Das Gochsheimer Altstadtfest. Der Kraichgau feiert seine Helden

Lassen Sie uns zurückgehen in das Süddeutschland des frühen 16. Jahrhundert. Ungerechtigkeit wurde damals noch wirklich groß geschrieben. Es gab den Adel, Fürsten, Beamten und den Klerus – Sie alle ließen es sich gut gehen und lebten diesen Wohlstand auf dem Rücken des einfachen Mannes, allen voran – des Bauern aus. Dazu kamen für Letztere die extrem hohen Steuerabgaben wie der Großzehnt und der Kleinzehnt auf die meisten der  erwirtschafteten Einkünfte und Erträge. Nicht zu vergessen:  Zölle, Zinsen sowie Fron- und Spanndienste. Von der Leibeigenschaft wollen wir gar nicht erst anfangen…. Himmelschreiendes Unrecht Auf gut deutsch: Die „Oben“ nahmen denen „unten“ immer mehr und ließen Ihnen kaum mehr die Luft zum Leben. Ein System das es auch in unserer Zeit durchaus hier und da noch gibt. Die Unmut, der Zorn und die Wut über diese himmelschreienden Ungerechtigkeiten wuchsen immer weiter an …. und irgendwann ging das Pulverfass hoch. Es begann eine Bewegung die in die Geschichte als  „Deutscher Bauernkrieg“ oder auch „Revolution des gemeinen Mannes“ eingehen sollte.

Die Zwölf Artikel gehören zu den Forderungen, die die Bauern im deutschen Bauernkrieg 1525 in Memmingen gegenüber dem Schwäbischen Bund erhoben. Sie gelten als die erste Niederschrift von Menschen- und Freiheitsrechten in Europa,
Die Zwölf Artikel (Wikipedia)

Eine der Schlüsselfiguren der Bauernaufstände im Kraichgau war der Eppinger Kaplan Anton Eisenhut. Im April 1525 schloss er sich den aufständischen Bauern an und besetzte mit Ihnen zuerst Stuttgart. Am 5. Mai reiste er dann nach Gochsheim weiter und wandte sich an die Kraichgauer Bauern. Er forderte sie auf, nach Gochsheim zu kommen, damit das Evangelium und die Gerechtigkeit siegen mögen. Brennende Schlösser und fliehende Fürsten Nun begann ein großer Siegeszug. Menzingen, Münzesheim, Eppingen, Hilsbach und Sinsheim… allerorten wurden Burgen angezündet und die Häuser der Reichen geplündert. Jedoch hat diese Geschichte kein Happy End. Die Bauern ergaben sich der Übermacht der gegnerischen Heere und Anton Eisenhut wurde vom Fürsten in Bruchsal im wahrsten Sinne des Wortes einen Kopf kürzer gemacht. Noch heute feiern die Gochsheimer aber jenen Mann, der es gewagt hatte einen nahezu aussichtslosen Kampf zu führen und für Freiheit und Gerechtigkeit einzustehen. Auf dem Gochsheimer Altstadtfest wird jedes Jahr die Geschichte wieder lebendig. Wir waren beim Festauftakt dabei – die schönsten Bilder sehen Sie hier:

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