Wirbel um Regionalexpress hält an – Alt-OB Metzger schreibt an Landrat

Wirbel um Regionalexpress hält an - Alt-OB Metzger schreibt an Landrat

Brettens ehemaliger Oberbürgermeister appelliert an Landrat

Die Gemeinden Ubstadt-Weiher, Kronau und Östringen haben bereits den Kampf gegen die Streichung der Regionalexpress-Linien zwischen Heidelberg und Stuttgart aufgenommen und entsprechende Resolutionen verabschiedet. Nun schaltet sich auch Brettens ehemaliger Oberbürgermeister Paul Metzger in die Diskussion ein. Seinen offenen Brief an den Karlsruher Landrat Dr. Christoph Schaudigel liegt unserer Redaktion vor und wird im Folgenden im Originalwortlaut wiedergegeben:

Sehr geehrter Herr Landrat Dr. Schnaudigel.

Sie haben bisher die Meinung vertreten, dass die Kappung des RegionalExpress zwischen Heidelberg und Stuttgart in Mühlacker durch Ersatzbedienungen wieder einigermaßen kompensiert werden würden und der erzielte Kompromiss annehmbar sei. Dem kann ich nicht beipflichten.

Die Erhaltung der DB-RegionalExpress-Verbindung zwischen Heidelberg und Stuttgart hatte und hat für die Städte und Gemeinden entlang dieser DB-Hauptstrecke eine außerordentlich wichtige Bedeutung; sie ist für die Stadtbahn Mühlacker-Bretten-Bruchsal eine VERBUND übergreifende, NOTWENDIGE ERGÄNZUNG.

Der weitere Erhalt dieser Direktverbindung wurde und wird von Fahrgästen Richtung Stuttgart bzw, Richtung Heidelberg ZURECHT GEFORDERT. Die beabsichtigte Kappung mit zusätzlichen Umsteigebeziehungen in Mühlacker und Bruchsal würde den Reisekomfort und die Fahrzeit für die Pendler deutlich verschlechtern. Die bestehenden Stadtbahnlinien S4 und S9 sind für die Pendler keinesfalls eine Alternative zum wesentlich schnelleren, durchgängigen RegionalExpress.

Die Aufgabe der RE-Linien würde die Standortqualität der Städte und Gemeinden nicht nur im Mittelbereich Bretten deutlich verschlechtern. Volkswirtschaftlich, aber auch betriebswirtschaftlich, wäre die Kappung der bisher durchgängigen Verbindung für mich ein ausgesprochener Blödsinn.

Nach der ZUSTIMMUNG des damaligen Brettener Gemeinderats konnte ich 1995 mit der Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg, der DB und dem Enzkreises nicht nur die schon damals beabsichtigte Streichung der durchgängigen Verbindung zwischen Heidelberg und Stuttgart verhindern. Die Strecke war seinerzeit durch schlechtes Zugmaterial noch wenig attraktiv. Vereinbart wurde deshalb auch die Bereitstellung der modernen (roten) Expresszüge durch die DB, durch die die vormals komfortarmen Triebwägen ersetzt wurden. Die Fahrgastzahlen haben sich entsprechend ständig verbessert.

Dem Gemeinderat der Stadt Bretten und mir war der Erhalt der Direktverbindung mit Halt im Bahnhof Bretten so wichtig, dass die Stadt, ohne direkte sachliche Zuständigkeit und trotz der bereits hohen finanziellen Belastung wegen der damals zeitgleichen Mitfinanzierung der S4, für die Beschaffung der modernen Expresszüge eine zusätzliche Kostenbeteiligung von über einer Million DM vertraglich übernommen hat. Als Vertragsbeteiligter hat der Enzkreis ebenfalls einen beachtlichen kommunalen Zuschuss für die Erhaltung der durchgängigen Verbindung geleistet.

Nach Abschluss des Vertrags war auch unser damaliger Karlsruher Landrat, Dr. Bernhard Ditteney, von der Wichtigkeit des Erhalts der RegionalExpress-Verbindung Heidelberg – Stuttgart zu überzeugen. Der Landkreis Karlsruhe hat deshalb den Aufwand der Stadt Bretten nachträglich mit 50% bezuschusst. Der „Eilzugverbindung“ wurde nicht nur für Bretten, sondern für alle Städte und Gemeinden an der Hauptstrecke zwischen Heidelberg und Stuttgart eine wichtige Bedeutung zugemessen. Daran hat sich nichts geändert. Die konstant gestiegenen Fahrgastzahlen seit 1995 unterstreichen, dass mit den kommunalen Zuschüssen positive Entwicklungen für den SPV möglich gemacht wurden.

Ich habe es deshalb außerordentlich begrüßt, dass sich die FDP vor kurzem engagiert für die Beibehaltung dieser RE-Verbindungen auf der Hauptstrecke Heidelberg – Stuttgart ausgesprochen hat und dafür erklärtermaßen kämpfen will.

Der Mittelbereich Bretten zählt innerhalb des Regionalverbands Mittlerer Oberrhein zu den Wachstumsregionen. Eine maßgebliche Verschlechterung der Verkehrsinfrastruktur durch Wegfall der bewährten Expresszugverbindungen auf der Hauptstrecke Heidelberg – Stuttgart ist für mich deshalb weder als Kreisrat noch als ehemaliger OB in Bretten akzeptabel.

Ein Vertrag wie 1995 müsste im Interesse der Standortqualität der an der Strecke liegenden Kommunen in den Landkreisen Ludwigsburg, Enzkreis, Karlsruhe und Rhein-Neckar-Kreis wiederholbar und für alle Landkreise wichtig genug sein. Die Pendler sind darauf angewiesen. Bitte schaffen Sie die notwendigen Voraussetzungen und engagieren Sie sich dafür auch bei Ihren Nachbarkollegen. Hoffnungen setze ich auch auf die Unterstützung des Kreistags des Landkreises Karlsruhe und des Gemeinderats der Stadt Bretten. Eine Mehrfertigung dieses Schreibens habe ich deshalb an die Fraktionen weitergeleitet.

Mit freundlichen Grüßen

Paul Metzger, Oberbürgermeister a. D.
Ehrenbürger der Melanchthonstadt Bretten
Mitglied im Kreistag und Regionalverband Karlsruhe
Unternehmensberater

Ähnlicher Artikel

Fasching 2018 – Alle Termine im Kraichgau

Fasching 2018 – Alle Termine im Kraichgau

Mund abbuzze, Kappen auf und los geht´s Die fünfte Jahreszeit in der Region hat begonnen!…
Wider dem Hygienewahn – Fresst mehr Dreck!

Wider dem Hygienewahn – Fresst mehr Dreck!

Warum der Kampf gegen Keime und unser Kontrollzwang falsch sind Wir leben in einer Welt…
Lost Places: Das alte Steinzeugwerk Bretten

Lost Places: Das alte Steinzeugwerk Bretten

Verwittert und Geheimnisvoll – Das alte Steinzeugwerk Harsch  Seltene Einblicke in eine vergessene Welt Das alte…
Autofahrer rettet Betrunkene bei Bretten aus brennendem Fahrzeug

Autofahrer rettet Betrunkene bei Bretten aus brennendem Fahrzeug

Eine 36-jährige Autofahrerin fuhr in der Nacht vom Freitag zum Samstag, gegen 02.45 Uhr, auf…