Diskussion um grüne Moschee in Bretten geht auf die Zielgerade

Diskussion um grüne Moschee in Bretten geht auf die Zielgerade
Gut besucht: Die zweite Bürgerinformationsveranstaltung

Neues zur Standortfrage zum geplanten Neubau der grünen Moschee in Bretten

Auf der zweiten Bürgerinformationsveranstaltung wurden erneut Ängste und Zweifel laut

Eigentlich könnte es ganz einfach sein. Die muslimische Gemeinde der Grünen Moschee in Bretten hat zu wenig Platz in Ihrem Gotteshaus und will deshalb entweder anbauen oder neu bauen. Gemeinsam mit der Stadt Bretten wurden also mehrere mögliche Standorte für einen solchen Neubau gesucht und auch gefunden. Bei einem solch großen Bauvorhaben müssen naturgemäß aber viele Stimmen gehört und Meinungen berücksichtigt werden. Genau hier fängt es an kompliziert zu werden. Denn es gibt eben nicht nur die sachliche Sichtweise die sich mit Normen, Regeln und Bauvorschriften zufrieden gibt – Nein, es gibt auch eine emotionale Seite. Eine Seite auf der Ängste, Befürchtungen und Sorgen stehen. So mag es kaum verwundern dass seit den ersten Überlegungen zum Moscheebau, bis heute schon viele Jahre ins Land gezogen sind.

Diskussion um grüne Moschee in Bretten geht auf die Zielgerade
Oberbürgermeister Martin Wolff und Stadtplaner Ulrich Braun

Betrachtet man die Gesellschaft einer Stadt als eine Variante kleineren Maßstabes der bundesweiten Bevölkerung, so findet man auch in Bretten all ihre typischen Vertreter. Die Befürworter, die Kritiker, die Ängstlichen, die Empörten, die Liberalen, und und und…  Wie vielfältig die Meinungen zum geplanten Moscheebau ausfallen, konnte man am Dienstag-Abend auf der zweiten Bürgerinformationsveranstaltung in der Stadtparkhalle eindrücklich erleben. Oberbürgermeister Martin Wolff, Stadtplaner Ulrich Braun und Moschee-Architekt Sarikan erläuterten die 4 möglichen Standorte des geplanten Neubaus. Diese wären: das Areal vor der ehemaligen Bußgeldstelle in der Hermann-Beuttenmüller-Straße, das Gelände direkt dahinter im Gleisdreieck, das Areal nahe der alten Trafostation am Ortsausgang Richtung Pforzheim und das Blusch-Areal.

Die 3 wahrscheinlichsten Standorte: 

Diskussion um grüne Moschee in Bretten geht in die Zielgerade
Hermann-Beuttenmüller-Straße NORD hinter der ehemaligen Landesbußgeldstelle
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Hermann-Beuttenmüller-Straße SÜD vor der ehemaligen Landesbußgeldstelle
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Ortsausgang nach Pforzheim am alten Trafohaus

 

Diskutiert werden müssen noch die Anforderungen an Grundstück, Größe, Gestaltung, den Standort und das städtebauliche Einfügen ins Gesamtbild.

Moschee Bretten Entwurf
So könnte die Moschee in Bretten aussehen. Entwurf des Architekten Sarikan

Der Architekt der Grünen Moschee Gemeinde präsentierte anschließend den überarbeiteten Entwurf des Gotteshauses. Modern fällt er aus, lichtdurchflutet und mit einer mehrstufigen Front. Die Kantenlänge soll 28 Meter betragen, genau wie die Höhe des Minaretts. Soweit der faktenorientierte Teil des Abends. Es folgte ein eindrucksvolles Statement von Metin Özdemir, Vorstandssprecher der Grünen Moschee,  zu den Terroranschlägen von Paris. Er verurteilte die Gewalttat aufs Schärfste und sprach sich für den Dialog und ein friedliches Miteinander der verschiedenen Religionen aus. Ein Zeichen das mit tosendem Applaus in der gut gefüllten Stadtparkhalle geehrt wurde.

Das längst nicht alle Zweifel ausgeräumt wurden, zeigte der anschließende „Fragen und Antwort“ -Teil des Abends. Dutzende Brettener Bürger und Bürgerinnen meldeten sich zu Wort. Es kamen Fragen auf wie die geplante Moschee-Größe in Relation zu christlichen Gotteshäusern in Bretten stünde oder wie die muslimische Gemeinde die Finanzierung stemmen könne. Dazu kamen lange Statements die teilweise schon fast an politische Manifeste erinnerten. Eine junge Frau verlas einen Appel zu mehr Toleranz in unserer Gesellschaft, ein Mann glaubte die anwesenden Muslime mit kritischen Fragen zu Koransuren konfrontieren zu müssen und verurteilte zudem die Geschlechtertrennung in der Moschee. Den letzten Punkt konnte eine Muslimin aus dem Publikum elegant entschärfen, indem sie feststellte dass Männer sich kaum aufs Beten konzentrieren könnten, wenn vor Ihnen die rückwärtige Ansicht einer Frau aufragte. Eine schlagfertige Antwort die Ihr donnernden und anerkennenden Beifall einbrachte. (Töne am Ende des Artikels!)

Nach zweieinhalb Stunden versiegte die bis dahin sprudelnde Quelle der Fragen allmählich, so dass Oberbürgermeister Martin Wolff frei nach Brettens Evergreen-Promi Philipp Melanchthon schließen konnte: Wir sind geboren um miteinander zu reden und im Dialog zu bleiben. Nun ist erstmal der Gemeinderat dran: Am 27. Januar wird er über die Standortfrage entscheiden. Es bleibt die Hoffnung dass danach alles seinen Weg gehen kann und die Zukunft bestätigen möge: S´wird nix so heiß g´gässe wie´s g´kocht werd.

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Diskussion um grüne Moschee in Bretten geht auf die Zielgerade

Hier noch einige Höreindrücke des Abends zur Auswahl:

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