Wege aus der häuslichen Gewalt in der Region

Wege aus der häuslichen Gewalt in der Region
Mit einem Stoff-Mandala knüpft Nicole Parallele zu ihrem Leben. Durch die Hilfe von SopHiE in Bruchsal hat sie den Weg aus der häuslichen Gewalt gefunden.

Zehn Jahre SopHiE

Mit Beratungsstelle „Libelle“ und Frauenhäusern „Geschütztes Wohnen“ gegen häusliche Gewalt

Bruchsal (ris). Als ihr Computer-süchtiger Mann versuchte die Familienkatze vor den Augen des kleinen Sohnes zur erstechen, war für Nicole der Punkt erreicht an dem ihre neunjährige Beziehung endete. Als der traumatisierte Junge das Erlebnis am nächsten Tag im Kindergarten schilderte, holte die Kiga-Leiterin das Jugendamt und die Polizei auf den Plan. Und von „jetzt auf nachher“ wurden die Mutter und der Fünfjährige von der Polizei in Sicherheit gebracht und an SopHiE vermittelt. Durch gute Vernetzungsarbeit – mit Polizei, Jobcenter und der Stadt Bruchsal – ist SopHiE als Anlaufstelle für Menschen die häusliche Gewalt erleben, bekannt.

In der Beratungsstelle „Libelle“, die Opfer von häuslicher Gewalt berät, fand Nicole offene Ohren. Hier werden Menschen begleitet und bestärkt ihr Leben selbst wieder in die Hand zu nehmen. „Unser Ziel ist es, die Menschen nicht aus der Verantwortung für ihr Handeln zu nehmen, ihnen aber beratend zur Seite zu stehen“, so Joyce Saint-Denis, Leiterin der Beratungsstelle „Libelle“. Von der Psychosozialen Beratung bis hin zum Notfallplan, ist die Beratungsstelle für Frauen aber auch für Männer, die häusliche Gewalt erleben, da.

Über die Hälfte der Klienten sind Deutsche. Für ausländische Klienten stehen insgesamt acht verschiedene Beratungssprachen zur Verfügung. „Gewalt macht keinen Halt vor sozialen Schichten oder Herkunftsländer“, berichtet Joyce Saint-Denis. Die Verzahnung von Beratung, Aufnahme ins Frauenhaus und Ambulanter Jugendhilfe sorgt dafür, dass die Menschen auch noch begleitet werden können, wenn sie wieder auf dem Weg zurück in ihr eigenes Leben sind. Um andere Frauen Mut zu machen, häusliche Gewalt nicht zu tolerieren, entschied Nicole ihre Geschichte publik zu machen.

Im Frauenhaus „Geschützten Wohnen“ lebte sie in Sicherheit und konnte sich „fallen lassen“. Begleitet vom Team und der Leiterin des Frauenhauses, Monika Beck, lernte sie ihr „altes, starkes Selbst“ wieder in den Vordergrund zu stellen. „Ich musste alles wieder neu lernen – vom Handyvertrag selbst machen bis zur Wohnung zurück zu erkämpfen.“ Anhand eines gewobenen Stoff-Mandalas erklärt Nicole bildhaft, dass sie neue Fäden anknüpfen musste und alte Muster hinter sich lassen. Vor allem für ihren Sohn will sie neue Fäden einflechten, um ihm die besten Chancen zu ermöglichen. „Hier hat man mir geholfen die Orientierung und Hilfe zur Selbsthilfe zu finden“, so Nicole, die dank SopHiE ihr Lachen wiedergefunden hat.

„Unsere Erfolge beruhen auch auf unserer systemischen Haltung. In der Systemik schauen wir nicht auf die Täter-Opfer-Rollen – es interessiert das Beziehungsgeflecht und wie es zu der Gewalt kommen konnte“, erklärt Monika Beck den Ansatz bei SopHiE, die in diesem Jahr ihr zehnjähriges Bestehen feiert. „Die Frauen erkennen die Konsequenzen ihres eigenen Handelns. “Wir geben Ihnen die Möglichkeit eigene Lösungen zu entwickeln, die sie selbst auch tragen wollen. Eigene Ziele sind erst dann wertvoll, wenn man hinarbeiten muss. Darum ist Hilfe zur Selbsthilfe der bedeutendste Schritt.“ Bei den „Frauenhäusern“ geht SopHiE eigene Wege: es gibt nicht die „eine“ Einrichtung, in der nur Frauen und Kinder Schutz finden, sondern mehrere kleinere Wohneinheiten im Landkreis, die flexibel eingeteilt werden können. Hier werden auch Männer, die Gewalt erfahren, und männliche Jugendliche aufgenommen, was in anderen Frauenhäusern meistens nicht möglich ist.

Gegründet wurde SopHiE von allen Wohlfahrtsverbänden im Landkreis Karlsruhe. Finanziert werden „Libelle“ und das „Geschütztes Wohnen“ zum Teil durch den Landkreis Karlsruhe. Für die Frauen können Eigenbeiträge entstehen. „Es gibt aber Fälle, bei denen die Kostenübernahme nicht geklärt ist, daher sind wir immer auf Spenden angewiesen“, so Monika Beck. Nicole ist froh, dass sie diesen Schritt gegangen ist. Die inzwischen wieder selbstbewusste Frau geht ihren Weg mit ihrem Sohn und erfährt dabei noch Unterstützung von SopHiE. „Bei mir war es so, dass ich vor einem riesigen Berg stand und erst einmal begreifen musste, wie ich mich neu auszurichten hatte. SopHiE gab mir die passende Schaufel dafür.“

*** INFO-BOX
Nähere Information zur Beratungsstelle „Libelle“ gibt es unter (07251) 71 30 323 und zum „Geschützten Wohnen“ unter (07251) 71 30 324.

Wer die Arbeit von SopHiE (Sozialpädagogische Hilfen in Familie und Erziehung) im Jubiläumsjahr unterstützen will kann unter IBAN DE30 6602 0500 0006 7100 00 bei der Bank für Sozialwirtschaft Karlsruhe eine Spende überweisen. ***

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