Wirbel um den Pfannwaldsee

Ein Biotop erhitzt die Gemüter

In den Geschäften des kleinen Kraichtaler Teilortes Oberöwisheim kann man die Forderungen schon lange im Aushang lesen, nun hat es das Schriftstück als Leserbrief bis in die Tageszeitung geschafft. In wenigen, dafür klaren Worten fordern drei Bürgerinnen und Bürger sich dem „verwilderten und verwahrlosten“ Pfannwaldsee im Oberöwisheimer Forst anzunehmen. Adressiert ist das Schreiben an die „Verantwortlichen“. Die Autoren wollen den „vergammelten“ und „zum Himmel stinkenden See“ sowie die damit verbundenen Begleitumstände nicht mehr länger akzeptieren. Ferner wird der Bewuchs mit Brenneseln und die Veränderung bei den Wander, Sitz- und Parkmöglichkeiten moniert.

Wie schlimm ist es wirklich?

Tatsächlich hat sich der See in den letzten Jahrzehnten verändert. Das einstige klare Gewässer hat durch Algenbildung eine grünliche Farbe angenommen und durch Verlandung fällt der sumpfige Uferbereich dementsprechend größer aus. Bei einem Ortstermin ist unserer Redaktion jedoch weder Gestank aufgefallen, noch wirkt der See vergammelt. Im Gegenteil ist die Szenerie recht idyllisch, wie unsere Bilder aus dem vergangenen Herbst zeigen…den jetzigen Zustand werden wir am kommenden Wochenende mit der Filmkamera dokumentieren. Der See hat sich über die Jahre zu einem Biotop entwickelt, das von diversen Tieren und Pflanzen bevölkert wird – darunter jede Menge Amphibien, Schildkröten uns sogar Nutrias. Mit einem auf Hochglanz getrimmten Badesee wie z.B. dem Hardtsee hat das Gewässer nichts gemein, an Charme und Idylle fehlt es dem Pfannwaldsee jedoch nicht.

Bei der Stadtverwaltung Kraichtal nimmt man die Sorgen der Oberöwisheimer indes ernst. Seit Jahren versuche man schon mit Reinigungsmaßnahmen den See sauber zu halten, doch jeder Antrag würde sofort von der oberen Naturschutzbehörde kassiert, so das Rathaus. Der Grund: Der See liegt in einem Naturschutzgebiet und hat sich längst zu einem dynamischen Biotop entwickelt in dessen Ökosystem man nicht ohne weiteres eingreifen darf. Ein bisschen Rasenmähen ist erlaubt – mehr darf der Bauhof der Stadt jedoch nicht unternehmen, so Bürgermeister Ulrich Hintermayer gegenüber Hügelhelden.de

Weil der Uferbereich – insbesondere bei tagelangem Regen – sehr weich werden kann, hat die Stadt entlang der asphaltierten Straße Baumstämme verlegen lassen, die das Befahren des unsteten Untergrundes verhindern sollen. Auch dies wird im Leserbrief aus Oberöwisheim im Hinblick auf „Fußkranke und Alte“ kritisiert. Der Parkplatz für Wanderer befindet sich allerdings nur in einem Abstand von ca. 50 Metern!

Wie geht es nun weiter?

Um die Menschen in Oberöwisheim umfassend zu informieren, hat sich die Stadt nun entschlossen eine Bürgerversammlung anzusetzen. Bei dieser sollen Vertreter der Naturschutzbehörde über die Situation vor Ort und ihre diesbezügliche Einschätzung Auskunft geben. Der Termin hierfür wird zeitnah über die Webseite der Stadt bekannt gegeben. Bis dahin machen Sie doch einfach mal wieder einen Ausflug zum Pfannwaldsee und verschaffen Sie sich selbst einen Eindruck. Was meinen Sie? Zum Himmel stinkend oder ein wildes Idyll? Wir freuen uns auf Ihre Kommentare!

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3 Comments on “Wirbel um den Pfannwaldsee

  • Also wir waren gestern am Pfannwaldsee und gestunken hat es überhaupt nich. Das Wasser ist zwar etwas grün und trüb aber das ist halt Natur. Ich fand es sehr schön dort.

  • Ich weiss nicht, welche Tatsache ich wie bewerten soll? Diejenige, von einem angeblich verwahrlosten See.? Oder diejenige, dass man hierzu eine Bürgerversammlung einberufen muss? Für mich ist es keine Frage: Es ist einer der wenigen Flecken im Kraichgau der noch urwüchsig ist. Jeder Eingriff würde nicht nur ein Gleichgewicht an Lebensraum zerstören, sondern auch zeigen, dass wir als Menschen nicht bereit Natur auch Natur sein zulassen. Ich glaube, wir müssen nicht nur solche Lebensräume schützen, sondern auch diese Menschen, welche eine Regulierung solcher Lebensräume verlangen, davor schützen dass sie die Natur überhaupt betreten können. Als Anfang schlage ich deshalb vor, den ca. 1km in Richtung Oberöwisheim stehenden Schlagbaum zu nutzen, und den Zugang weiträumig abzusperren. Damit diese Menschen nicht noch von übelriechenden, verwahrlosten Lebensräumen bedroht werden. Nur Holzabsperrungen reichen da nicht!

  • Einfach die Finger davon lassen!

    Und Rentner haben ja immernoch den Rewe um 17 Uhr als El Dorado!

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