Die Hilde, die Monja und Ich – Als Ulrich den Dinkel-Code knackte

DSC06595Angefangen hat alles mit dem Ende. Es war das Jahr 2006 als das Haus Nr. 67 in der Brettener Melanchthonstraße in Flammen aufging. Ulrich Autenrieth und seine Frau Monja verloren damals alles – die Wohnung, die Backstube und sogar ihr Hund verbrannte bei lebendigem Leibe. Nach einem solchen Schock steht die Welt erst einmal still – lähmendes Entsetzen und die große Frage: Wie soll es weitergehen? Monja begibt sich auf der Suche nach einer Antwort in das Hildegard von Bingen Kloster, wo – um im Bäcker-Jargon zu bleiben – das erste Saatkorn ihrer beruflichen Zukunft aufkeimte. Dem Bäckerhandwerk treu zu bleiben, das steht für die Autenrieths außer Frage – immerhin ist dies eine Familientradition seit 1828. Ulrich macht unterdessen ganz stoisch einfach weiter. Sanieren, Renovieren und weiter im Text, oder wie der Hesse sagt: Mund abbuzze – weidermache!

Als Monja aus dem Kloster zurückkehrt ist sie schwanger – schwanger mit einer Idee, die sie nicht mehr loslässt. Was wäre, wenn die Bäckerei Autenrieth künftig nur noch Dinkel in ihrer Backstube verarbeiten würde? Woher sie die Idee hat, ist klar. Im Hildegard von Bingen-Kloster hat sie natürlich vieles über die Benediktinerin, Namensgeberin und Universalgelehrte erfahren – inklusive Ihrer Verehrung des Urgetreides Dinkel. Ein Original-Zitat von Hildegard: “Dinkel ist das beste Getreide, fettig und kraftvoll und leichter verträglich als alle anderen Körner. Es verschafft dem, der es isst ein rechtes Fleisch und bereitet ihm gutes Blut. Die Seele des Menschen macht er froh und voll Heiterkeit. Und wie immer zubereitet man ihn isst, sei es als Brot, sei es als andere Speise, ist er gut und lieblich und süß.”

Nun ist nicht jede wissenschaftliche Weisheit aus vergangenen Tagen heute noch haltbar – man nehme den Aderlass oder die Schädelform-Forschung als Beispiel. Doch Dinkel schneidet auch in der Gegenwart erstaunlich gut ab – eine Internetrecherche vermag in jedem Fall nicht viel Negatives an den Tag zu bringen – ganz im Gegenteil.

Monja Autenrieth ist in jedem Fall Feuer und Flamme für den Dinkel. Sie versucht Ihren Mann davon zu überzeugen und  wirkt in den kommenden Monaten immer wieder sanft auf Ihn ein – erfolgreich. Auch Ulrich steckt sich mit dem Dinkel-Fieber an und beginnt in der Backstube damit zu experimentieren. Mit Dinkelmehl schmackhafte Backwaren zu erschaffen, ist nämlich alles andere als leicht. Es braucht tatsächlich gute fünf Jahre bis Ulrich sicher ist: Ich habe den Dinkel-Code geknackt! Übrigens ein Originalzitat!

2012 wurde also aus der Bäckerei Autenrieth – die Dinkelbäckerei Autenrieth. Ein gewagter Schritt! Die alten Kunden sprangen scharenweise ab, nichts war mehr wie früher. Doch das Konzept ging auf. Neue Kunden wurden auf die Bäckerei aufmerksam – viele davon kommen von weit außerhalb Brettens. Heute steht die Bäckerei besser da, als jemals zuvor. Sogar Johan Lafer und das ZDF wurden auf die Autenriehts aufmerksam. Mit seiner Dinkel-Linzertorte steht Ulrich derzeit in der Auswahl für „den besten Bäcker Deutschlands“. Ob er diesen Titel nach Bretten holt, können Sie sich ansehen – am Donnerstag, den 16. Oktober um 15.05 Uhr im ZDF.

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