Bruchsal: Jugendlicher bei Versuch auf Güterzug zu springen lebensgefährlich verletzt

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Bahnstrecke zwischen Bruchsal und Bretten vorübergehend gesperrt

Zu einem schrecklichen Unfall kam es am Mittwochabend entlang der Bahnstrecke Bruchsal-Bretten auf Höhe der Bruchsaler Tunnelstraße. Mehrere Anwohner berichteten, dass offenbar zwei Personen nahe des Haltepunktes Tunnelstraße auf einen stehenden Güterzug klettern wollten. Dabei geriet einer der beiden offenbar in Kontakt mit der Oberleitung und wurde durch den entstehenden Lichtbogen aus Starkstrom schwer verletzt. Von der zweiten beobachteten Person fehlt derzeit jede Spur, die Suche läuft. Nach noch nicht bestätigten Informationen soll es sich bei den Personen um Jugendliche handeln. Laut Augenzeugen war der Lichtbogen derart stark, dass er in einem Umkreis von mehreren hundert Metern beobachtet werden konnte.

Durch eine solche Oberleitung fließen 15.000 Volt mit einer Stromstärke von über 1000 Ampere. Die Bundespolizei warnt bereits seit geraumer Zeit online und mit Flyern Jugendlichen vor den Gefahren die sich daraus ergeben können. Leider ist das Erklimmen von Güterzügen durch Jugendliche immer wieder Ursache für oft tödliche Unfälle aufgrund dieses Leichtsinns.

Der Verletzte wurde sofort von den schnell eingetroffenen Rettungskräften per Helikopter in ein Krankenhaus gebracht, über seinen aktuellen Zustand gibt es keine Informationen. Derzeit läuft vor Ort die Unfallaufnahme, die Bahnstrecke zwischen Bruchsal und Bretten wurde aus diesem Grund vorübergehend gesperrt. Weitere Informationen folgen, sobald verfügbar.

Auch die Deutsche Bahn warnt in einem Online-Video Jugendliche vor besagtem, oft tödlich endendem Leichtsinn:

Update 23:20 Uhr – die Polizei hat nun weitere Details zu dem Unfall an der Bruchsaler Haltestelle Tunnelstraße veröffentlicht:

Zu einem Eisenbahnbetriebsunfall mit einer lebensgefährlich verletzten Person kam es am 23.10.2019, gg. 19.51 Uhr, in Bruchsal, Tunnelstraße, dortige Haltestelle. Nach bisherigen Ermittlungen stand zu o. a. Zeitpunkt ein Güterzug an der Haltestelle und wartete auf die Freigabe seiner Weiterfahrt. Der spätere Geschädigte kam mit einem Freund aus einem dortigen Jugendtreff und entschloss sich mit diesem auf den Zug aufzusteigen. Während der Freund absprang, stieg der 16-jährige Geschädigte weiter auf das Dach eines Waggons und wurde durch die Spannung der Oberleitung erfasst. Der Abstand betrug ca. ein Meter. Es entstand ein Lichtbogen und der brennende Geschädigte fiel auf den Bahnsteig. Hier wurde er durch Anwesende gelöscht. Ein dort wohnender Arzt übernahm die Erstversorgung. Nach eintreffen des Notarztes wurde der Geschädigte mit dem Rettungshubschrauber in eine Spezialklinik nach Ludwigshafen verbracht. Bei dem Jugendlichen sind über 50 % der Hautoberfläche verbrannt. Es besteht akute Lebensgegfahr. (ots)

Update: Nun erläutert auch die Bundespolizei den Ablauf des Unfalls in Bruchsal

Mittwochabend gegen 19:45 Uhr ist es am Haltepunkt Bruchsal-Tunnelstraße zu einem schweren Personenunfall gekommen. Nach derzeitigem Stand der Ermittlungen kletterten zwei Jugendliche auf den Kesselwagen eines kurzzeitig haltenden Güterzuges. Hierbei näherte sich ein 16-Jähriger der stromführenden Oberleitung und es kam zu einem Spannungsüberschlag der den jungen Mann schwer verletzte. Der 15-jährige Freund kletterte vorher bereits wieder vom Waggon herunter und blieb unverletzt. Ein Anwohner vernahm aus seiner Wohnung heraus einen lauten Knall und darauf folgende Hilferufe aus Richtung des Haltepunktes. Die daraufhin verständigten Polizei- und Rettungskräfte konnten den jungen Mann im Gleisbett feststellen. Er wurde umgehend medizinisch Erstversorgt und anschließend von einem Rettungshubschrauber in eine Spezialklinik geflogen.

Im Einsatz waren eine Streife der Bundespolizei Karlsruhe, zwei Streifen des Polizeireviers Bruchsal, eine Streife des Polizeireviers Philippsburg 30 Kräfte der Berufsfeuerwehr Bruchsal, ein Notarzt, ein Rettungswagen und ein Rettungshubschrauber, 3 Notfallseelsorger der Stadt Bruchsal sowie ein Notfallmanager der Deutschen Bahn.

Die Strecke zwischen Bruchsal und Bretten war in der Zeit von 20:05 – 21:14 Uhr beidseitig gesperrt. Hierdurch erhielten sieben Züge 209 Minuten Verspätung.

Warum der junge Mann auf den Kesselwagen kletterte ist aktuell Gegenstand der Ermittlungen. Der Zustand wird derzeit als lebensbedrohlich eingestuft.

Aus aktuellem Anlass weist die Bundespolizei nochmals eindringlich auf die Gefährlichkeit dieses Handelns hin. Die Oberleitung hat eine Spannung von 15.000 Volt. Nicht nur das Berühren der Oberleitung mit dem Körper oder mit Gegenständen aller Art, sondern schon die bloße Annäherung ist lebensgefährlich. Die Bundespolizei und auch die Deutsche Bahn AG weisen bereits seit Jahren gezielt durch Präventionsprogramme auf diese unsichtbare Gefahr hin. (ots)

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