BUND-Protest gegen Atomkraftwerk Philippsburg vor der EnBW-Zentrale

2014-07-23 Mahnwache vor EnBW
Gudrun Vangermain und Harry Block

Nein zum Antrag der EnBW zur Wasserentnahme und Einleitung belasteten Kühlwassers in den Rhein

Am 30. Juli 2014 findet im Landratsamt Karlsruhe die Erörterung des Antrags der EnBW auf Entnahme und Wiedereinleitung erwärmten Kühlwassers in den Rhein statt. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat fristgerecht Einwendungen gegen diese Maßnahme erhoben. Die Einwendungen werden in nichtöffentlicher Sitzung am oben genannten Termin erörtert. Um die Inhalte des Verfahrens auch der Öffentlichkeit bekannt zu machen, hält das Anti-Atom-Netzwerk Karlsruhe vom 23. bis zum 29. Juli 2014 vor der Hauptverwaltung der EnBW in der Durlacher Allee jeweils eine einstündige Mahnwache zwischen 12 und 13 Uhr ab.
Die Kernforderung des Anti-Atom-Netzwerks Karlsruhe, die sofortige Stilllegung auch von Block 2, spielt dabei in mehrfacher Hinsicht eine Rolle:

Das Risiko eines GAUs oder Super-GAUs besteht während des noch für noch mehr als fünf Jahre geplanten Leistungsbetriebs des Atommeilers Philippsburg 2 weiter. Als Folge müssten große Teile der dicht besiedelten Region am Oberrhein evakuiert werden und wären für lange Zeit unbewohnbar.

Durch den Betrieb des Atomkraftwerks Philippsburg wird laufend weiterer hoch radioaktiver Müll produziert ohne dass ein Konzept für eine langfristige Lagerung vorliegt.

Das AKW liegt nur 25 km von Heidelberg und 30 km von Karlsruhe in der Mitte zweier dicht besiedelter Ballungsräume und neben dem Verkehrslandeplatz Speyer/Ludwigshafen

Der gemäß Plan der EnBW bis Ende 2019 betriebene Block 2 des AKW Philippsburg hat eine Reaktorleistung von 3.950 Megawatt (MW). Er hat eine elektrische Leistung von 1.468 MW. Die Restwärme von 2.482 MW muss als Abwärme entweder auf dem Luft- oder dem Wasserpfad abgeben werden. Die Entnahme wird zwar im von der EnBW vorgelegten Antrag reduziert, da Block 1 stillgelegt ist und sich in der Nachbetriebsphase befindet, es müssen aber für Block 2 immer noch pro Sekunde 65 Kubikmeter Wasser bzw. über 161 Millionen Liter Wasser pro Stunde über den Baggersee Weisenburger und Ertel entnommen werden.

Nein zum Antrag der EnBW zur Wasserentnahme und Einleitung belasteten Kühlwassers in den Rhein:
Je nach Betriebsart wird bei so genannter Durchlaufkühlung die gleiche, bei Mischkühlung (d.h. Wasserabgabe in Rhein und über Kühlturm) eine entsprechend reduzierte Wassermenge erwärmt in den Rhein abgegeben. In diesem ‚Abwasser‘ befindet sich auch mit Radioaktivität belastetes Wasser, sogenanntes radioaktives Abwasser, welches nach Freimessung (d.h. es wird beispielsweise so lange mit Frischwasser verdünnt, bis der Grenzwert eingehalten werden kann) in den Rhein abgegeben wird.

Wir fordern, dass vor allem das radioaktive Isotop Tritium durch technische Maßnahmen vollständig aus dem Abwasser entfernt wird. Ab Köln rheinabwärts wird Rheinwasser als Uferfiltrat zu Trinkwasserzwecken genutzt. Deshalb lehnen wir die Einleitung des belasteten und erwärmten Kühlwassers in den Rhein ab.

Die Fischabwehreinrichtung im Einlaufbauwerk des Atomkraftwerks Philippsburg entspricht nicht dem heute möglichen Standard (wie beispielsweise beim Kohlekraftwerk RDK 8 in Karlsruhe – erreicht gerade auch durch unsere damaligen Einwendungen). Es kommt damit zur Tötung einer besonders hohen Zahl an Tieren. Die EnBW beantragt deshalb eine Ausnahmegenehmigung gemäß § 45 Abs. 7 BNatSchG, weil die Verletzung bzw. Tötung von geschützten Arten wie Aal, Bachneunauge, Flussneunauge und Meerneunauge zu erwarten ist. Sie sind besonders geschützt, und da ihre Tötung mit der am Ort befindlichen Abwehreinrichtung nicht auszuschließen ist, lehnen wir die Ausnahmegenehmigung und damit die Entnahme des Wassers ab.

Würde das Atomkraftwerk Philippsburg endlich komplett abgeschaltet (Block 2 wie Block 1), so reduzierten sich die Entnahme- und Einleitmengen um über 90 %. Das ist das Ziel des Anti-Atom-Netzwerks Karlsruhe. Die dann noch immer negativen Auswirkungen auf Mensch, Flora und Fauna durch die Wasserentnahme wären dann voraussichtlich als noch hinnehmbar anzusehen.

Unter dem Arbeitstitel Anti-Atom-Netzwerk KA haben sich Anti-Atom Gruppe Karlsruhe, Atom Stopp Karlsruhe, Bruhrainer Bürger für eine atomfreie Zukunft (BBAFZ) Philippsburg, BUZO, BUND Regionalverband Mittlerer Oberrhein, BI Müll und Umwelt zusammengefunden, um Stilllegung und Abriss der Atommeiler von Philippsburg kritisch zu begleiten und sich dafür einzusetzen, dass der Schutz von Mensch und Umwelt – gerade gegenüber wirtschaftlichen Aspekten – höchste Priorität erhält.

Presseinformation BUND vom 24.07.2014

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