Breitbandausbau in der Region wird konkret

Umstrittenes Vectoring - Ausbau in der Region schreitet voran
Wie schnell ist schnell genug?

Ist schnell denn schnell genug?

Ein deutlich schnelleres Internet für die Menschen in Ubstadt-Weiher – so lautete das Versprechen das Vertreter der Deutschen Telekom heute morgen bei einer Pressekonferenz im Rathaus Ubstadt gaben. „Zukunftstechnologie“ war eines der zentralen Schlagworte, das dabei nicht nur einmal zu hören war. Das Zaubermittel heißt „Vectoring“ – ein vergleichsweise neues Verfahren, das aus der in die Jahre gekommenen Kupferleitung nochmal ein ordentliches Geschwindigkeits-Plus herauskitzeln soll. Theoretisch sind damit Download-Raten von 100 Mbit/Sekunde und Upload-Geschwindigkeiten von bis zu 40 Mbit/Sekunde möglich. Die Technik kompensiert dabei elektrische Interferenzen zwischen den dicht aneinander liegenden Kabelsträngen und ermöglicht durch diese Entstörung einen schnelleren Datenfluss. Doch diese Maßnahmen sind bei der Konkurrenz stark umstritten. Die Branchenverbände Breko, Buglas und VATM sehen im Vectoring eine Bremse für den Ausbau der als zukunftssicher geltenden Glasfaser-Technologie. Durch den Vectoring-Ausbau tritt die Telekom dazu klar in Konkurrenz zur kreiseigenen Breitbandkabel Landkreis Karlsruhe GmbH (BLK). Diese wurde 2014 im Zuge der Breitband-Offensive 4.0 ins Leben gerufen und hat sich zur Aufgabe gemacht, die Mitgliedskommunen mit einer schnellen Glasfaserverbindung auszustatten. Dabei wird die schnelle Glasfaser bis zu einem Knotenpunkt – dem sogenannten Backbone – innerhalb der Gemeindegrenzen verlegt. Für die Vernetzung der Haushalte und der Gewerbebetriebe ist dann die Gemeinde selbst verantwortlich. Allein für Ubstadt-Weiher entstünden hierbei Kosten im hohen sechsstelligen Bereich. Der Landkreis Karlsruhe setzt dabei auf das Betreibermodell und hat das saarländische Unternehmen inexio mit der technischen Umsetzung und der Versorgung der Endkunden beauftragt. Die Kunden – private wie gewerbliche – müssten also entsprechende Verträge mit Inexio abschließen und wären somit mehr oder weniger an das Unternehmen gebunden. Zwar bestünde offiziell die Möglichkeit andere Betreiber wie Vodafone, 1&1, etc. zu beauftragen – diese setzt aber Kooperationsverträge dieser Anbieter mit Inexio voraus. Der Vorteil für die Kunden wäre die direkte Versorgung mit dem schnellen Internet via Glasfaser.

Umstrittenes Vectoring - Ausbau in der Region schreitet voran
Symbolischer Start für den Vectoring-Ausbau in Ubstadt-Weiher
Der zweite Schritt vor dem Ersten oder lieber eines nach dem anderen?

Nun kommt aber die Telekom und bietet nicht nur in Ubstadt-Weiher sondern in zunehmendem Maße auch im ganzen Land die Vectoring-Lösung an. Ein Angebot das sowohl für die Gemeinde als auch für den Endkunden durchaus attraktiv erscheint. In diesem Fall würde die Telekom auf eigene Kosten nicht nur die Glasfaser-Verbindung zum Backbone herstellen, sondern mit der gleichen Technologie auch die mausgrauen Verteilerkästen versorgen. Für die „letzte Meile“ – also die Verbindung von den Verteilerkästen ins traute Heim der Kundschaft, käme dann die Vectoring-Technologie zum Einsatz. Diese würde derart hohe Geschwindigkeiten ermöglichen, dass sie für 99% der potentiellen Endkunden mehr als ausreichend wäre. Der Nachteil bestünde eben in der Endlichkeit der Technologie und dem Fehlen der Glasfaser-Anbindung bis ins Haus. Doch auch hier sieht die Telekom durchaus das Potential, auch diese Lücke irgendwann zu schließen. Während in Neubauten ohnehin die flotte Faser quasi gleich werksseitig ins Haus gelegt wird, spräche auch nichts dagegen in Zukunft das letzte Kupferkabel nachträglich durch Glasfaser auszutauschen. Vorher will der magentafarbene Riese aber durch verschiedene Booster-Stufen der Vectoring-Technik noch das letzte Mbit aus dem ollen Kupferkabel pressen.

Umstrittenes Vectoring - Ausbau in der Region schreitet voran
Bürgermeister Tony Löffler betrachtet einen Glasfaser-Strang
Gemeinden in der Zwickmühle

Die Gemeinde Ubstadt-Weiher und viele andere Kommunden sind dadurch in einer echten Zwickmühle. Durch die Pläne der Telekom könnten bereits 2017 die letzten weißen Flecken in Ubstadt, Stettfeld und Zeutern mit dem schnellen Netz versorgt werden. Weiher hat den schnellen Zugang bereits und weil dieser mit öffentlichen Fördermitteln zustande gebracht wurde, darf aus regulatorischen Gründen die Vectoring-Technik noch nicht zugeschaltet werden. Der Ausbau würde komplett durch die Telekom bezahlt werden und der Gemeindehaushalt bliebe nahezu unangetastet. Von jedem logischen und wirtschaftlichen Standpunkt aus betrachtet, wäre man in Ubstadt-Weiher mit dem Klammerbeutel gepudert, nähme man diese Chance nicht wahr. Doch auf der anderen Seite steht natürlich auch die Verantwortung gegenüber der BLK. Diese wurde ins Leben gerufen, weil der Ausbau der Netze durch die Branchenriesen in der Vergangenheit nur schleppend voran ging und man die Zukunftsperspektive einer technologisch auch tatsächlich tonangebenden Technologieregion Karlsruhe bedroht sah. Zudem gibt es noch genügend Gemeinden, deren einzige Hoffnung auf einen schnellen Netzzugang die BLK darstellt. Durch die Vectoring-Offensive der Telekom ist zum ohnehin hohen Wellengang in dieser Debatte in jedem Fall noch ein scharfer Wind hinzugekommen. Es gilt nun Wege zu finden, die beiden Marschrouten zur Erschließung der Region miteinander in Einklang zu bringen. Bis dahin kann im Grund niemandem der schwarze Peter zugeschoben werden. Der Gemeinde nicht für ihr Bemühen um ein zeitnahes, schnelles Netz für ihre Bürger bei gleichzeitig möglichst niedrigen Belastungen für den Haushalt, der Telekom nicht für die Optimierung der Leitungskapazitäten und der BLK nicht für das ehrenwerte Bestreben den Landkreis mit der bestmöglichen Technik auszustatten. Hier werden noch intensive Gespräche aller Beteiligten nötig werden und mit Sicherheit auch geführt werden.

Umstrittenes Vectoring - Ausbau in der Region schreitet voran
Highspeed-Internet via Glasfaser
Wie geht das?

Nun noch ein paar Worte zum praktischen Vorgehen. Der heute erfolgte, symbolische Spatenstich vor dem Ubstädter Rathaus bildet den Auftakt zur Erschließung der Vectoring-Technik in der Gemeinde. Bis 2017 sollen alle Arbeiten vollzogen sein – dann beginnt die Vermarktungsphase. Alle Kunden der Telekom erhalten automatisch Nachricht von den höheren verfügbaren Geschwindigkeiten an ihrem Wohnort und können dann einen entsprechenden Vertrag mit dem Unternehmen abschließen. Zudem werden autorisierte Vertreter der Telekom alle betroffenen Haushalte besuchen und Ihnen direkt an der Tür die neuen Möglichkeiten erläutern. Wichtig hierzu: Alle Außendienstmitarbeiter lassen sich an einem speziellen Ausweis der Telekom erkennen – dieser und die Zeiten in denen die Teams unterwegs sind, werden rechtzeitig im Ortsblatt und hier auf hügelhelden,de veröffentlicht. Die Hausbesuche können Sie als reine Beratungsgespräche begreifen – ein Vertragsabschluss an der Haustüre ist zwar möglich aber nicht zwingend notwendig. Sie können genau so via Internet, Telefon oder im T-Punkt ihren Anschluss ordern. Eine automatische Anpassung an die höchste verfügbare Geschwindigkeit wird es nicht geben – in jedem Fall ist der Abschluss eines neuen Vertrages notwendig. Die entsprechenden Preise finden Sie auf der Webseite der Telekom.

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