Bruchsaler Kriegsschrott soll als Kunstwerk Geschichte erzählen

Mannshoch hat sich der Schrotthaufen auf dem Messplatz aufgetürmt. Die Überreste lagerten über 60 Jahre im Erdreich und erzählen eine besondere Geschichte. Sie handelt vom alliierten Luftangriff am 1. März 1945, von der anschließenden Trümmerbeseitigung der völlig zerstörten Bruchsaler Innenstadt und vom Aufräumen des Messplatz-Entwicklungsareals im Jahr 2014.  Im Rahmen des Projektes Bahnstadt hat der Gemeinderat der Stadt Bruchsal entschieden auf dem Messplatz ein modernes Wohnquartier zu entwickeln. In diesem Zusammenhang ist eine Untersuchung des Untergrundes veranlasst worden. Da das Areal vor 1945 noch nicht entwickelt war, hat die Bevölkerung die Bombenkrater genutzt, um die Überreste des Luftangriffes dort abzulagern. Auch aufgrund dieser Historie ist das Gelände in den Folgejahren keiner hochwertigen Nutzung zugeführt worden. Dafür wurde die Messplatz-Freifläche für den Bruchsaler Jahrmarkt, diverse Flohmarkte und für Zirkusaufführungen genutzt. Über 60 Jahre nach dem historischen Bombardement soll nun die letzte Bruchsaler Nachkriegswunde im Zentrum der Stadt geschlossen werden. Dies wird jedoch erst möglich, nachdem der Kampfmittelsuchdienst das Areal überprüft und als kampfmittelfrei gemeldet hat. Für große Teile ist das nun bereits erfolgt. Zum Glück sind keine schweren Bomben zutage gefördert worden. Zu den Fundstücken zählen drei nicht detonierte Stabbrandbomben sowie eine Phosphorbombe. Haufenweise wurde jedoch aus den sogenannten Störfeldern Eisenschrott zutage gefördert, der seine ganz eigene Geschichte zu erzählen hat. Dazu zählen Fahrräder, Kübelspritzen und Löscheimer, Milchkannen, durchlöcherte Dachrinnen, Stromkabel, Luftschutzhelme, Kochtöpfe, Reste von Personenkraftwagen, Blitzableiter, Badewannen, aber auch Schilder und Emailtafeln, die mit ihren Aufschriften an das Dritte Reiches erinnern.

Messplatz-Kriegsschrott
Die Aufräumarbeiten auf dem Messplatz haben Gegenstände ans Tageslicht befördert, die einen wichtigen Teil Bruchsaler Stadtgeschichte dokumentiert. Nicole Gramlich, Abteilung Kultur der Stadt Bruchsal, Stadtrat Jürgen Schmitt und Tom Naumann (von links), Leiter der Kunstschule Bruchsal, begutachten die Überreste. Foto: pa

Stadtrat Jürgen Schmitt ist schließlich auf die Stadtverwaltung zugekommen und hat darauf aufmerksam gemacht, dass nicht nur der freigeräumte Messplatz einen Mehrwehrt für die Stadt Bruchsal darstellt, sondern auch die Weltkriegsüberreste: „Sie sind ein wichtiger Teil unserer Stadtgeschichte und erinnern an die Zerstörung, aber auch den Wiederaufbau der Stadt durch unsere Eltern und Großeltern“, so Schmitt, der mit seinem Vorschlag, aus den Vermächtnissen ein Kunstwerk zu erschaffen, bei der Stadtverwaltung auf offene Ohren gestoßen ist. Kulturamtsleiter Thomas Adam hat schließlich den Kontakt mit Tom Naumann, dem Leiter der Bruchsaler Kunstschule hergestellt, der nun nach Möglichkeiten sucht, wie aus den eisenhaltigen Überresten ein aussagekräftiges Kunstwerk entstehen kann, das die Geschichte der Stadt und des Messplatzes dokumentiert. Interessierte Bürgerinnen und Bürger sollen bei der Entwurfsplanung die Möglichkeit zur Mitarbeit erhalten. „Dazu wird ein Workshop mit einem Bildhauer der Musik- und Kunstschule veranstaltet werden“, erklärt Naumann. Ideengeber Schmitt begrüßt diese Überlegungen und wünscht sich vor allem, dass sich auch zahlreiche Jugendliche an dem Workshop beteiligen. „Auf diese Weise wird die Kunst zum Sprachrohr zwischen gestern und heute und vermittelt zwischen Weltgeschichte und lokaler Geschichte“, so Schmitt, für den das Projekt auch deshalb so wichtig ist, weil es der Jugend einen Anreiz bietet, sich über die Kunst mit historischen und politischen Themen zu beschäftigen, zu denen sie oft nur schwer einen Zugang finden. (pa)

 

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