Die bewegte Reise des Gondelsheimer Friedrichsbrunnen

Der Brunnen an seinem ersten Standort
Der Brunnen an seinem ersten Standort

Ein Kleinod der Vergangenheit erstrahlt in neuem Glanz

113 Jahre hat der kleine Brunnen in der Kraichgau-Gemeinde Gondelsheim zwischenzeitlich auf dem sandsteinernen Buckel und teilte bis vor kurzem das Schicksal, von so vielem was heimlich, still und leise alt geworden war. Denn obwohl er bereits seit 1965 an seiner jetzigen Position im Herzen Gondelsheims steht, beachtete ihn kaum noch irgendjemand. Mittendrin und doch nicht mehr Teil des Ganzen – ein trauriges Schicksal für eine Institution die dem Dorf einst über schwierige Zeiten hinweg geholfen hat. Denn in jener Zeit als das 20. das 19. Jahrhundert ablöste, gab es noch keine reguläre Trinkwasser-Versorgung auf den Dörfern. Die Menschen gruben sich eigene Brunnen, welche aber selten tief genug waren und häufig nur Wasser schlechter Qualität förderten. In der Folge breiteten sich Krankheiten in Windeseile aus und die Kindersterblichkeit erreichte für uns kaum noch vorstellbare Ausmaße. Dies alles änderte sich in Gondelsheim als um 1903 das Dorf an die zentralen Wasserleitungen angeschlossen wurde. Anlässlich dieser damals großen Errungenschaft, welche für uns heute selbstverständlich erscheint, wurde der Friedrichsbrunnen im gleichen Jahr am Brunnenberg errichtet und förderte fortan sauberes Trinkwasser aus den Quellen im nahen Gewann „Bruch“. Sein Name wurde vom damaligen Großherzog Friedrich entliehen – ein großer Staatsmann der ein halbes Jahrhundert lang die Geschicke Badens lenkte.

Markus Rupp und Heinz Rätz am jetzigen Standort
Markus Rupp und Heinz Rätz am jetzigen Standort

Gondelsheim erlebte im letzten Jahrhundert einen andauernden Aufschwung – die Gemeinde wuchs und neue Häuser schossen aus dem Boden. Als zunehmend auch die einfachen Straßen und Wege für den Automobil-Verkehr erschlossen wurden, war der alte Brunnen irgendwann einfach im Weg. Also beschloss die Gemeinde ihn an seiner alten Position abzubauen und direkt an der Ecke des Marktplatzes, dort wo Bahnhofsstraße und Brettener Straße aufeinander treffen, wieder aufzurichten. Dort geriet er schließlich in Vergessenheit und schlummerte Jahrzehnte vor sich hin. Doch in diesem Jahr erlebte der alte Friedrichsbrunnen nun schließlich seinen zweiten Frühling.

Im Frühjahr entschloss sich der Gemeinderat aufgrund einer Initiative des Gondelsheimers Heinz Rätz, einen Steinmetz mit der Restaurierung des historischen Kleinodes zu beauftragen. Zwischenzeitlich ist das Werk vollbracht und der Brunnen erstrahlt wieder in völlig neuem Glanz. Die kleine Wiese hinter dem Brunnen pachtete die Gemeinde und gestaltete mit ihr ein würdiges Umfeld für jenen Kameraden, ohne denen der Ort nicht das wäre, was er heute ist: Eine lebendige und wachsende Gemeinde.

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