Urteil im Kraichtaler Betrugsskandal sorgt für Aufregung

Urteil im Kraichtaler Betrugsskandal gefallen
Tatort Rathaus

Fast 30 Jahre Betrug – 1,5 Millionen Euro Schaden

Es war ein Betrugsskandal ungeahnten Ausmaßes, der 2014 in Kraichtal aufgeflogen ist. Über einen Zeitraum von rund 28 Jahren hinweg, hat der ehemalige Leiter des Liegenschaftsamtes der, Stadt Anton S, gut und gerne 1,5 Millionen Euro an städtischen Geldern für sich abgezweigt.

Seine Masche war dabei recht simpel: Anton S. kaufte Grundstücke für die Stadt an und ließ sich für die Auszahlung der Verkäufer Barschecks ausstellen, welche er dann auf das eigene Konto einzahlte. Grundlegend ist die Praxis von regelmäßigen Grundstücksankäufen durch die Stadt dabei nicht zu beanstanden. So kann sich die Verwaltung Optionen für spätere Bauprojekte leichter offen halten. Normalerweise muss ein Kauf dieser Größenordnung vom Bürgermeister gegengezeichnet werden, was durch die insgesamt drei Amtsträger in dieser langen Zeitspanne auch stets erfolgte. Auch die Ausstellung eines Barschecks ist in ländlichen Gegenden nicht weiter ungewöhnlich und wird auch in anderen Gemeinden so praktiziert. Problematisch war das Fehlen von Kontrollinstanzen, so dass Anton S. mit mündlichen Zusicherungen und Tricksereien sein Ziel der Barauszahlung auch immer erreichte. So sucht er entsprechende Flurstücke heraus, behauptete die entsprechenden Eigentümer hätten den Verkauf an die Stadt angeboten, setzte entsprechende fingierte Schriftstücke auf und vereinbarte Notar-Termine, die niemals stattfanden. Zu guter Letzt nahm er noch die Kontrollmitteilung der Transaktion an sich und behauptete diese dem Verkäufer gleich zusammen mit dem Barscheck zu überreichen.

Das Amtsgericht Bruchsal
Das Amtsgericht Bruchsal

Diese Masche funktionierte fast drei Jahrzehnte lang perfekt. Als aber 2014 der Verwaltungsapparat der Stadt auf ein neues EDV-System umgestellt wurde, fielen einer Mitarbeiterin Ungereimtheiten bei den Grundstückbeständen der Stadt auf. Sie bemerkte dass in zahlreichen Fällen die Stadt notariell nie als Besitzer eingetragen wurde und schlug daraufhin Alarm. Anton S. wurde zur Rede gestellt und gestand. Mittlerweile ist klar, dass er die Gelder zur Befriedigung seiner Wettsucht verwendet hatte. Da solche Delikte nach fünf Jahren verjähren, konnte das Amtsgericht Bruchsal im Prozess gegen Anton S.  „nur“ noch Fälle mit einer Schadenssumme von etwa 220.000 Euro zur Last legen – die Gesamtsumme des entstandenen Schadens beläuft sich aber auf etwa 1,5 Millionen Euro. Anton. S. wurde am Montag vom Amtsgericht Bruchsal erstinstanzlich zu einer Freiheitsstrafe von 2 Jahren und 9 Monaten verurteilt. In seiner Urteilsverkündung rügte das Gericht auch die Stadt Kraichtal. So habe es schlicht keine Kontrollmechanismen gegeben, was den jahrelange Betrug erst möglich gemacht habe.

Trotz aller Unkenrufe die derzeit die Stadtverwaltung Kraichtal erreichen, dürfen aber einige Gegebenheiten nicht außer Acht gelassen werden. So war die Ausstellung von Barschecks für Transaktionen in der Vergangenheit in ländlichen Gemeinden gelebte Praxis, da nicht alle potentiellen Verkäufer über entsprechende Giro-Konten verfügten. Auch darf nicht außer Acht gelassen werden, dass es sich bei Anton S. nicht um einen x-beliebigen Angestellten handelte, sondern um den Leiter des Liegenschaftsamtes mit den entsprechenden Befugnissen. Wenn dann noch Faktoren wie das Fehlen von moderner Computer-Software zu Beginn des Betrugsserie und auf Vertrauen basierendes Handeln hinzukommen, so lässt sich auch in diesem glasklaren Fall die Chaos-Variable der Menschlichkeit ausmachen. Dort wo Menschen schalten und walten wird immer Manipulation möglich sein – dafür muss man sich nur den mächtigen und straff organisierten VW-Konzern und seinen jüngsten Skandal ansehen.

Die Stadt Kraichtal plant nun im Fall „Anton S.“ eine Stellungnahme in der auch Maßnahmen die sich als Konsequenz aus der Betrugsserie ableiten vorgestellt werden sollen. Sobald diese vorliegt, lesen sie sie hier auf hügelhelden.de.

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