Studie belegt besorgniserregende Gefährdung der Bienen

Studie belegt besorgniserregende Gefährdung der BienenNaturschutzminister Alexander Bonde fordert EU und den Bund auf, bienengefährliche Neonicotinoide dauerhaft zu verbieten. Damit sollen sie Konsequenzen aus neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen ziehen, um die Artenvielfalt zu bewahren.

In einer neuen Studie kommt die EASAC – der europäische Verbund nationaler Wissenschaftsakademien – zum Schluss, dass die Auswirkungen der Neonicotinoide auf Ökosysteme noch gravierender sind als bisher angenommen. Wegen des Verdachts der Gefährdung von Honigbienen hatte die Europäische Union bereits 2013 die Zulassung für drei Pestizide aus der Stoffgruppe der Neonicotinoide stark eingeschränkt. Dieses Moratorium läuft allerdings bereits im Dezember 2015 aus.

„Bund und EU wären jetzt gut beraten, die verbleibende Zeit des Moratoriums bis Dezember 2015 zu nutzen und die Neonicotinoide Clothianidin, Thiamethoxam und Imidacloprid dauerhaft zu verbieten. Die Industrie ist gefordert, der Landwirtschaft mehr umweltverträgliche Alternativen anzubieten. Nur so kann ein umfassender Schutz der Artenvielfalt erreicht werden. Denn Bienen und andere Insekten leisten einen unverzichtbaren Beitrag für die Bestäubung vieler Nutz- und Wildpflanzen, der sich durch nichts aufwiegen lässt. Ohne Bienen würde es letztlich auch uns Menschen schlecht ergehen – und unsere Landwirtschaft müsste gravierende Einbußen hinnehmen“, sagte Naturschutzminister Alexander Bonde.

Der aktuelle Weckruf von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus ganz Europa sei alarmierend und verlange rasches Handeln. „Wildbienen und andere Nützlinge haben Pestiziden offensichtlich noch weniger entgegenzusetzen als vom Menschen gehaltene Honigbienen. Mit diesen wilden Bestäubern verschwindet auch eine immense Artenvielfalt. Das Land Baden-Württemberg wird daher seine bienenfreundliche Politik konsequent fortsetzen, um für Bienen gute Lebensgrundlagen zu schaffen“, so Bonde.

Blüten helfen Bienen

„Damit die Bienen und andere Bestäuber nach dem nahrungsreichen Frühjahr flächendeckend genügend Nahrung finden, fördert das Land die Aussaat von Blühmischungen auf Äckern so umfassend wie nie zuvor über das Agrarumweltprogramm FAKT. Außerdem unterstützen wir ökologische und naturverträgliche Bewirtschaftungsformen, die ohne chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel auskommen. Das nützt unseren Honig- und Wildbienen“, so Bonde. Der Aktionsplan Bio aus Baden-Württemberg sowie die Streuobstkonzeption bündelten die vielfältigen Angebote der Landesregierung rund um Öko-Landbau und den Erhalt der artenreichen Streuobstbestände. „Auch Gemeinden, Straßenbauverwaltungen, Waldbesitzende und alle Hobbygärtnerinnen und -gärtner, die Flächen im Land pflegen und bewirtschaften, können mitmachen und die Nahrungsgrundlage für unsere Honigbienen und andere Insekten verbessern. Unser beliebter Bienenweidekatalog fasst dazu Empfehlungen zusammen“, so Bonde.

Reduzierung des Pestizideinsatzes muss ambitionierter sein

Bonde betonte, dass für den Schutz von Honigbienen und Wildinsekten eine konsequente Umsetzung des Nationalen Aktionsplans Pflanzenschutz auf Basis europäischer Vorgaben in Deutschland unerlässlich sei. „Leider wird der Grundsatz des integrierten Pflanzenschutzes, dass chemische Mittel nur die letzte Möglichkeit einer Vielzahl von vorausgegangenen Maßnahmen wie beispielsweise Fruchtfolge oder Sortenwahl sein sollen, im nationalen Aktionsplan nicht ausreichend berücksichtigt. Damit die Bienen langfristig wirksam geschützt werden, muss der Bund bei der Reduzierung des Pflanzenschutzmittel-Einsatzes ambitionierter sein”, so Bonde. „In Baden-Württemberg gelingt die Reduzierung von Pflanzenschutzmitteln beispielsweise durch den Einsatz moderner Prognoseverfahren wie Vitimeteo im Weinbau oder der Schorfprognose im Obstbau”, so der Minister. Das Landwirtschaftliche Technologiezentrum (LTZ) Augustenberg und das Kompetenzzentrum Obstbau-Bodensee (KOB) in Bavendorf waren außerdem erfolgreich an der Entwicklung eines alternativen Präparats auf Basis von Kalium-Aluminium-Phosphat beteiligt, mit dem die Feuerbrandkrankheit an Kernobst erfolgreich bekämpft werden kann. „Deshalb kann seit 2014 im Obstbau auf das Spritzmittel Streptomycin verzichtet werden”, sagte Bonde.

Unterstützung der Imkerinnen und Imker

„Immer mehr Menschen interessieren sich für Bienen und die Imkerei. Mit unserer Imkerei-Broschüre geben wir allen praktische Tipps an die Hand, die sich für die Imkerei interessieren“, sagte Bonde. Darüber hinaus stehe das Land den Imkerinnen und Imkern mit Beratungsangeboten und praxisnaher Forschung zur Seite. „Mit dem Imkereiförderprogramm unterstützen wir vor allem die Aus- und Fortbildung von Imkerinnen und Imkern, die praxisnahe Forschung zu Bienengesundheit und Honigqualität sowie die Bekämpfung des Bienenschädlings Varroamilbe”, sagte Bonde. Der Wissenstransfer zu allen Fragen rund um Bienenhaltung und Imkerei sei der Landesregierung ein wichtiges Anliegen. „Die Expertinnen und Experten der Regierungspräsidien, der Bienengesundheitsdienste und der Landesanstalt für Bienenkunde der Universität Hohenheim sind kompetente Ansprechpartner im Land rund um die Themen Bienen und Imkerei”, so Bonde. Auch der Austausch sei von großer Bedeutung: „Landwirtschaft und Imkerei funktionieren am besten Hand in Hand. Mit dem Runden Tisch Imkerei und Landwirtschaft haben wir eine Plattform geschaffen, die einen regelmäßigen Wissens- und Erfahrungsaustausch ermöglicht”, so der Minister.

Weitere Informationen

Die Imkerei hat in Baden-Württemberg traditionell eine große Bedeutung. Bei etwa 20.000 Imkerinnen und Imkern in Baden-Württemberg mit rund 170.000 Bienenvölkern beträgt der Durchschnittsbestand rund 8,5 Völker pro Imkerin/Imker. Die Biene ist in Baden-Württemberg nach Rind und Schwein wichtigstes Nutztier und hat für die Landwirtschaft einen hohen ökologischen und ökonomischen Wert.

Der Bericht des European Academies Science Advisory Council (EASAC) in englischer Sprache

Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz: Imkerei in Baden-Württemberg (PDF)

Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz: Bienenweidekatalog (PDF)

PM Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz

Bild: Redaktion

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