1. März 1945 – Der Tag an dem das alte Bruchsal starb

Bild: Stadtarchiv Bruchsal
Durch einen massiven Bombenangriff der Alliierten wurden 90 % der Stadt damals zerstört

Bruchsal erinnert an den schicksalshaften 1. März 1945

Das Datum 1. März 1945 hat sich tief in die Erinnerung der Barockstadt Bruchsal eingebrannt. An diesem Tag kamen bei einem schweren Bombenangriff der alliierten Kräfte innerhalb von 40 Minuten rund 1000 Menschen ums Leben. Bei dem massiven Bombardement wurde mit 90% der absolute Großteil der Stadt vollständig zerstört. An diesem schicksalshaften Morgen sammelte sich über den Ärmelkanal bei England ein gigantischer Bomber Verband mit über 1000 Flugzeugen. Ein Teil davon löste sich über dem Festland und nahm von Pfalzgrafenweiler aus direkt Anflug auf Bruchsal.

Bruchsal und sein fremdes Schloss. Alte Aufnahme von 1946 / Bild: Redaktion

Als dieses 41. Bombergeschwader den Luftraum über der Stadt erreicht hatte, begann es damit seine tödliche Fracht abzuwerfen. 1000 Sprengbomben und fast 50.000 Stabbrandbomben gingen über Bruchsal nieder – verwandelten die Stadt in ein brennendes Inferno. Die Sprengbomben hatten dabei die Aufgabe durch die Wucht der Druckwellen die Dächer von den Häusern zu reißen, die Stabbrandbomben wiederum setzten dann die offen liegenden Dachstühle in Brand. Die Flammen breiteten sich schnell in alle Richtungen aus und vernichteten die historische Altstadt Bruchsals binnen Stunden.

Der Bruchsaler Waldemar Zimmermann hat in einem Filmbeitrag auf YouTube die Ereignisse vom 1. März 1945 recherchiert und detailliert aufwändig zusammengestellt. ZUM FILMBEITRAG AUF YOUTUBE

Bild: Stadtarchiv Bruchsal

74 Jahre nach der Kriegszerstörung wird dieses tief einschneidende Ereignis in Bruchsal mit mehreren Veranstaltungen ins Gedächtnis gerufen. Um 13.50 Uhr, zum Zeitpunkt des Luftangriffs, läuten auch in diesem Jahr die Glocken sämtlicher Kirchen, ein Kranz erinnert an der Gedenktafel am Bergfried an die Toten des Luftangriffs. Eine öffentliche Führung zur Stadtgeschichte mit dem Journalisten Rainer Kaufmann veranstaltet die BTMV unter dem Titel „Vergessenes Bruchsal“ um 17 Uhr. Treffpunkt ist am Bergfried, die Teilnahmegebühr beträgt fünf Euro pro Person. Die Führung durch die Bruchsaler Innenstadt und Obervorstadt zeigt Schauplätze oftmals verdrängter und ausgeblendeter Episoden der Bruchsaler Geschichte und thematisiert ihren späteren Umgang damit. Der Tag klingt aus mit einem Gedenkkonzert und Lesungen von Pfarrerin Tanja Dittmar und Oberbürgermeisterin Cornelia Petzold-Schick um 19 Uhr in der Lutherkirche. Barbara Ludwig an der Orgel und die Bezirkskantorei Bretten-Bruchsal unter Leitung von Bärbel Tschochohei bringen das Requiem in d-moll op. 194 für Chor und Orgel von Josef Gabriel Rheinberger, die Motette a capella „Verleih‘ uns Frieden gnädiglich“ von Heinrich Schütz sowie weitere Kompositionen von Flor Peeters und Johannes Antoni zur Aufführung. Das Konzert wird unterstützt vom Orgelbauförderverein der Lutherkirche Bruchsal. Der Eintritt ist frei, eine Spende wird erbeten.

Bild: Stadtarchiv Bruchsal

Noch zwei weitere Konzerte mahnen im Monat März nach der Intention ihrer Veranstalter ausdrücklich vor Krieg und Gewalt. Ausgelassene Freude und tiefes Leid, Melancholie und Tragik liegen in der jüdischen Klezmer-Musik nahe beieinander, und so gestaltet das Ensemble Shtetl Tov um Heike und Tobias Scheuer gemeinsam mit Bezirkskantor Dominik Axtmann an der Orgel am Sonntag, 3. März, um 17 Uhr in der katholischen Stadtkirche Bruchsal ein gemeinsames Programm unter den Titel „A Nakht in Gan Eydn – Ein Abend im Garten Eden“. Neben traditionell überlieferten Klezmer-Melodien und spontanen Improvisationen spielen die fünf Musiker auch Werke von Max Bruch, Louis Lefébure- Wély und Andreas Willscher. Auch hier ist der Eintritt frei und eine Spende erbeten. Am Sonntag, 17. März, ist um 18 Uhr das Requiem von Wolfgang Amadeus Mozart in der Bruchsaler Pauluskirche zu hören. Die Aufführung dieses Werkes dient ebenfalls dem Gedenken an die Opfer des Angriffs auf Bruchsal 1945 und der Mahnung zu Frieden und Versöhnung. Mitwirkende sind Daniela Köhler (Sopran), Birgit Barbara Benson (Alt), Thorsten Gedak (Tenor), Lucian Eller (Bass), der Chor des Justus-Knecht-Gymnasiums Bruchsal und die Bruchsaler Philharmoniker unter Leitung von Patrick Wippel. Der Vorverkauf hat begonnen. Karten zum Preis von 12 Euro (Schüler frei) sind erhältlich im Sekretariat des Justus-Knecht-Gymnasiums (Mo bis Do 7-15 Uhr, Fr 7-12 Uhr).

Text: Stephan Gilliar/ Redaktion und Ina Rau / Stadt Bruchsal (PM)

Bilder: Redaktion und Stadtarchiv Bruchsal

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