „Was wir hier sehen, ist einzigartig in Baden-Württemberg“. Mit diesen Worten begrüßte Bernd Schneble, Leiter des Forstbezirks Ost, Landrat Dr. Christoph Schnaudigel. Dieser war am vergangenen Dienstag gemeinsam mit Bürgermeister Tony Löffler von Ubstadt-Weiher und Bürgermeister-Stellvertreter Bernhard Steltz aus Bad Schönborn vor Ort im Forstbezirk Ost, um sich über das Vorzeigeprojekt der Eichennaturverjüngung zu informieren und aktuelle Forstthemen zu diskutieren.

„Eichen sind prädestiniert für unser Gebiet, ihnen können die langen Feuchtperioden und Trockenphasen wie zum Beispiel in diesem Sommer aufgrund des tiefen Wurzelwerks weniger anhaben als anderen Baumarten. Dennoch werden sie von schneller wachsenden Baumarten wie der Hainbuche, die ihnen dann das notwendige Licht wegnehmen, verdrängt, wenn wir sie nicht entsprechend pflegen“, erläuterte der Revierleiter von Ubstadt-Weiher, Florian Fiedler, die Voraussetzungen. Was Pflege in diesem Fall bedeutet, demonstrierten einige Forstwirte vor Ort am Beispiel in Ubstadt-Weiher: Um für ausreichenden Lichteinfall zu sorgen, muss zuerst eine große Waldfläche vorbereitet werden, d.h. Bäume und Büsche müssen weichen. Wenn von den umliegenden Eichen nach einem guten Jahr dann genügend Eicheln am Boden liegen, treiben diese aus und es entstehen Millionen von jungen Bäumen. „Im Gegensatz zu der Eichenkultur, bei der junge Bäume in entsprechenden Abständen gepflanzt werden, ist bei der Naturverjüngung die Zahl der Eichen um ein Vielfaches höher und der Verbiss von Rehwild dadurch nicht mehr so dramatisch. Außerdem können die Eichen bei der Naturverjüngung ungestört ihre Wurzeln ausbilden und haben zudem eine größere genetische Vielfalt, so dass gesichert ist, dass sich der fitteste durchsetzen wird. Wir müssen dabei insofern unterstützen, indem die Forstwirte die heranwachsenden Mini-Eichen in akribischer Handarbeit von umliegenden Konkurrenten befreien. Diese Pflegemaßnahmen sind rund fünf Jahre erforderlich, dann können die Bäume aufgrund des Höhenvorsprungs sich selbst überlassen bleiben“, erläuterte Schneble den Ablauf. „Dieser Aufwand lohnt sich, denn so erreichen wir einen Bestand mit qualitativ hochwertigen Eichen“, berichtete Forstamtsleiter Dr. Bernhard Peichl.

An einem weiteren Beispiel in Bad Schönborn zeigten die Forstleute, welche Erfahrungen sie bei der Eichennaturverjüngung auf einer kleinräumigen Fläche gewonnen haben. „Da es weniger Bäume sind, müssen wir einen Zaun ziehen, um sie vor Rehverbiss zu schützen. Durch die Kleinräumigkeit bekommen die Eichen weniger Licht, sie wachsen dadurch langsamer und müssen länger gepflegt werden“, berichtete Schneble. Er danke den Gemeinden Bad Schönborn und Ubstadt-Weiher, dass sie diesen Projekten zugestimmt haben, aus denen die Forstverwaltung laufend wichtige Erkenntnisse für die künftige Bewirtschaftung zieht.

Mit dieser traditionellen Eichenbewirtschaftung wird den vielfältigen Interessen, die mit dem Wald verknüpft sind, Rechnung getragen: das Verfahren steht im Einklang mit dem Naturschutz, es kommt der Industrie und den privaten Holzerwerbern zu Gute und trägt zudem noch zu der Erholungsfunktion bei, da die Vielfalt des Waldbestandes erhalten bleibt.

Welches Interesse im Einzelfall im Vordergrund steht, bleibt den Eigentümern des Waldbezirks überlassen. So setzt die Gemeinde Bad Schönborn als eine der wenigen im Landkreis ihre Priorität auf die Erholungsfunktion, um der Bevölkerung und den Kurgästen entgegenzukommen. In Ubstadt-Weiher hat nach Aussage von Bürgermeister Tony Löffler das Nebeneinander zwischen Joggern, Jägern und auch Holzerwerbern immer gut funktioniert. Beide bedankten sich bei den Mitarbeitern des Forstes für die bestens funktionierende Zusammenarbeit und die kompetente Beratung in Forstfragen. Dies freute Landrat Dr. Christoph Schnaudigel, der den Gemeinden weiterhin die Unterstützung der Forstverwaltung des Landkreises zusicherte, auch wenn aufgrund der Entscheidung des Bundeskartellamtes einige Veränderungen im Bereich der Forstverwaltung anstehen.

Bildtext: So sieht Eichennaturverjüngung aus: Forstwirt Jürgen Turay erläuterte Landrat Dr. Christoph Schnaudigel (beide Bildmitte) das aufwendige, aber erfolgreiche Verfahren, um junge Eichen zu stattlichen Bäumen heranzuziehen. Bürgermeister-Stellvertreter Bernhard Steltz und Bürgermeister Tony Löffler (3. und 4. von links) wissen die Arbeit der Forstverwaltung zu schätzen.

Medien-Information Landkreis Karlsruhe

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