1.700 rostende Fässer Atommüll in der Region entdeckt

1.700 rostende Fässer Atommüll in der Region entdeckt
Atommüll – Symboldarstellung der Redaktion

Auf dem Gelände des KIT-Campus Nord, auch bekannt als ehemaliges Kernforschungszentrum Karlsruhe, wurden bei Kontrollen fast 1.700 beschädigte Fässer mit radioaktivem Abfall entdeckt.

Laut Umweltminister Franz Untersteller geht von Ihnen derzeit keine gefährliche Strahlung aus, dennoch müsse nun eine Lösung für die problematischen Rückstände gefunden werden. Auch im Kernkraftwerk Philippsburg wurden Sonderinspektionen angeordnet. Mehr dazu in der Mitteilung des baden-württembergischen Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft

Kontrolle von Fässern mit schwach- und mittelradioaktivem Abfall

Auf dem Gelände des ehemaligen Kernforschungszentrums Karlsruhe werden die radioaktiven Abfälle aus dem Betrieb und dem Rückbau der ehemaligen Kernforschungseinrichtungen bearbeitet.

„Korrosionserscheinungen an alten Fässern haben wir erwartet, deswegen suchen wir gezielt danach“, erklärte Umweltminister Franz Untersteller. Es überrasche ihn daher nicht, dass auch immer wieder auffällige Fässer gefunden würden. „Entscheidend ist für mich, dass von diesen Fässern keine Gefahr ausgeht“, betonte Franz Untersteller. „Und dies ist gewährleistet.“

In der Hauptabteilung Dekontaminationsbetriebe (HDB) auf dem Gelände des ehemaligen Kernforschungszentrums Karlsruhe (heute Karlsruher Institut für Technologie Campus Nord) werden die radioaktiven Abfälle aus dem Betrieb und dem Rückbau der ehemaligen Kernforschungseinrichtungen bearbeitet („konditioniert“) und bis zur Ablieferung an ein Endlager (Schacht Konrad) zwischengelagert. In der HDB werden seit 2005 kontinuierlich und systematisch Inspektionsmaßnahmen in den Lagern durchgeführt. „Außerdem hat die baden-württembergische Atomaufsicht unmittelbar nach dem ersten Fund eines korrodierten Fasses im Jahr 2012 in der Kaverne Brunsbüttel Sonderinspektionen bei den Kernkraftwerken veranlasst“, betonte Minister Untersteller.

Ältere Fässer und solche, die am ehesten als auffällig gelten können, da der Inhalt als „feucht“ deklariert wurde, werden hierbei zuerst kontrolliert. Von insgesamt rund 65.000 Fässern auf dem Gelände der HDB sind inzwischen (Stand 31.03.2014) 20.760 Fässer kontrolliert worden, von denen 1.692 Fässer Korrosionserscheinungen aufwiesen. „Wichtig ist mir die Feststellung, dass keiner dieser Behälter außen kontaminiert gewesen ist, das heißt, es ist keine Radioaktivität ausgetreten“, betonte Minister Untersteller. Dennoch wird aus Strahlenschutzgründen zum Schutz der Mitarbeiter und der Umgebung der Inhalt eines auffälligen Fasses umgehend entweder in ein neues Fass umgepackt oder das Fass selbst wird in ein sogenanntes Schutzfass eingestellt. Die langfristige Zwischenlagerung erfolgt in sogenannten Konrad-Containern, die eine weitere Barriere darstellen.

Alle bislang auffälligen Behälter waren älteren Datums. Inzwischen werden alle Behälter, bei denen Feuchtigkeit nicht ausgeschlossen werden kann, getrocknet. Die seit dem Jahr 2004 verwendeten Behälter sind zudem innen beschichtet. Diese Behälter haben bislang keine Auffälligkeiten gezeigt.

„Die Suche und Behandlung von auffälligen Fässern ist sehr aufwändig“, betonte Franz Untersteller weiter. „Der Bund muss daher dafür sorgen, dass das längst überfällige Endlager Schacht Konrad möglichst zeitnah fertig gestellt wird.“

Weitere Informationen
In Baden-Württemberg werden die radioaktiven Abfälle aus dem Betrieb und dem Rückbau der Kernkraftwerke im Wesentlichen an den Standorten der Kernkraftwerke Neckarwestheim (GKN), Philippsburg (KKP) und Obrigheim (KWO) in dafür vorgesehenen Räumen und Gebäuden (Kontrollbereich) zwischengelagert.

Als einziges Kernkraftwerk in Baden-Württemberg hat Philippsburg (KKP) 1 im Kontrollbereich eine „Feststofflagergrube“ ähnlich der „Brunsbüttel-Kaverne“. Dort wurden seit 1990 keine Abfallfässer mehr gelagert. Im Augenblick werden dort zwei Zwangsumwälzpumpen in Abschirmbehältern und ein Wasserdampfabscheider aufbewahrt. Sie werden im Rahmen des Abbaus der Anlage entsorgt.

Unmittelbar nach dem ersten Fund eines korrodierten Fasses im Jahr 2012 in der Kaverne Brunsbüttel hat die baden-württembergische Atomaufsicht Sonderinspektionen veranlasst und zwar vor allem hinsichtlich der Fässer, die am ehesten als auffällig gelten können (Inhalt als „feucht“ deklariert). Es wurden circa 200 Fässer pro Anlage inspiziert und bewertet, davon wies ein Fass im Bereich des Kernkraftwerks Neckarwestheim (GKN) eine Wölbung in der Außenbeschichtung auf, aber keine Außenkontamination.

Danach hat die Atomaufsicht veranlasst, dass alle Anlagen Inspektionsprogramme auflegen, mit denen nach und nach alle Behälter überprüft werden sollen.

Ab 2013 trat bei KKP und GKN das Routine-Inspektionsprogramm in Kraft, bei dem jährlich 20 Prozent der Abfallfässer inspiziert werden, deren Inhalt als ehemals „feucht“ deklariert ist. Außerdem werden jährlich zehn Prozent der zementierten Fässer und fünf Prozent aller als „trocken“ deklarierten Fässer inspiziert. Eine höhere Inspektionsdichte ist aus Strahlenschutzgründen nicht angemessen, zumal es auch keine Hinweise auf relevante, über Lackabplatzungen oder Risse hinausgehende Schäden an Fässern oder auf Kontaminationen in den Lagern gibt.

Bislang wurden keine auffälligen Fässer gefunden. Für den Fall eines Fundes existieren Handlungsanweisungen für den Umgang mit den betroffenen Fässern.

Im Kernkraftwerk Obrigheim (KWO), das derzeit abgebaut wird, wird zurzeit das bestehende Abfalllager ausgeräumt. Aus diesem Grund wird jedes Fass einzeln inspiziert, bevor es zusammen mit anderen Fässern in einen Container überführt wird, der für die Lieferung zum Endlager Konrad vorgesehen ist. Bislang wurden 700 Fässer inspiziert. Davon waren drei auffällig (z. B. Roststellen), aber außen nicht kontaminiert. Nach Abschluss der Umverpackungsarbeiten wird auch im KWO ein Inspektionsprogramm umgesetzt. Für den Fall eines Fundes gelten ebenfalls Handlungsanweisungen.

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