BUND fordert Schutz vor radioaktiver Strahlung bei Kraftwerk-Rückbau

BUND fordert Schutz vor radioaktiver Strahlung bei Kraftwerk-RückbauAbriss des Atomkraftwerks Philippsburg 1

Schutz vor radioaktiver Strahlung muss oberste Priorität haben. Bürgerinnen und Bürger zeigen sich besorgt und reichen Einwendungen ein.

Stuttgart. Der Landesverband Baden-Württemberg des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat am 15. April dem Umweltministerium in Stuttgart 1927 Einwendungen zum geplanten Abriss von Block 1 des Atomkraftwerks in Philippsburg (KKP 1) übergeben. Das Umweltministerium entscheidet als Atomaufsichtsbehörde in den kommenden Monaten über die von der EnBW Kernkraft GmbH gestellten Anträge zum Rückbau des Atomreaktors. Der BUND, Bürgerinnen und Bürger zeigen sich über das geplante Vorgehen besorgt und fordern: Der Schutz vor radioaktiver Strahlung muss oberste Priorität haben.

„Die hohe Zahl der Einwendungen zeigt: Die Bürgerinnen und Bürger sind besorgt, dass beim Abriss Radioaktivität freigesetzt wird. Die Strahlenbelastung muss so gering wie möglich gehalten werden. Daher fordern wir, dass für jeden Verfahrensschritt kostenunabhängig die umweltschonendste Alternative bestimmt und für den Abriss gewählt wird“, fordert die BUND Landesgeschäftsführerin Sylvia Pilarsky-Grosch. Der BUND Baden-Württemberg begrüßt ausdrücklich die endgültige Abschaltung des Atomreaktors und mahnt zugleich: Radioaktivität lässt sich nicht einfach abschalten. Denn die Anlagenteile und Reststoffe aus dem Atomkraftwerk strahlen weiter, egal, wo sie gelagert werden. „Die derzeitige Praxis der Herausgabe und das Freimessen von strahlendem Abrissmaterial lehnen wir ab. Zudem fehlen ein Konzept sowie die Angaben zum langfristigen Umgang mit radioaktiven Abfällen und ein radiologisches Gesamtkataster“, erklärt Harry Block, Mitglied des Regionalvorstands und Atomkraft-Experte im BUND-Regionalverband Mittlerer Oberrhein.

EnBW scheut Öffentlichkeitsbeteiligung

Notwendig für den Rückbau des Atomreaktors ist die Errichtung eines Reststoffbearbeitungszentrums (RBZ). Hiermit werden die demontierten Anlagenteile dekontaminiert, zerkleinert und konditioniert. Außerdem ist ein zusätzliches Standortabfalllager für radioaktive Abfälle notwendig. Bislang sind solche neuen Atomanlagen nicht Teil des Antrags auf Stilllegung und Abriss. Die EnBW will diese in eigenen Verfahren, ohne Beteiligung der Öffentlichkeit genehmigen lassen. Der Energieversorger begründet dies damit, dass von diesen Atomanlagen keine erheblichen negativen Umweltauswirkungen ausgingen. „Das ist skandalös“, ärgert sich Harry Block über das Vorgehen des Kraftwerksbetreibers und fordert: „Die Öffentlichkeit muss während des gesamten Rückbauverfahrens umfassend informiert werden.“ (PM)

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