Schwere Geburt in Huttenheim – Landeserstaufnahmestelle mit Startschwierigkeiten

Schwere Geburt in Huttenheim - Landeserstaufnahmestelle mit Startschwierigkeiten Schleppende Fortschritte in Huttenheim

Es ist eine Mischung die niemand am eigenen Leib erleben möchte: Man nehme hunderte verschiedene Menschen aus unterschiedlichen Ländern und Kulturkreisen die alle eine lange und beschwerliche Reise hinter sich gebracht haben und quartiere sie bei bis zu 40 Grad in einer ehemaligen Werkshalle ein. Man versorge Sie zudem mit einer Handvoll Plastik-Toiletten, ein paar Camping-Waschbecken und viel zu wenigen Duschen.  Dann stelle man einen privaten Sicherheitsdienst vor das Tor und fertig ist eine neue Erstaufnahmestelle des Landes Baden-Württemberg. Es sind fragwürdige Zustände die in den ersten Wochen in der improvisierten Unterkunft im Huttenheimer Gewerbegebiet Kühweid herrschten. Die Gerüche aus den von der Sonne aufgeheizten Toiletten schlugen Besuchern der LEA schon auf der Straße entgegen, die Luft im Gebäude – stickig und schwer. Da ist es schon fast verwunderlich dass bisher nicht noch mehr Zwischenfälle wie jener Anfangst August geschahen, als eine Auseinandersetzung sogar verletzte Polizeibeamte zur Folge hatte.

Schwere Geburt in Huttenheim - Landeserstaufnahmestelle mit Startschwierigkeiten
Mangelnde hygienische Erstausstattung

Auch für die Anwohner ist die Situation nicht leicht. In Erfahrungsberichten die unserer Redaktion vorliegen, schildern die Huttenheimer ihre ersten Eindrücke: Diese reichen von kleinen Mundraub-Delikten in Obst und Gemüsegärten bis hin zu Beobachtungen wie Flüchtlinge hinter Büschen ihre Notdurft verrichteten. Letzteres wird auch aus dem Rathaus bestätigt.  Weil manche Flüchtlinge den hygienisch bedenklichen Zustand der Dixi-Toiletten nicht mehr ertrugen, sahen sie schlicht keine andere Möglichkeit mehr. Doch damit dürfte es nun vorbei sein, ist man seitens der Stadtverwaltung zuversichtlich. Gerade seien massive Toiletten und Duschanlagen in die Kühweid geliefert und installiert worden. Damit stünden nun rund 22 Duschen und ähnlich viele WC für die Flüchtlinge in einem weit höheren Standard als bisher zur Verfügung. Doch die Sorgen der Menschen in Huttenheim dürften damit noch lange nicht ausgeräumt sein. Gerüchte über Diebstähle, Zechprellerei und sogar fehlende Katzen machen derzeit im Dorf die Runde. Was davon wahr ist und was an den Haaren herbeigezogen lässt sich schwer trennen. Keine besonderen Vorkommnisse sind jedenfalls dem Polizeirevier Philippsburg bekannt – hier wurden keine Diebstähle oder ähnliche Delikte zur Anzeige gebracht. Auch der Besitzer des nahe gelegenen Supermarktes konnte bisher keine Verfehlungen der neuen Kundschaft feststellen – so bestätigte er es uns am Telefon.

Und es gibt auch durchaus positive Erfahrungen. So wurden bereits erste Freundschaften geschlossen und Flüchtlinge zu Mahlzeiten und Gartenfesten in Huttenheim eingeladen. Das sind in jedem Fall schöne Nachrichten. Wie es in der LEA in Huttenheim weitergeht, steht derzeit völlig offen. Aktuell sind hier zwischen 400 und 500 Menschen untergebracht – doch welche weiteren Zuströme es hier geben könnte, wenn die provisorische Unterkunft in der Karlsruher dm-Arena aufgelöst wird, steht in den Sternen. Auf dem Gelände wurde jüngst ein großes Zelt aufgeschlagen, jedoch nicht um weitere Menschen unterzubringen, sondern um Platz für die Essensausgabe und einen überdachten Gemeinschaftsbereich zu schaffen. Abwarten und auf das Beste hoffen – diese Gemütslage eint derzeit die Menschen in und um die LEA in Huttenheim.

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