Die Katzokalypse

Gekommen um zu bleiben….

Invasion der Fellnasen

Katzen sind eine feine Sache. Kuschelig, sauber und meistens recht lautlos. Viele Menschen unterhalten zu diesen Tieren ein Verhältnis, das man als dezent übertrieben bezeichnen könnte. Bei ihnen schläft die Muschi im Bett und wird mit gedünsteter Kalbsleber bekocht, während der eigene Nachwuchs ne Büchse Ravioli nach der Schule serviert bekommt. Als Aussiedler sehe ich Katzen da um einiges pragmatischer. Es sind verdammt gute Jäger und halten Mäuse und Co. hervorragend von Garten, Haus und Scheune fern. Im Gegenzug revanchiere ich mich mit freier Kost und Logis – eine echte Win-Win-Situation. Es gibt dabei nur ein Problem! Katzen pflanzen sich wie die Karnickel fort. Würden Akademikerinnen in meiner Scheune leben, würden diese wenn überhaupt mit Mitte 40 einen Stammeshalter gebären – bei Katzen ist das leider anders. Immer wieder gesellen sich zu unserer sterilisierten Hofkatzen-Crew ein paar wilde Kollegen und werfen in irgendwelchen versteckten Winkeln fröhlich ein Bataillon nach dem anderen. Da dieses Prinzip leider exponentiell greift, hatten wir schon Situationen in denen plötzlich 15 Katzen und mehr auf dem Hof herumtollten. Diese wilden Kollegen oder viel mehr Kolleginnen verdanken wir dem älteren Paar vom Nachbargrundstück, dass monatlich hunderte Euro in die Fütterung der Streuner investiert hat. Dieses tägliche All you can eat – Special hat sich in der Katzen-Szene schnell herumgesprochen und führte zu langen Warteschlangen vor dem Küchenfenster der eigentlich sehr liebenswerten Nachbars-Oma.

Irgendwann kam es aber wie es kommen musste und das alte Ehepaar von nebenan zog ins Altersheim um. Zurück blieben ein leeres Haus und eine Fantastilliarde Katzen. Wohin die meisten übergesiedelt sind, dürften Sie längst erraten haben. Unsere Kapazitäten kamen mit dem Ansturm natürlich nicht klar und so stand schnell fest, dass etwas passieren muss. Wir gingen unsere Optionen durch… Möglichkeit A: Wir fangen alle Katzen ein und transportieren sie mit dem Tieflader ins Altersheim zu den verzogenen Nachbarn. Möglichkeit B: Wir ziehen um und fackeln das Haus ab. Möglichkeit C: Katze soll ja wie Hühnchen schmecken…. Letztendlich entscheiden wir uns für Möglichkeit D und meldeten uns bei den Profis vom Bruchsaler Tierschutzverein, wo wir schon seit Jahren Mitglied sind. Hier wurde uns sogleich geholfen und wir handelten einen Deal aus. Wenn die Katzen auf dem Hof bleiben dürften, kümmere sich der Verein um die Kosten der Sterilisationen. Für uns war das mehr als fair – wilde Katzen lassen sich nicht mehr zähmen und damit vermitteln, daher wollten wir nicht verantworten die Tiere für den Rest ihrer Tage im Tierheim zu wissen. Platz hatten wir genug, doch mehr Katzen durften es definitiv nicht mehr werden. Also borgten wir uns eine stattliche Anzahl an Lebendfallen und stellten diese in der Scheune auf. Am nächsten Morgen saßen acht angepisste Stalltiger hinter Gittern – ich sage nur: Wenn Blicke töten könnten. Der Verein vermittelte uns einen sehr netten Tierarzt in Bad Schönborn, der bereit war alle frisch gebackenen Käfig-Insassen ihrer Mannes bzw. Weibeskraft zu berauben. Noch am selben Tag brachten wir die Katzen zur OP und holten Sie am Nachmittag wieder ab. Am nächsten Morgen wurden die Käfige wieder geöffnet und – mit bloßem Auge kaum wahrnehmbar – entwichen daraus behaarte Blitze mit annähernd Lichtgeschwindigkeit.

Heute – viele Monate später – hat sich das Hofleben wieder beruhigt. Viele der Katzen sind noch hier, schlafen weiter im Stroh und tun sich an einer erlesenen Mischung aus selbsterlegtem Getier und Aldi-Katzenfutter von ihren menschlichen Gönnern gütlich. Manche der wilden Geister sind wieder abgewandert, neue sind glücklicherweise noch nicht dazu gekommen. Die Katzokalypse wurde in letzter Sekunde abgewendet. Unser Dank daher an den Tierschutzverein, den gutmütigen Doc und alle tierlieben Menschen die sich für die Vierbeiner einsetzen. Ich glaube, heute lösche ich nun das Youtube-Video „Katzenkastration – Do it yourself“ wieder aus meinen Browser-Favoriten. Gut, dass es Profis gibt.

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