Volksfest statt Volkshetze in Bruchsal

Bündnis für Menschlichkeit setzt Zeichen gegen Rechts

Gerade einmal 120, statt wie selbst angekündigt 500, Mitglieder der rechten Szene hatten sich am Samstag gegen 13 Uhr am Bruchsaler Bahnhof eingefunden. Gemeinsam wollten sie den „Tag der Heimattreue“ begehen und unter anderem gegen eine „Überfremdung“ Deutschlands demonstrieren. Nach Einschätzung der Polizei stammten sie hauptsächlich aus dem Mannheimer und Karlsruher Raum. Demgegenüber standen über 700 Menschen, die dem Aufruf des „Bündnisses für Menschlichkeit“ zur Gegendemonstration gefolgt waren.

Unter dem Motto „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ lud das Aktions-Bündnis „Wir für Menschlichkeit“ die Bürgerinnen und Bürger zu Fest, Demonstration und Kundgebung ein. Der Startschuss fiel um 13 Uhr auf dem Friedrichsplatz in Bruchsal. Oberbürgermeisterin Cornelia Petzold-Schick eröffnete zusammen mit Bürgermeistern aus der Region, darunter Tony Löffler aus Ubstadt-Weiher und Felix Geider aus Östringen die Veranstaltung. Sie sprach sich in ihrer Rede für ein „weltoffenes und tolerantes“ Bruchsal aus.

Im Anschluss machte sich ein Demonstrationszug des Bündnisses auf in Richtung Viktoria-Anlage, die sich in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof und damit dem Versammlungsort der Rechten befindet. Dort fand ebenfalls eine Kundgebung statt, unter anderem mit einer Ansprache des DGB. Danach hatten die Besucher die Möglichkeit in der Viktoria-Anlage mit einem jungen Musikprogramm weiter zu feiern oder den Tag mit Kaffee und Kuchen und den Klängen der Stadtkapelle Bruchsal auf dem Friedrichsplatz ausklingen zu lassen.

Nach Angaben der Polizei kam es besonders im Umfeld des Geschehens zu teilweise erheblichen Ausschreitungen.
Hierzu die Pressemitteilung der Polizei Karlsruhe:

Einen überwiegend friedlichen Verlauf nahmen am Samstag in Bruchsal zwei unter dem Motto „Tag der Heimattreue“ und „Wir für Menschlichkeit“ stehende Versammlungen mit Aufzügen. Allerdings versammelte sich gegen 11.15 Uhr, im Vorfeld der Kundgebungen, eine Gruppe von rund 100 Personen des linken Spektrums im Bereich des Saalbachcenters und versuchten zum Bahnhof vorzudringen. Bei der dann folgenden gewalttätigen Aktion, eine Polizeiabsperrung auf der Prinz-Wilhelm-Straße zu durchbrechen, wurden 82 Personen in Gewahrsam genommen. Zwei Polizeibeamte wurden hierbei verletzt. Bei den festgesetzten Angreifern wurden mitunter zahlreiche Vermummungsgegenstände, Zahnschutz und Pyrotechnik aufgefunden. Weiteren 38 Personen wurden Platzverweise erteilt Gegen Mittag sammelten sich dann etwa 60 Teilnehmer der Versammlung „Tag der Heimattreue“ am Bahnhofsplatz. Bis zum Beginn deren Auftaktkundgebung um 14.20 Uhr, erhöhte sich die Teilnehmerzahl auf rund 120 Personen. Diese setzten sich gegen 15.10 Uhr mit ihrem Aufzug über die Prinz-Wilhelm-Straße in Richtung Bismarckstraße in Bewegung. Auf Höhe der Bismarckstraße stoppte der Aufzug zu einer Zwischenkundgebung. Nach einem störungsfreiem Verlauf und einer Abschlusskundgebung am Bahnhofsplatz wurde die Versammlung gegen 17.00 Uhr beendet. Die Teilnehmer wurden von der Polizei, bis zu ihrer Abfahrt um 17:40 Uhr, zum Gleis begleitet. Parallel hierzu starteten rund 600 Teilnehmern des Aktionsbündnisses „Wir für Menschlichkeit“ gegen 13.00 Uhr am Friedrichplatz ihre Kundgebung mit anschließendem Aufzug in Richtung Bahnhof. Die Veranstaltung des Aktionsbündnisses verlief aus polizeilicher Sicht mit bis zu 700 Teilnehmern ebenfalls störungsfrei und endete gegen 17:30 Uhr. Während des Aufzugs kam es aber zu einer Auseinandersetzung zwischen Teilnehmern und Personen die sich im Luisenpark aufgehalten hatten. Durch Flaschenwürfe aus der Versammlung heraus wurde eine unbeteiligte Person am Kopf getroffen. Außerdem kam es zu weiteren Störungen durch Personengruppen des linken Spektrums, als sie gegen 15.00 Uhr versuchten, eine Polizeiabsperre an der Salinenstraße zu durchbrechen. Die Einsatzkräfte der Polizei wurden hierbei angegriffen und mit Pfefferspray besprüht. Insgesamt vier Polizeibeamte trugen hierbei Verletzungen davon. Trotzdem konnte durch das rasche und konsequente Einschreiten der eingesetzten Beamten, bei dem ebenfalls Pfefferspray eingesetzt werden musste, ein Durchdringen und in der Folge ein direktes Aufeinandertreffen der beiden Gruppen verhindert werden. Ein Teil der Gruppierung versuchte anschließend über die Gleiskörper des Bahnhofs zum Versammlungsort zu gelangen. Aus Sicherheitsgründen war in der Folge ab 15.20 Uhr eine kurzfristige Sperrung des Zugverkehrs erforderlich. In diesem Zusammenhang wurden fünf Personen des linken Spektrums vorläufig festgenommen. (ots)

 

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