Ausflugstipp: Die Titanic läuft in Speyer ein

Die Titanic läuft in Speyer ein. Bildnachweis: ©2010 RMS Titanic, Inc., a subsidiary of Premier Exhibitions, Inc.
Das Wrack der Titanic liegt in 3.800 Metern Tiefe im Nordatlantischen Ozean. Es wurde erst am 31. August 1985, 73 Jahre nach dem Untergang, von Forschern aus den USA und Frankreich gefunden. Bildnachweis: ©2010 RMS Titanic, Inc., a subsidiary of Premier Exhibitions, Inc.

Titanic – Die Ausstellung. Echte Funde, wahre Schicksale 21. Dezember 2014 bis 28. Juni 2015 – Rund 250 originale Fundstücke aus dem gigantischen Passagierschiff Titanic sind ab 21. Dezember 2014 im Historischen Museum der Pfalz Speyer zu sehen.

Bild: Premier Exhibitions, Inc.
Die Ausstattung der Kabinen der Dritten Klasse war weitaus einfacher, verglichen mit der Ersten Klasse. Allerdings bot auch die Dritte Klasse einen gewissen Komfort. Statt in großen Schlafsälen waren die Passagiere in Kabinen für zwei, vier oder acht Personen untergebracht. Bildnachweis: Premier Exhibitions, Inc.

Nach Paris, Amsterdam und Brüssel ist Speyer der erste Ausstellungsort in Deutschland, der diese neu arrangierte Ausstellung mit Originalfunden der Tiefseebergungen präsentiert. Neben historischen Fakten und originalen Objekten laden aufwendige Inszenierungen verschiedener Schiffsbereiche zur Entdeckungsreise in eine vergangene Epoche ein.  Mit der Ausstellung ‚Titanic‘ präsentiert das Historische Museum der Pfalz ein einzigartiges Ausstellungsprojekt. Der Untergang des ‚unsinkbaren Schiffs‘ und der Tod von über 1.500 Menschen in den eisigen Fluten des Nordatlantiks markierte im Jahre 1912 eine Zäsur in vielfältiger Hinsicht. Der menschliche Glaube an die Allmacht der Technik wurde nachhaltig erschüttert. Noch heute, über 100 Jahre später, steht der Name dieses Schiffes für einen Mythos und für eine Tragödie.

Nach umfangreichen Recherchen konnte erst 1985 geklärt werden, wo das zerbrochene Schiffswrack genau zu verorten ist. Im Rahmen der Expeditionen, die zwischen 1987 und 2010 stattfanden, konnten viele Relikte der Katastrophe aus 3.800 Meter Tiefe vom Meeresgrund geborgen werden. Darunter befanden sich, neben Teilen des Schiffswracks, auch ganz private Gegenstände, wie Schuhe, Bekleidungsstücke, Gläser und Geschirr oder kostbare Schmuckstücke.

Wie und warum wurde die Titanic geplant? Wer reiste auf ihr und mit welchem Ziel? Welche Verkettung unglücklicher Umstände und menschlichen Versagens führte zum tragischen Tod von rund 1.500 Passagieren?
Der Beginn des 20. Jahrhunderts war geprägt durch Pioniergeist und Fortschrittssinn, beide beeinflussten den Bau der RMS Titanic als Post-, Transport- und Passagierschiff – das „sicherste“ seiner Zeit. Es sind die vielen persönlichen Schicksale, die sozialen Gegensätze unter den Passagieren, die Verknüpfung von Luxus und Tod sowie der Mythos der „Unsinkbarkeit“, die den Namen der Titanic zum Inbegriff der Katastrophe schlechthin formten.

Das Historische Museum der Pfalz zeigt „Titanic – Die Ausstellung. Echte Funde, wahre Schicksale“ bis zum 28. Juni 2015 in Speyer.

 

Bildnachweis: Premier Exhibitions, Inc.
Auf der Titanic befanden sich Passagierbereiche für Reisende Erster, Zweiter und Dritter Klasse. Bildnachweis: Premier Exhibitions, Inc.

Titanic – Der Mythos

Die Titanic – nach der Arche Noah vielleicht das bekannteste Schiff der Welt – ist von einem beispiellosen Mythos umgeben, der schon unmittelbar nach ihrem Untergang einsetzte und bis heute lebendig geblieben ist. Nun war die Titanic weder völlig einzigartig – ihr Schwesterschiff, die Olympic, mit ähnlich luxuriöser Ausstattung, war nur ein Jahr vor ihr vom Stapel gelaufen. Zudem gab es in den Jahren nach 1912 Schiffsunglücke mit viel höheren Opferzahlen. Keines davon hat sich in vergleichbarer Weise ins kollektive Gedächtnis eingegraben.

Was also hat zu dieser einzigartigen Wahrnehmung beigetragen? Die Titanic, gebaut von der Belfaster Werft Harland & Wolff im Auftrag der britischen Reederei White Star Line, war zur Zeit ihrer Jungfernfahrt das größte Schiff der Welt. Als zweites von drei Schiffen der sogenannten Olympic-Klasse war sie für den regulären Liniendienst zwischen Southampton und New York vorgesehen. Am 10. April 1912 trat sie ihre Jungfernfahrt Richtung New York an, bereits vier Tage später kollidierte sie gegen 23:40 Uhr mit einem Eisberg und sank am 15. April um 2:20 Uhr. Über 1.500 Menschen verloren ihr Leben, nur rund 700 Menschen konnten gerettet werden. Seither ist die Titanic zum Synonym des Schiffsunglücks schlechthin geworden.

Bildnachweis: Premier Exhibitions, Inc.
Die drei Schiffsschrauben der Titanic wurden von Dampfmaschinen mit einer Gesamtleistung von 51.000 PS angetrieben. Bildnachweis: Premier Exhibitions, Inc.

Ihre Erbauung fällt in eine Zeit der Technikbegeisterung und des schier grenzenlosen Fortschrittsglaubens. In die zweite Hälfte des 19. und den Beginn des 20. Jahrhunderts fallen so bahnbrechende Erfindungen und Entdeckungen wie die Elektrizität, die Telegraphie, die Röntgenstrahlen, das Automobil und das Flugzeug. Bezeichnenderweise war das fin de siècle auch eine Blütezeit der utopischen Zukunftsliteratur, in der Menschen zum Mittelpunkt der Erde oder zum Mond reisen. Nichts schien mehr unmöglich. Die Titanic sollte in dieser Hinsicht nicht nur einen Höhepunkt an Luxus und Komfort darstellen – unter anderem beherbergte sie ein beheiztes Schwimmbad, luxuriöse Suiten in allen erdenklichen Stilrichtungen und elektrische Aufzüge – sondern gleichzeitig die größtmögliche Sicherheit bieten. Dazu besaß das Schiff einen doppelt verstärkten Boden und war in 16 wasserdichte Kompartimente unterteilt, die durch elektrisch ausfahrbare Schotten geschlossen werden konnten. So galt das Schiff als „praktisch unsinkbar“. Umso größer war die Erschütterung, als dieses Wunderwerk der Technik gleich auf seiner allerersten Reise im eisigen Atlantik versank und zwei Drittel der Menschen an Bord mit in den Tod riss.

Bildnachweis: Premier Exhibitions, Inc.
Isidor Straus, US-amerikanischer Geschäftsmann und Politiker, war mit seiner Frau Ida bei der Jungfernfahrt der Titanic ebenfalls an Bord. Straus stammte gebürtig aus Otterberg bei Kaiserslautern. Bildnachweis: Premier Exhibitions, Inc.

Die Jungfernfahrt eines so großen und luxuriösen Schiffes war ein gesellschaftliches Ereignis ersten Ranges und so waren einige der reichsten Menschen der USA – unter ihnen John Jacob Astor, Benjamin Guggenheim oder Isidor Straus – an Bord. Gleichzeitig war die Titanic, wie alle großen Atlantikschiffe dieser Zeit, auch ein Auswandererschiff und stellte in der Schichtung der verschiedenen Klassen an Bord gleichsam einen Mikrokosmos der Gesellschaft dar: Ganz oben die Superreichen in ihren, mit allem erdenklichen Komfort ausgestatteten Suiten und prächtigen Gesellschaftsräumen, darunter die meist bürgerlichen Passagiere der Zweiten Klasse und tief im Bauch des Schiffes die armen Passagiere der Dritten Klasse. Eng verbunden mit der Klassenzugehörigkeit waren die Überlebenschancen der Passagiere: Wer in der Dritten Klasse reiste, hatte kaum eine Chance in eines der wenigen Rettungsboote zu gelangen. Aber auch viele, vor allem männliche Passagiere der Ersten und Zweiten Klasse gehörten zu den Opfern. Dies lag unter anderem an der Umsetzung des sog. „Birkenhead-Drills“, nach der Frauen und Kinder zuerst gerettet werden müssen. Manche der für die Evakuierung zuständigen Besatzungsmitglieder legten diese Regel so radikal aus, dass sie überhaupt keine Männer in die Rettungsboote ließen. Gleichzeitig fühlten sich etliche männliche Passagiere diesem Ehrenkodex so stark verpflichtet, dass sie freiwillig auf eine Rettung verzichteten.

Bild:Premier Exhibitions, Inc.; Foto: Peter Haag-Kirchner
Aufwendige Inszenierungen verschiedener Schiffsbereiche laden zu einer Entdeckungsreise in eine vergangene Epoche ein. Bild:Premier Exhibitions, Inc.; Foto: Peter Haag-Kirchner

In der internationalen Berichterstattung durch die Medien, die innerhalb kürzester Zeit einsetzte, wurde diese emotionale Komponente besonders hervorgehoben. Im Zentrum stand das heroische Verhalten der wohlhabenden Passagiere und der Besatzung, die sich zugunsten der Frauen und Kinder aufopferten. Schon nach wenigen Wochen setzte ein Verherrlichungsprozess ein, in dem versucht wurde, die Tragödie in einen Triumph umzuwandeln – als Beispiel dafür, wie sich der Mensch durch edelmütiges Verhalten über einen Schicksalsschlag erheben kann. So wurde das Unglück immer wieder instrumentalisiert, um ein ganzes Spektrum an konservativen Werten zu bestätigen: In einer Zeit der aufkommenden Rassenunruhen, von Arbeiteraufständen und der Forderung nach einem Wahlrecht für Frauen schienen die dramatischen Umstände des Unglücks die vermeintliche Überlegenheit der anglo-amerikanischen Rasse, die klassische Rollenverteilung zwischen Mann und Frau und die Bedeutung des christlichen Glaubens erneut zu bestätigen. Gleichzeitig wird der Untergang der Titanic als Sinnbild eines untergehenden Zeitalters am Vorabend des Ersten Weltkrieges gedeutet. Manchen Historikern gilt die Katastrophe sogar als Wendepunkt der Geschichte, als Abschied von dem scheinbar unerschütterlichen Glauben in Technik und Fortschritt, der das ausgehende 19. und den Beginn des 20. Jahrhunderts geprägt hatte.

Trotz zweier offizieller Untersuchungen der Umstände des Unglücks konnten viele Details niemals abschließend geklärt werden und sind bis heute Gegenstand von Spekulationen und Verschwörungstheorien. Selbst vermeintlich einfache Fragen, wie die genaue Zahl der Opfer, sind bis heute nicht abschließend beantwortet. Zahllose Romane, Augenzeugenberichte, Gedichte, Bilder, Filme, Musikstücke, Musicals und Sachbücher widmen sich seit mehr als 100 Jahren dem Thema, das durch die Auffindung des Wracks durch Robert Ballard im Jahr 1985 und die spektakuläre Verfilmung durch James Cameron 1997 nochmals neuen Auftrieb erhielt.

Bildnachweis: Premier Exhibitions, Inc.
Bildnachweis: Premier Exhibitions, Inc.

 

Titanic – Daten und Fakten

zusammengestellt von Sabine Kaufmann M.A., stellvertretende Leitung des Ausstellungsprojekts Titanic

Reederei: White Star Line. Das Schiff wurde von Thomas Andrews für die englische Reederei White Star Line entworfen. Bereits 1901 war die White Star Line gemeinsam mit anderen Reedereien von dem amerikanischen Eisenbahnmagnaten John Pierpont Morgan aufgekauft und unter seinem Vorsitz in der Holdinggesellschaft International Mercantile Marine Company (IMM) zusammengefasst worden. Die Titanic und ihre Schwesterschiffe waren als Schiffe eines britischen Unternehmens aber weiterhin in England registriert.

Werft: Harland & Wolff, Belfast

Kiellegung: 31. März 1909

Stapellauf: 31. Mai 1911

Länge: 269,04 m (Länge über alles)

Breite: 28,19 m

Gesamthöhe: 53,33 m (Unterkante Kiel bis Oberkante Schornsteine)

Tiefgang: max. 10,54 m

Vermessung: 46.329 Bruttoregistertonnen. Damit war die Titanic zum Zeitpunkt ihrer Jungfernfahrt das größte Schiff der Welt.

Antrieb und Geschwindigkeit: Drei Schiffsschrauben wurden von Dampfmaschinen mit einer Gesamtleistung von 51.000 PS angetrieben. Die Reisegeschwindigkeit lag bei 21 Knoten, die Höchstgeschwindigkeit bei 23–24 Knoten (ca. 43 km/h). Anders als die Mauretania und die Lusitania der britischen Cunard Line, die mit einer Höchstgeschwindigkeit von 28 Knoten bis 1929 den Geschwindigkeitsrekord im Transatlantikverkehr hielten, setzte die Titanic auf größtmöglichen Luxus und Komfort.

Schornsteine: Die Titanic besaß vier Schornsteine, von denen nur drei dem Rauchabzug für die 29 Kessel dienten. Der vierte Schornstein war eine Attrappe und wurde aus Gründen der Ästhetik hinzugefügt, weil die Schiffe der konkurrierenden Cunard Line ebenfalls über vier Schornsteine verfügten. Er diente nur zur Belüftung von Maschinen- und Küchenräumen.

Kapazität: ca. 3.300 (Passagiere und Crew)

Menschen an Bord während der Jungfernfahrt: ca. 2.200

Rettungsboote: 14 reguläre Rettungsboote, 2 Notfallboote und 4 Faltboote mit einer Gesamtkapazität von 1.178 Personen. Die Anzahl entsprach bzw. übertraf sogar die Vorschrift, die besagte, dass Schiffe über 10.000 Personen 16 Rettungsboote mitzuführen hatten.

Ausstattung: Glanzstück war das große eichenvertäfelte Treppenhaus der Ersten Klasse, das sich über sechs Decks erstreckte und von einer Glaskuppel überwölbt wurde. Weitere Attraktionen waren der prachtvolle Speisesaal für über 500 Passagiere, ein ‚à la Carte‘-Restaurant, ein Café im Stil eines französischen Straßencafés samt Kellnern, ein Türkisches Bad, ein beheiztes Schwimmbecken und ein Fitnessraum. Die luxuriösen Suiten waren in verschiedenen historisierenden Stilrichtungen ausgestattet. Auch die Zweite Klasse bot einen Komfort, wie er auf älteren Schiffen der ersten Klasse entsprochen hätte, unter anderem Kabinen mit eigenem Waschbecken, einen großen Speisesaal, einen Rauchsalon, zwei großzügige Treppenhäuser und einen Fahrstuhl. Die Dritte Klasse war in den tiefer gelegenen Decks sowie nahe am Bug und am Heck untergebracht. Die Ausstattung war einfach, übertraf aber in vielen Fällen noch den Standard dessen, was die wenig begüterten Passagiere der Dritten Klasse von zu Hause gewohnt waren. Neben großen Schlafsälen gab es auch hier Sechs, Vier- und Zweibettkabinen mit Waschgelegenheit.

Material:  Historisches Museum der Pfalz Speyer / Bildnachweise: ©2010 RMS Titanic, Inc., a subsidiary of Premier Exhibitions, Inc. + Peter Haag-Kirchner

Die Titanic läuft in Speyer ein

 

 

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